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Kultur Rockhaus mit neuer Platte am Sonntag in der Moritzbastei
Nachrichten Kultur Rockhaus mit neuer Platte am Sonntag in der Moritzbastei
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21:30 14.10.2015
Ostrock-Ikone Rockhaus Quelle: Carsten Klick
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Leipzig

Er hat eine recht eigenwillige Sicht auf die Welt, der unsichere junge Mann in diesem Lied. Er scheint die Dinge aus einer anderen Perspektiven zu sehen. Die anderen wollen seine Bilder nicht wahrhaben, sie verstehen seine Gefühle und Ängste nicht. Sie wissen genau, was normal ist und dulden keine Abweichung. Doch für ihn ist klar: „Die Verrückten seid doch alle ihr!“

„Geisteskrank“ vom aktuellen Album „Therapie“ ist ein typischer Rockhaus-Song. Griffig, aber mit scharfen Haken, oft überraschend, immer sehr eindringlich interpretiert. Diese Lieder bleiben hängen, hier mischt sich Intellekt mit Herzblut und Rock’n’Roll. Seit ein paar Jahren gibt es sie wieder, jene Band, die den Ostrock der 80er maßgeblich mitbestimmt hat.

Gestartet waren sie blutjung mitten im wilden Aufbruch der Neuen Deutschen Welle mit stark angeschrägtem, kieksig-frischem Teenrock und beachtlichen Kreativpotenzen: „Bonbons und Schokolade“ hieß das erste Album. Aber es klang besser. Mit „Disco in der U-Bahn“ lieferten sie ein halbes Jahrzehnt vor den Fanta 4 einen lupenreinen Deutschrap ab. Ihr drittes Album „I.L.D.“ wurde 1988 zum absoluten Überflieger. Die Band hatte das Teenie-Image komplett abgelegt, ihr erwachsener Deutschrock verblüffte mit einer großen Dichte an Hits. Sänger Mike Kilians Organ entwickelte beeindruckende Klangfacetten, konnte unglaublich explosiv werden und erstaunliche Höhen erklimmen. Bis heute ebenso unverwechselbar wie unerreicht.

Gewisse Löcher

Trotzdem gelang es nicht, den Erfolgsweg nach 1990 gesamtdeutsch fortzusetzen. Die Fans im Osten wollten neue Welten erobern, der Westen nahm kulturell keine Notiz vom Beitrittsgebiet. Gleich vielen Kollegen fielen Rockhaus in ein gewisses Loch. Doch sie haben sich in den Jahren bis heute vielfältig umgetan.

Mike Kilian tourt mit der Stones-Cover-Band „Starfucker“ (den Jagger kann er auch gut!) durch die Lande, des Öfteren war er hier mit „Final Stap“, dem gemeinsamen Projekt mit Tobias Prinz Künzel zu erleben. Bassist Max Repke hob das Projekt „Club der Toten Dichter“ aus der Taufe, das mit unterschiedlichen Sängern deutsche Klassiker vertont. Reinhard Petereit hat in etlichen Theaterstücken, meist führte Armin Petras Regie, gespielt und musiziert. Er gehört zur festen Tourband des Erfolgsunternehmens „Silly“. Auch Keyboarder Beathoven Mohren und Drummer HeinzAngel Haberstroh tanzen beständig auf vielen musikalischen Hochzeiten.

Seit ein paar Jahren bewirtschaften sie wieder gemeinsam ihr Rockhaus. Und spätestens mit dem vorliegenden Album besetzen sie damit einen eigenen Platz im deutschen Rock. Der Klang ist zeitgeistig (gemischt hat der alte Kollege Rainer Oleak), aber nicht beliebig, die Songs sind eingängig, aber nie glatt. Unter den Rockern findet sich auch ein schöner Popsong („Warum“), am Schluss sorgt das wunderbar epische „Ein Wunder“ für ein ausladend schwelgendes Finale. Dazwischen gibt es berührende Liebeskracher („Du tust mir gut“) und echte Kanthölzer wie dieses leicht verstörende „Geisteskrank“. Es wird endlich Zeit, diese Band gesamtdeutsch zur Kenntnis zu nehmen.

Rockhaus, Samstag, 20 Uhr, KL 17 (Ritterstraße 17, Döbeln); Sonntag, 20 Uhr, Moritzbastei (Universitätsstraße 9, Leipzig), Eintritt 24/20 Euro

Von Lars Schmidt

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