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Russen-Gala im Gewandhaus

Großes Concert Russen-Gala im Gewandhaus

Große Sinfonik von Tschaikowski und Rachmaninow stad auf dem Programm der von Dmitrij Kitajenko dirigierten Großen Concerte dieser Woche. Am Flügel: der 25-jährige Usbeke Behzod Abduraimov

Dmitrij Kitajenko

Quelle: LVZ

Leipzig. Bisweilen schlägt die unerschütterliche Souveränität Dmitrij Kitajenkos, der im Sommer seinen 75. Geburtstag feierte, in Lässigkeit um. Dann wird es auch mal heikel, weil im Orchester die Spannung gefährdet ist. Aber für Tschaikowskis Dritte, die in den Großen Concerten dieser Woche am Beginn steht, erweist sich diese Musizierhaltung als Segen. Denn sie führt die letzte der Sinfonien des Russen, die es nicht in den Kanon und ins Repertoire geschafft haben, zu einer verblüffend eleganten Leichtigkeit, die im Scherzo etwa den Bogen zurückschlägt bis hin zum luftigen Elfenzauber Mendelssohns. Und so konzentrieren sich Kitajenko und das Gewandhausorchester um Konzertmeister Sebastian Breuninger unbeschadet kleinerer Wackler ganz auf die beinahe unbeschwerte Schönheit dieser Sinfonie, in der noch nicht das Schicksal düster raunt und die Kitajenko in aller Ruhe ausspielen lässt.

Das Zentrum des sozusagen falsch herum gebauten, aber dramaturgisch dennoch bestens funktionierenden Konzertes gehört indes dem 25-jährigen Usbeken Behzod Abduraimov und der Paganini-Rhapsodie Sergeij Rachmaninoffs, diesem sinnlichen Rausch vom Ende der russischen Tradition, die mit Tschaikowski begann. Sie sind höllisch anspruchsvoll, diese Variationen, und Abduraimov macht keinen Hehl daraus, dass es ihm viel Freude bereitet, all die pianistischen Herausforderungen niederzuringen. Warum auch nicht – sie gehört bei diesem Werk dazu, diese circensische Komponente. Wer kann, der kann.

Zumal sich dieses Können bei diesem Pianisten nicht auf die überaus flinken Finger beschränkt – das hätte dann in der Tat mit Musik nur wenig zu tun. Abduraimov durchleuchtet den orchestralen Klaviersatz mit sicherem Gespür für seine sinnliche Kraft. Den Triller-Zaubereien, den vollgriffigen Akkord-Zumutungen, gehuschten Pianissimo-Kaskaden, riskanten Sprüngen zeigt er selbstbewusst die Virtuosenpranke. Und die beinahe unschicklich populäre 18. Variation spielt er so üppig gefühlig, dass gut nachvollziehbar ist, warum auch Hollywood diesen Satz immer wieder gern bemühte. Ein fabelhafter Pianist, so jung noch, und doch im besten Sinne altmodisch. So altmodisch, dass er sich nicht scheut als hartnäckig eingeforderte Zugabe Liszts „Campanella“ nachzureichen, auch dies als große Virtuosen-Nummer, souverän, funkelnd, kraftvoll und mit großer Geste. Kitajenko lässt derweil, auch wenn die Pizze mal nachklappern, mit dem Orchester keine der vielen Instrumentations-Herrlichkeiten links liegen, aber auch nie einen Zweifel daran, dass in diesem Spiel der Pianist der Boss ist.

In Tschaikowskis Dante-Dichtung „Francesca da Rimini“ schließlich fallen auch fürs Gewandhausorchester alle Hemmungen. Satt und rund und wohlig strömt die Tondichtung in tragisch aufgeladener er Schönheit dahin. Üppig glänzen da die Streicher, mächtig prunkt das Blech, das wunderbare Holz rund um die vom Staatstheater Kassel ausgeliehne Soloflötistin Judith Hoffmann-Meltzer strahlt in immer neuen Farben. Ein Orchester-Rausch ohne Reue, diese Russen-Gala, ein Großes Concert der ganz großen sinfonischen Gefühle. Muss auch mal sein.

 

Von Peter Korfmacher

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