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Kultur Revuetheater am Palmengarten ist dicht
Nachrichten Kultur Revuetheater am Palmengarten ist dicht
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00:30 29.03.2018
Ansicht vom Revuetheater am Palmengarten in Leipzig Foto: Andre Kempner
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Leipzig

 Die Eröffnungs-Vorstellung stieg am 8. Oktober 2009. Mit der hauseigenen Produktion „Tabuzonen“ begann die Geschichte des Revuetheaters am Palmengarten. Am vorvergangenen Samstag zog sich der Vorhang zum letzten Mal zu – nach achteinhalb Jahren hat Betreiber Matthias Bremke das Haus geschlossen.

Im vorigen Herbst, zur Leipziger Lachmesse, hielt man im Kabarettkollegenkreis noch die Hand vor den Mund: „Möglicherweise wird es nicht mehr lange gehen“, wurde gemunkelt. Der Publikumszuspruch am Palmengarten zum Festival schwächelte, und Bremkes Ex-Frau Katrin Troendle hatte einen Monat zuvor verkündet, neue Wege zu gehen – weg vom Theater an der Jahnallee, hin zum Central-Kabarett.

„Es hat für mich keinen Sinn mehr gehabt, das Haus zu betreiben“, erklärt Bremke auf LVZ-Nachfrage. „Ein eigenes Ensemble wäre nötig gewesen, und das wollte ich mir nicht ans Bein binden. Ich habe 20 Jahre Kultur in Leipzig gemacht, immer nah an der Zahlungsunfähigkeit – nun wurde es Zeit für einen Schnitt.“ Der 52-Jährige ist zufrieden, das Aus ohne Überschuldung vollzogen zu haben. Ein Ende ohne Schrecken.

Ein offenes Geheimnis, dass Bremke in all den Jahren nie ganz unumstritten war – weder als Betreiber des Frosch Cafés, das von 2002 bis 2010 Adresse für Kleinkunst und das erste Leipziger Nichtrauchercafé war, noch als Eigentümer des Palmengartens. „Er hat sich gegenüber manchen Menschen nicht ,koscher‘ verhalten“, umschreibt es ein Zugehöriger der Brettl-Szene. Schauspieler Jürgen Fliegel, der noch mit Bernhard Biller am Freitag vor der Schließung im Palmengarten spielte, kennt die Meinungen. „Er ist ein Einzelkämpfer und hat nicht nur Freunde, er ist halt besonders“, sagt er. „Trotzdem: Wir hatten eine geile Zeit im Frosch Café und später im Palmengarten.“

Besonders war die Location an sich, eine ehemalige Gastankstelle: Im Gegensatz zu den anderen Kleinkunst- und Kabarettbühnen lag sie ein Stück vom Stadtkern entfernt – und wurde nicht, wie die Kollegen dort, mit städtischen Fördermitteln bedacht. „Meine Anträge wurden viermal abgelehnt, mit für mich nicht nachvollziehbaren Argumenten“, berichtet Bremke, „dann habe ich es aufgegeben.“ Eine bemerkenswerte Leistung, dass das Palmengarten-Theater trotz der geografischen und der subventionslosen Situation so lange durchgehalten hat.

Im Veranstaltungsplan standen neben einigen Gastspielen vor allem Leipziger Künstler. Neben Sachsendiva Katrin Troendle gehörten Fliegel/Biller zu den Stammbespielern, ebenso Simone Danaylowa und Susanne Grütz.

Zwischenzeitlich tauchten Protagonisten der freien Szene auf, beispielsweise das Theater Pack oder die Bühne 08. Ebenso wie Troendle wanderte schon lange zuvor die Comedy-Lounge ins Central-Kabarett, wo nun auch Biller & Fliegel ihr Medizin-Kabarett „Wo tut’s denn weh?“ aufführen werden.

„Nach der Schließung des Theater Fact nun der Palmengarten – das bedeutet wieder eine Farbe weniger in der Kulturstadt Leipzig“, bedauert Fliegel. Möglicherweise trifft aber auch die emotionslose Bezeichnung „Selbstreinigungskräfte des freien Marktes“ zu. Sieben Bühnen für überwiegend leichte Unterhaltung – fünf Kabaretts, Palmengarten und Fact – sind trotz wachsenden Zuzugs nach Leipzig auf Dauer wohl zu viel.

Nichtsdestotrotz: Theater-Immobilien-Eigentümer Bremke, der sich nun wieder auf seinen Beruf als Baukaufmann konzentriert, wären Theatermacher als Nachfolger am liebsten. „Die Einrichtung ist perfekt dafür“, konstatiert er. „Und einen Drive-In möchte ich nicht hier haben.“

Der in Westfalen geborene und dort weitgehend aufgewachsene Bremke, 1996 als kaufmännischer Leiter eines Baukonzerns nach Leipzig gezogen, will an der Pleiße bleiben, wegen seiner beiden Kinder und „weil ich Leipzig liebe“. Der Kultur bleibt er treu – als Konsument. Als solcher sitzt er möglicherweise Ende September im Central-Kabarett, wenn Jürgen Fliegel und Bernhard Biller ihr neues Programm spielen. Titel: „Irgendwas is immer“.

Von Mark Daniel

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