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Regisseur Sam Garbarski stellt „Es war einmal in Deutschland ...“ in Leipzig vor

Filmpremiere in den Passage Kinos Regisseur Sam Garbarski stellt „Es war einmal in Deutschland ...“ in Leipzig vor

Das Publikum spendete Premierenapplaus, die Zuschauer fanden den Film „berührendend“: Regisseur Sam Garbarski hat am Dienstagabend seinen Film „Es war einmal in Deutschland…“ in den Leipziger Passage Kinos vorgestellt.

Filmszene aus "Es war einmal in Deutschland..." (links). Am Dienstagabend empfing Kinochefin Petra Klemann den Regisseur Sam Garbarski, Schauspielerin Antje Traue und Produzentin Roshanak Behesht Nedjad (von links) in den Passage Kinos.

Quelle: dpa / J.E.

Leipzig. Das Buch hat er atemlos in einem Rutsch verschlungen: Sam Garbarski, Regisseur und Sohn jüdischer Eltern, die nach dem Krieg eigentlich nur eines wollten – weg aus Hitlers Reich. Wie bei vielen der etwa 500.000 Juden, die damals durch dieses Deutschland zogen, um nach Palästina zu kommen, kam etwas dazwischen. Also blieben sie einfach. So fand Sam Garbarski in Michel Bergmans „Die Teilacher“ seine eigene Familiengeschichte wieder. Am Dienstagabend feierte Gabarski mit seinem Film „Es war einmal in Deuthschland…“ in den Leipziger Passage Kinos Premiere. Neben dem Regisseur stellten sich auch Produzentin Roshanak Behesht Nedjad und Schauspielerin Antje Traue den Fragen von Kinochefin Petra Klemann.

Mit David Berman, Sohn eines ermordeten jüdischen Textilhaus-Besitzers und KZ-Überlebender, geht Garbarski in Frankfurt/Main in die Spur für eine vertrackte Geschichte um Überleben, Weiterleben und Endlich-wieder-leben. Auch David Berman (Moritz Bleibtreu) will raus aus Deutschland, braucht dafür aber natürlich Geld. Doch wozu kommt er familiär aus der Handelsbranche, wenn er damit nicht wieder loslegen könnte. Es steckt ihm einfach im Blut. Dummerweise jedoch verweigern ihm die Amerikaner eine Lizenz – weil er im KZ als privilegierter Häftling galt. Da liegt für Sara, der attraktiven US-Offizierin in straffer Uniform, der Verdacht nahe, dieser so nett-beflissene wie umgängliche Mann habe mit den Nazis kollaboriert.

Was ihr Berman wortgewandt auszureden versucht. Auch, um sein irrwitziges Geheimnis zu bewahren. Um ein Handelsgeschäft mit Aussteuerwäsche aufzuziehen, braucht er daher Partner. Die findet er in sechs anderen jüdischen Überlebenden, die alle ihre Alpträume aus dem Lager aus der Seele zu bekommen versuchen. Was allerdings nicht jedem gelingt.

Was gelingt, ist der Einstieg in die neue Zeit. Denn diese Handelstruppe versteht es, deutschen Hausfrauen, ohne Männer, aber mit Sehnsüchten danach, dank bauernschlauer Komplimente, jovialem Klinkenputzen und charmanten Tricks mit der Wäsche Versprechungen auf mehr zu verkaufen. Das Geld stapelt sich bei den Verkäufern, während David lächelnd seiner Vernehmerin mit leichter Zunge eine Geschichte über sein Lagerleben auftischt, die sie unmöglich glauben kann.
Das hat was von „Mein bester Feind“ (2011), jener hinreißenden Komödie von Wolfgang Murnberger. Doch „Es war einmal in Deutschland ...“ ist anders, nicht so übermütig und überkandidelt, nicht so turbulent und turbo inszeniert. Sam Garbarski, der Belgier, dem mit „Irina Palm“ (2007) eine der besten Sozialkomödien der letzten Jahre gelang, erzählt ruhiger und beruhigter, gefälliger und gediegener, mixt abgründigen, jüdischen Humor mit bitteren Erinnerungen, die einen um Berman in den Tod treiben. Er glaubte, in einem Kioskbesitzer einen üblen KZ-Wächter erkannt zu haben – und nimmt Rache. Aber könnte er sich geirrt haben?

So färbt Sam Gabarski „Es war einmal in Deutschland ...“ listig und mit Hang zur amüsanten Schaubude mal tragisch, mal komisch, mal ausgelassen, mal tiefernst. Oft ein bunter Anekdotenreigen mit kräftig nachgefärbtem Zeitkolorit und Charakteren, die retro in Klamotten und realistisch in ihren Handlungen auftreten. Die Mischung macht den Reiz, auch wenn manches eher zu zaghaft, zu zögerlich, zu wenig zupackend inszeniert erscheint.

Die in Leipzig ansässige Mitteldeutsche Medienförderung hat die Produktion von „Es war einmal in Deutschland ...“ mit 350 000 Euro gefördert. Dafür wurde im Mai 2015 an zehn Tagen in der Region gedreht – auf einem Friedhof in Gera eine Beerdigung, in Görlitz in der Altstadt und im Jugendstil-Kaufhaus (zuletzt Kulisse für „Grand Budapest Hotel“) sowie in Weißenfels. Als US-Vernehmerin Sara besetzte Sam Garbarski die 36-jährige Traue, geboren in Mittweida, die erst im Januar als sexy BND-Agentin in „Kundschafter des Friedens“ überzeugte.

Norbert Wehrstedt / J.E.

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