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Rosenstolz-Sängerin: „Dass wir weitermachen, war klar“

Rosenstolz-Sängerin: „Dass wir weitermachen, war klar“

Nach fast drei Jahren Pause meldet sich das Berliner Popduo Rosenstolz zurück. „Wir sind am Leben“ heißt das neue Album, das am 23. September erscheint. Gerade haben die beiden Musiker für ihr Engagement gegen Aids das Bundesverdienstkreuz bekommen.

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AnNa R. und Peter Plate sind wieder da.

Quelle: dpa

Berlin. Im Interview spricht Sängerin AnNa R. (41) über das Musikgeschäft und den Burn-out ihres Bühnenpartners Peter Plate.

Herzlichen Glückwunsch zum Bundesverdienstkreuz. Wo heben Sie es auf?

AnNa R.:

„Ja, wo hebt man sowas auf? Ich glaube, das habe ich in die Box getan, in eine Schublade, in der meine persönlichen Sachen sind. Man hängt es ja nicht an die Wand.“

Haben Sie in den vergangenen drei Jahren eigentlich mal gedacht, Rosenstolz hat keine Zukunft mehr?

AnNa R.:

„Nein, das haben wir beide tatsächlich nie gedacht. Dass wir weitermachen werden, war uns klar, nur nicht, wann und wie.“

Sie haben gesagt, Sie hatten richtig die Schnauze voll vom Musikgeschäft. Was hat Sie besonders gestört?

AnNa R.:

„Unsere Plattenfirma war sehr rücksichtsvoll und unterstützend. Ich will jetzt nichts verteufeln. Aber das ganze Geschäft ist wie der Film sehr oberflächlich. Es werden sehr viele falsche Vorbilder und sehr viele falsche Frauen- und Männerbilder verkauft. Man muss eigentlich eine Erfahrung von 50 Jahren haben, wenn man 19 ist. Und wenn man diese Erfahrung hat, muss man wenigstens aussehen wie 19. Man muss ein bestimmtes Gewicht oder bestimmte Haare haben: Das ging mir mit der Zeit unglaublich auf den Keks. Das bin ich nicht. Ich will kein Vorbild sein und will den Leuten auch nicht erzählen, dass Photoshop real ist.“

Sie wollen also wie alle Berliner mit Jogginghose zum Bäcker gehen können?

AnNa R.:

„Korrekt. Und das ist auch mein gutes Recht als Mensch.“

War die Auszeit der Band auch ein Innehalten für Sie persönlich?

AnNa R.:

„Ich bin eh kein Verfechter von ständiger Verfügbarkeit. Peter musste das lernen, hat er auch: Dass man ein Handy auch kurzzeitig mal ausmachen kann und nicht alle drei Minuten am Computer E-Mails lesen muss. Ich habe die Zeit genossen. Ich hatte keine Existenzängste, weil ich nie dachte, dass es wirklich vorbei ist und ich mir eine Alternative suchen muss. Ich habe ganz normale Sachen gemacht, wie eine normale Hausfrau. Auf Tour verlernt man das ja.“

Haben Sie sich nach Peters Zusammenbruch richtig große Sorgen um ihn gemacht?

AnNa R.:

„Ja, natürlich. Allerdings kannte ich auch schon diverse andere Fälle. Das nimmt ja überhand mittlerweile: Das ist ein Problem, das gesellschaftlich besprochen werden sollte.“

Was hatte Peter genau?

AnNa R.:

„Wir haben es Burn-out genannt. Das ist der Überbegriff dafür, weil es gesellschaftlich anerkannt ist. Es verläuft bei jedem anders. Man kann es auch chronische Erschöpfungszustände, teilweise gepaart mit Depression und schweren Depressionen, nennen.“

Haben Sie Peter vermisst, als er in London war?

AnNa R.:

„Wir haben Kontakt gehalten, telefoniert und er war zu Besuch. Wir haben auch relativ schnell wieder angefangen miteinander zu arbeiten mit unserem Coach. Aber nach 20 Jahren ist es auch mal schön, wenn man nicht aufeinander hängt. Ein bisschen Abstand voneinander haben wir auch gebraucht.“

Aber Sie haben sich noch lieb, oder?

AnNa R.:

„Ja, natürlich.“

Annette Humpe hat mal gesagt, dass Sie aus Berlin wegmusste, um nach der Rückkehr die Stadt wieder zu mögen. Können Sie das verstehen?

AnNa R.:

„Das kann ich verstehen, Peter hat das ja auch gemacht. Deshalb ist er nach London gegangen, kam zurück und hat Berlin sehr geliebt. Ich war nie länger weg. Einen echten Berliner kriegt auch keiner richtig raus. Ich bin hier festgewachsen.“

Was halten Sie vom gerade grassierenden Berlin-Hype? Haben Sie schon Touristen mit Rollkoffern unter Ihrem Fenster in Friedrichshain?

AnNa R.:

„Aber ja, ohne Ende. Man darf eins nicht vergessen: Wenn der Flug von Barcelona nach Berlin 29 Euro kostet, dann andersrum auch. Die Berliner fallen am Wochenende genauso in Barcelona ein wie die Spanier hier. Ist doch nett.“

Was neben dem Berlin-Hype während Ihrer dreijährigen Auszeit auch passiert ist: Soziale Netzwerke wie Facebook boomen. Ist das wichtig für Sie?

AnNa R.:

„Als Band sicherlich, als Privatperson gar nicht. Ich boykottiere das alles, weil Social Networks absolut realitätsfern sind. Ich treffe mich lieber mit echten Freunden und lerne echte Freunde kennen. Jeder wie er mag. Aber es ist wirklich schade, dass ganz viele Leute, egal welchen Alters, stundenlang vor ihrem Facebook-Account hängen. Anstatt mal kurz rauszugehen und zu gucken, da ist Sonne oder ein Regenbogen. Oder ich könnte mich mal mit einer Freundin zum Kaffee treffen...“

...oder ich könnte auf ein Rosenstolz-Konzert gehen. Wann gibt es mal wieder ein Konzert?

AnNa R.:

„Das kann ich noch nicht beantworten. Es wird sicher mal wieder Konzerte geben, dieses Jahr aber nicht. Wir möchten uns noch nicht festlegen.“

Interview: Caroline Bock, dpa

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