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Kultur Riccardo Chailly über neue Gewandhaus-Spielzeit: „Mehr Weltstars als je zuvor“
Nachrichten Kultur Riccardo Chailly über neue Gewandhaus-Spielzeit: „Mehr Weltstars als je zuvor“
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20:43 27.03.2012
Riccardo Chailly Quelle: dpa
Leipzig

Nun ist er genesen zurück: In den großen Concerten dieser Woche dirigiert er die Missa Papae Pauli seines Vaters Luciano Chailly, am Dienstag stellte er die Saison 2012/2013 vor.

Frage: Ihr Vater war ein sehr produktiver Komponist. Warum dirigieren Sie erst jetzt eines seiner Werke in Leipzig?

Riccardo Chailly:

Es hat sich nicht ergeben. Aber nun ist der zehnte Todestag meines Vaters, das ist für mich ein willkommener persönlicher Anlass. Der Schluss des Agnus Dei aus der Messe ist übrigens in den Marmor seines Grabsteins auf dem Familiengrab gemeißelt: Dona nobis pacem – Gib uns Frieden.

Sie fahren in wenigen Wochen mit dem Orchester nach Rom und spielen zum Geburtstag von Papst Benedikt den „Lobgesang“ des Protestanten Felix Mendelssohn-Bartholdy. Warum nicht die katholische Messe Ihres Vaters?

Weil die einem anderen Papst gewidmet ist, das kann man nicht machen. Und der Lobgesang ist nicht protestantisch, sondern universell in seiner Spiritualität, dem Umgang mit der Heiligen Schrift. Mein Vater war ein sehr religiöser Mensch, er verehrte Papst Paul VI., einen mutigen, sehr modernen Papst, ihm hat er das Werk gewidmet. 1964, nach der Uraufführung unter Ferruccio Scaglia, sind wir mit der ganzen Familie nach Castel Gandolfo in die Sommerresidenz des Papstes gefahren und haben ihm den Mitschnitt gebracht. Mein Vater war sehr stolz, und das hat sich auf die ganze Familie übertragen. Dass die Missa Papae Pauli nun unmittelbar vor dem Papstbesuch mit dem Gewandhausorchester auf dem Programm steht, ist Zufall, aber eine für mich sehr schöne Koinzidenz.

Wie klingt die Messe Ihres Vaters?

Er vertonte die sechs kanonischen Messsätze. Das Werk dauert gut 20 Minuten – mein Vater war ein Schüler Paul Hindemiths und sehr ökonomischer Komponist. Seine Musik ist fast ausschließlich zwölftönig gearbeitet. Die Missa bildet eine Ausnahme, ist so ziemlich das einzige größere Werk aus seiner Feder, das auf tonalen Strukturen beruht. Sie ist polyphon gearbeitet, beruft sich auf Vorbilder wie Palestrina. Der Chor führt, das Orchester begleitet, im Zentrum steht der Text.

Sie müssen, sagen die Ärzte, ein wenig kürzer treten. Wie wirkt sich das auf Ihre Arbeit aus?

Ich muss mich künftig noch mehr auf Wesentliches konzentrieren.

Heißt konkret?

Dass ich meine Arbeit außerhalb Leipzigs noch stärker einschränke, ich habe beispielsweise Strauss’ „Ariadne auf Naxos“, die ich im Sommer bei den Salzburger Festspielen dirigieren sollte, schweren Herzens abgesagt. In Leipzig rücken die großen Projekte ins Zentrum, dergestalt, dass ich längere Perioden mit dem Gewandhausorchester arbeite, in Leipzig und auf Tournee, mir davor und danach aber längere Ruhezeiten nehmen muss.

Welche großen Projekte sind das?

Vor allem unser Brahms-Zyklus, der neben den Sinfonien und den Konzerten auch Ouvertüren, Vokalwerke und Serenaden beinhalten soll, der auf CD produziert wird, und mit dem wir wieder in Wien, Paris und London Residenzen haben nach dem Modell des Beethoven-Zyklus im letzten Jahr. Und wir führen den Mahler-Zyklus fort, den wir auf DVD produzieren.

Mit Zyklen, Tourneen und CD- sowie DVD-Produktionen ist ein großer Teil Ihrer Programme festgelegt...

... aber wir bieten genug an, um einen abwechslungsreichen Spielplan zu garantieren. Es wird eine sehr interessante Uraufführung geben, Martin Grubinger kommt wieder. Überhaupt haben wir mehr Weltstars als Gäste als je zuvor.

Auch am Dirigentenpult?

Auch am Pult! Da trägt das Mahler-Festival bereits Früchte: Als Reaktion hat Alan Gilbert, der Chefdirigent der New Yorker Philharmoniker, sein Kommen zugesagt, auch Andris Nelsons wird dirigieren. Dazu haben wir eine Vereinbarung über eine regelmäßige Zusammenarbeit mit John Eliot Gardiner, über die ich mich sehr freue, Christoph von Dohnanyi tritt wieder ans Gewandhaus-Pult. Auch mit den Gästen streben wir längerfristige Projekte an. Einmalige Dirigate bringen dem Orchester nicht viel, den Dirigenten auch nicht. Wir denken in größeren Zyklen.

Als Ulf Schirmer Intendant wurde, sprachen Sie von der Möglichkeit, in die Oper Leipzig zurückzukehren. Wie sieht es damit aus?

Ich werde die Tradition des Verdi-Requiems wieder aufnehmen, als Gewandhaus-Beitrag zum Verdi-Jahr 2013.

2013 ist auch Wagner-Jahr ...

... das sich bei uns widerspiegelt darin, dass Maestro Schirmer sein Konzert im Gewandhaus Richard Wagner widmet. Er dirigiert den „Ring ohne Worte“.

Interview: Peter Korfmacher

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