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Reich-Ranicki fürchtet Feiern zum 90. Geburtstag

Reich-Ranicki fürchtet Feiern zum 90. Geburtstag

Marcel Reich-Ranicki freut sich nicht auf die großen Feierlichkeiten zu seinem 90. Geburtstag am 2. Juni. "Im Gegenteil: Ich fürchte mich davor", sagte Deutschlands berühmtester Literaturkritiker dem Nachrichtenmagazin Focus.

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Marcel Reich-Ranicki bei einer Pressekonferenz anlässlich des Drehstarts zur Verfilmung seiner Biographie "Mein Leben". (Arcivbild vom Juni 2008).

Quelle: dpa

Frankfurt/Main. Bei solchen Anlässen gebe es "erfahrungsgemäß die Gefahr von Intrigen", meinte MRR“ weiter. "Im Laufe meines Lebens habe ich mich jedoch daran gewöhnt." Er habe sich von jeher als Außenseiter gefühlt.

Reich-Ranicki bekannte zugleich, dass er Angst vor dem Tod habe. "Ich denke täglich daran." Das Alter sei "eine Qual". An ein Jenseits glaube er nicht. "Da kann ich nur lachen", sagte Reich-Ranicki, der als Jude einer deutsch-polnischen Familie entstammt. Während der Nazi-Zeit gelang ihm zusammen mit seiner Frau die Flucht aus dem Warschauer Ghetto.

Die Freundschaft mit Schriftstellern bezeichnete er als schwierig, weil diese im Grunde nur an einem positiven Urteil über ihre Werke interessiert seien. Dies erkläre auch die Attacken von Günter Grass oder Martin Walser, obwohl er beide auch immer wieder gelobt habe. Als Voraussetzung für eine Versöhnung mit Martin Walser, der in seinem Buch "Tod eines Kritikers" Reich-Ranicki aufs Korn nahm, sieht Reich-Ranicki eine Entschuldigung des Schriftstellers. Zwar habe ihm Walser einmal einen Brief geschrieben. "Doch ich hatte nicht den Eindruck, dass Walser an einer Aussöhnung interessiert war", sagte der Kritiker.

Vier Tage nach seinem Geburtstag erhält Reich-Ranicki am 6. Juni von der Ludwig Börne-Stiftung die Ehrenmedaille. Zur Feier in der Frankfurter Paulskirche kommen unter anderem die TV-Moderatoren Thomas Gottschalk und Harald Schmidt, FAZ-Mitherausgeber Frank Schirrmacher sowie Autor Henryk M. Broder.

dpa

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