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Kultur Rektorin Schücking und die Wandbilder: "Die Universität ist nicht geschichtsblind"
Nachrichten Kultur Rektorin Schücking und die Wandbilder: "Die Universität ist nicht geschichtsblind"
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22:48 20.03.2015
Leipzig

Und das Gemälde "Aufrecht stehen - für Herbert Belter, Ernst Bloch, Werner Ihmels, Hans Mayer, Wolfgang Natonek, Georg-Siegfried Schmutzler" von Reinhard Minkewitz, das Erich Loest vor neun Jahren in einer privaten Initiative in Auftrag gab, ist künftig ebenfalls im Foyer des Hörsaalgebäudes zu sehen. Am 30. März wird die neue Dauerausstellung eröffnet.

Im LVZ-Interview verrät Beate Schücking, Rektorin der Universität, wie sie über die beiden Wandbilder denkt und welche Bedeutung sie für die junge Generation erlangen könnten.

Wer die Einladung zur Vernissage liest, könnte meinen, das Minkewitz-Bild sei der Universität wichtiger als das von Tübke, oder?

Schücking: Beide Bilder sind uns gleich wichtig, nur ist eben der Titel für das Minkewitz-Bild ungleich länger als der des Tübke-Wandbildes.

Die Universität präsentiert bewusst beide Bilder in einer Vernissage?

Ja, denn wir betrachten diese beiden Kunstwerke als zwei Seiten einer Medaille. Als ich vor vier Jahren ins Amt kam, lernte ich Erich Loest als nahezu verbitterten Menschen kennen. Er sah keine Möglichkeit, das von ihm initiierte Wandbild "Aufrecht stehen -" in die Universität zu bringen. Ich lud ihn nach seinem 85. Geburtstag zu Kaffee und Kuchen zu mir ins Rektorat ein, wir sprachen vertrauensvoll miteinander und analysierten die Situation.

Ihr Vorgänger Rektor Franz Häuser hatte mit Erich Loest keinen Konsens gefunden. Wie kam es unter Ihrer Verantwortung zum Sinneswandel?

Im Ergebnis der Gespräche mit Erich Loest und auch mit Brigitte Tübke-Schellenberger war ich zu der Überzeugung gelangt, dass es sinnvoll für die Universität sein kann, beide Bilder - gewissermaßen wie in einem Dialog - zu präsentieren. Also das Tübke-Wandbild, das uns sozusagen die offizielle DDR-Geschichte nahebringt, und das Gemälde von Minkewitz, das Personen würdigt, die auf unterschiedliche Weise in Konflikt mit der SED-Diktatur geraten waren. Das Tübke-Bild gehörte und gehört zur Universitätskultur, es war immer frei zugänglich und wird es wieder sein. Und wenn Erich Loest und mit ihm noch eine ganze Reihe von Bürgerinnen und Bürgern dieser Stadt zum Ausdruck bringen, dass ihnen bestimmte Zeugnisse des Widerstands wichtig sind, und wenn uns über die Stiftung Friedliche Revolution ein Angebot gemacht wird, wie die Universität das Bild ohne große finanzielle Belastung zeigen kann, so werden davon unsere Alma mater und die breite Leipziger Öffentlichkeit nur profitieren.

Ein oft quälender Disput ist damit zu Ende gebracht?

Einerseits ja, andererseits kann er als Diskurs neu beginnen. Gerade auch unsere Studierenden können sich anhand der Kunstwerke vergegenwärtigen, wie konfliktreich sich die Geschichte dieser Universität in der jüngeren Vergangenheit darstellte. Wir sind jetzt, also 25 Jahre nach der Friedlichen Revolution, bereits in einer Phase, in der von der jungen Generation vieles weder angesprochen noch gewusst wird. Erinnerungs- und Wis-senslücken können durch die beiden Gemälde aufgefüllt werden. Ich kann mir nur positive Wirkungen vorstellen.

Ihnen sagt die Personen-Konstellation auf dem Minkewitz-Bild zu?

Sie gehört für mich - wie Tübkes Figurenfindung - zur künstlerischen Freiheit. Doch wenn von Minkewitz der einstige Studentenratschef Wolfgang Natonek und der Student im Widerstand Herbert Belter dargestellt sind, symbolisiert das beste Leipziger Universitätsgeschichte. Der fühlen wir uns verpflichtet. Es gibt den Wolfgang-Natonek-Preis, wir führen die Belter-Dialoge durch.

Das Tübke-Bild gehört der Universität, wie kommt das Minkewitz-Bild an die Alma mater?

Es ist in Besitz der Stiftung Friedliche Revolution, mit ihr wurde ein Gestattungsvertrag abgeschlossen, der besagt, dass die Stiftung das Bild für zunächst zehn Jahre in der Universität zeigen kann. Es gibt die Option der Verlängerung.

Das von Erich Loest initiierte Gemälde zu zeigen, ist eine Hommage an ihn?

Das will ich gar nicht mal sagen. Die Universität bringt damit zum Ausdruck, dass sie nicht geschichtsblind ist und im Rahmen ihrer Möglichkeiten würdigt, was in dieser Stadt geschehen ist.

Aus der Leipziger Volkszeitung vom 21.03.2015

Interview: Tom Mayer

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