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Reformations-Gottesdienst in der Leipziger Thomaskirche läutet Jubiläums-Festwoche ein

Reformations-Gottesdienst in der Leipziger Thomaskirche läutet Jubiläums-Festwoche ein

Mit einem Festgottesdienst haben am Mittwoch protestantische Christen in der Leipziger Thomaskirche den Reformationstag gefeiert. In seiner Predigt in der überfüllten 800-jährigen Thomaskirche rief der Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), Präses Nikolaus Schneider, die Gläubigen zu Mitmenschlichkeit und zum Eintreten für Freiheit und Gerechtigkeit auf.

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In seiner Predigt würdigte der EKD-Ratsvorsitzende, Präses Nikolaus Schneider, das Jubiläum von Thomaskirche, Thomanerchor und Thomasschule.

Quelle: dpa

Leipzig. Christen sollten sich ihrer Weltverantwortung nicht durch Jenseitsträumereien entziehen. Es gehe um einen tätigen Glauben, um ein gerechtes und barmherziges Tun, dass sich auch durch Rückschläge und Misserfolge nicht entmutigen lasse.

„Wir können mit Geduld und mit sanftem Mut für Recht und Frieden und die Bewahrung der Schöpfung eintreten“, sagte der Präses. Menschen konnten und könnten Kerzen den Kanonen entgegensetzen. „Das muss man hier in Leipzig niemandem erklären“, sagte er mit Blick auf die friedliche Revolution in der DDR. Zur Debatte um die Beschneidung als religiöses Ritual sagte Schneider, Kirchen sollten sich davor hüten, jüdische und muslimische Gläubige zu belehren. „Darüber hinaus treten wir entschieden an ihre Seite, wenn durch Rechtsentscheidungen jüdisches und muslimisches Gemeindeleben unmöglich zu werden droht“, betonte er.

500 Jahre Reformation: Jubiläum 2017 als bundesweiter Feiertag?

In fünf Jahren wollen Christen 500 Jahre Reformation feiern. Schneider hatte sich kurz vor dem Reformationstag dafür ausgesprochen, im Jubiläumsjahr 2017 den 31. Oktober zu einem bundesweiten Feiertag zu machen. Martin Luther hatte am 31. Oktober 1517 mit der Veröffentlichung seiner 95 Thesen gegen Missstände in der Kirche und den Ablasshandel die Reformation der abendländischen Kirche und die Trennung in Protestanten und Katholiken eingeleitet.

Der Gottesdienst war zugleich der Auftakt für die Festwoche zum 800-jährigen Bestehen der Thomaskirche, die am Samstag in der Multimedia-Performance „Hofpause“ gipfeln soll. Es ist die dritte und letzte Festwoche im Jubiläumsjahr „800 Jahre Thomana“, das unter dem Motto „Glauben, singen, lernen“ den Dreiklang von Kirche, Chor und Schule feiert. Die ARD übertrug den Gottesdienst live. Aber außer der Technik war alles traditionell. Denn natürlich sangen die Thomaner, begleitet vom Gewandhausorchester. Natürlich hatte Thomaskantor Georg Christoph Biller für die Engelsstimmen der Chorknaben eine Bach-Kantate ausgesucht: „Gott der Herr ist Sonn und Schild.“ Nach dem Gottesdienst ehrte die EKD bei einem Festakt den Musiker und Dirigenten Helmuth Rilling mit der Martin-Luther-Medaille. Der 79-Jährige leitet die Bach-Akademie in Stuttgart.

Die Thomaskirche feiert in diesem Jahr 800 Jahre Tradition. Als Martin Luther am Pfingstsonntag 1539 zur Einführung der Reformation in der Leipziger Thomaskirche predigte, war das Kirchenschiff ebenfalls zum Bersten voll. Schließlich stellten die Menschen sogar von außen Leitern an die Mauern und schlugen die Fensterscheiben ein, um wenigstens ein paar Sätze, einige Klänge von diesem historischen Ereignis mitzubekommen.

 

Pfarrer Christian Wolff: "Musik baut Brücken"

 

Für Pfarrer Christian Wolff ist sonnenklar: Die Musik ist das Medium, das die Brücken baut zum Glauben, zwischen Kulturen und den Besuchern aller Herren Länder. „Wir unterscheiden nicht zwischen der Thomaskirche als Gotteshaus und der Thomaskirche als touristischem Ziel“, sagt Wolff. Rund 35.000 Menschen besuchten im vergangenen Jahr die Gottesdienste, rund 120.000 Besucher die Konzerte und Motetten – und die Tendenz zeigt im Jubiläumsjahr deutlich nach oben.

 

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Die Thomaskirche war zum Festgottesdienst am Reformationstag bis auf den letzten Platz gefüllt.

Quelle: dpa

Daran dürfte der berühmteste Thomaskantor, Johann Sebastian Bach, seinen Anteil haben. Einst nur dritte Wahl der Stadtväter, führte er von 1723 bis 1750 gewissenhaft den Chor, komponierte jede Woche eine Kantate und mehrt heute den Weltruhm Leipzigs. „Wer die Musik Johann Sebastian Bachs authentisch erleben will, muss eine Motette in der Thomaskirche besuchen“, sagt Wolff. Keine Musikstadt der Welt habe das zu bieten: Der Original-Klangkörper (Thomaner) musiziert am Original-Wirkungsort (Thomaskirche) und nutzt das Original-Format (Motette als musikalische Andacht).

 

45 Mal im Jahr gestalten die Thomaner gemeinsam mit dem Gewandhausorchester samstags um 15 Uhr in der Regel eine Bach-Kantate in der Motette. Pro Aufführung genießen zwischen 600 und 2000 Gäste den Ohrenschmaus. Der Eintritt ist frei, ein obligatorischer Euro für das Programm geht aber an die Gemeinde der Thomaskirche.

dpa / lyn

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