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Riesen auf Reisen - Gespräche auf Augenhöhe: Klub der langen Menschen in Leipzig

Riesen auf Reisen - Gespräche auf Augenhöhe: Klub der langen Menschen in Leipzig

"Eine Woche lang Gespräche auf Augenhöhe führen", das ist die häufigste Antwort auf die Frage, was die großen Menschen an ihren Europatreffen besonders begeistert.

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Gruppenbild der großen Damen und Herren vor dem Start zum Ausflug nach Naumburg.

Quelle: André Kempner

Leipzig. Und das ist in diesem Fall nicht sinnbildlich, sondern wörtlich gemeint. Jedes Jahr in der Himmelfahrtswoche versammeln sie sich in einer anderen Stadt, hauptsächlich in Mittel- und Nordeuropa.

Dort leben nun mal mehr Lange als im Süden. Sich nicht nach unten beugen müssen beim Gespräch, eine Woche lang nicht auffallen in der Gruppe, klein sein zwischen den anderen, dafür lohne sich die Reise, sagen einige Teilnehmer. "Das ist wie eine große Familie. Freundschaften haben sich mit der Zeit entwickelt. Und jedes Jahr lernen wir eine neue Gegend kennen", schwärmt Iris Rothe (1,86 Meter) aus Könnern.

Dieses Jahr nun ist Leipzig und Umgebung an der Reihe. "Diese Stadt ist wirklich toll, das wollen wir den anderen zeigen", sagt Kristina Hesse (1,87) vom örtlichen Klub der Großen, die zum 20-köpfigen Organisationsteam gehört. Zwei Jahre lang wurde am Programm gebastelt. Vorgestern ging es nach Altenburg, gestern fuhren 123 Leute mit 180 Zentimetern plus x nach Naumburg und Freiburg/Unstrut.

Am Mittwoch und in den kommenden Tagen erkunden sie das Stadtgebiet. Am Donnerstag beginnt dann das Hauptprogramm, zu dem noch 200 Neuankömmlinge erwartet werden. Der krönende Abschluss wird der Galaball am Samstagabend im Leipziger Hotel Westin sein.

Für die meisten Teilnehmer ist das einfach eine schöne Urlaubswoche. Über Probleme des Groß-Seins werde eigentlich kaum gesprochen, berichten einige. An zu enge Sitze in Bus, Bahn und Flugzeug hätten sie sich gewöhnt. Und bei Kleidung und Schuhen sei vieles schon viel besser geworden. Selbst Damenschuhe in Größe 44 oder 45 gibt es in manchen Geschäften. Nur teurer sei eben alles.

Doris Büttner, mit 75 Jahren eine der ältesten Teilnehmerinnen, ist noch im Gründungsjahr 1959 in Düsseldorf in den Klub langer Menschen eingetreten. Damals gab es kaum Kleidung in ihrer Größe. Als junges Mädchen wurde die 1,81 Meter große ehemalige Kaufmännische Leiterin oft gehänselt. "Da kommt der Krückstock vom lieben Gott", ist einer der Sprüche, die sie im Gedächtnis behalten hat. Ihr Mann war ein Stück kleiner als sie, "aber das hat der Liebe keinen Abbruch getan", erzählt die Stuttgarterin.

An die Spötteleien in ihrer Kindheit und Jugend erinnert sich auch Karin-Andrea Bestmann. Das habe sie trotzdem nicht dazu gebracht, sich klein machen zu wollen. "Wir gehen aufrecht durchs Land", sagt die 1,90-Meter-Frau aus Hamburg. Ihr Mann Uwe ist mit 2,12 Meter einer der größten Teilnehmer. Die beiden haben sich beim Europatreffen 1997 in Dresden kennen- und lieben gelernt. Ihre Größe als Vorteil in bestimmten Sportarten einzusetzen, war nicht ihr Ziel. "Als großer Mensch muss man anpassungsfähig sein, sowohl in der Arbeitswelt als auch in der Freizeit, beim Motorradfahren zum Beispiel. Aber mit der Zeit findet man seinen Weg", sagt Karin-Andrea Bestmann.

Beat Walther aus Basel hat 1996 den Klub langer Menschen in der Schweiz mitgegründet. 400 Mitglieder sind inzwischen dabei, mehr Frauen als Männer. Das liege wohl am Tanzen, dachte sich der mit 1,94 Meter eher kleine Riese. "Bei unseren Veranstaltungen finden die großen Frauen endlich mal große Männer zum Tanzen. Die guten Tänzer sind dann sehr gefordert. Es gibt immer Damenwahl."

Das Gerücht, dass sich große Männer kleine Frauen suchen, hält sich hartnäckig. Beat Walthers Ex-Frau ist 1,53 Meter, sein Sohn deshalb "nur" 1,87 Meter. Große Frauen müssen sich dann kleinere Partner suchen. Doch wie schon gesagt, vieles ist viel besser geworden: auch die Akzeptanz von Paaren, die nicht unserer althergebrachten Norm entsprechen.

Aus der Leipziger Volkszeitung vom 28.05.2014

Katrin Kleinod

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