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Kultur "Säulenheilige" und berühmte Klangkörper - Blick auf 800 Jahre Leipziger Musikgeschichte
Nachrichten Kultur "Säulenheilige" und berühmte Klangkörper - Blick auf 800 Jahre Leipziger Musikgeschichte
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23:59 05.01.2015
Gewandhauskonzert unter Carl Reinecke 1891. Die Abbildung stammt aus dem Buch "Musica Lipsiensis" des Passage-Verlages. Quelle: PassageVerlag

Vor allem im 19. Jahrhundert hatte Leipzig, dank eines musikliebenden Bürgertums, eine Sogwirkung auf Komponisten und Interpreten aus aller Welt - wurde neben Wien und Paris die zentrale Musikstadt Europas.

Claudia und Johannes Forner, Musikwissenschaftler und Verfasser mehrerer Bücher, wagen nun in ihrem sehr repräsentativen Buch "Musica Lipsiensis. Leipzig - Eine Weltstadt der Musik" einen Blick in die mehr als 800-jährige faszinierende Geschichte, die erstmals 1212 mit den Chorherren im Thomaskloster nachweisbar ist. Die Chorherren bildeten liturgische Sänger für den Dienst beim Gottesdienst aus.

Natürlich: Gaukler und Musikanten haben sicherlich schon vorher das Leben auf Märkten und in den Gassen bestimmt. Verlässliche Quellen über das städtische Musizieren in Leipzig gibt es aber erst in der Mitte des 15. Jahrhunderts, als die Stadtpfeifer bei Festlichkeiten, Hochzeiten und Gastmahlen aufspielten. Schlaglichtartig erzählt die neue Publikation Musikhistorie bis ins pulsierende Konzertschaffen der Gegenwart hinein. Große Namen wie Masur, Chailly, Schirmer, Timm und Luisi fehlen da ebenso wenig wie Amarcord, Calmus oder die Prinzen. Dass vieles davon nicht unbekannt sein dürfte, ist für eine Stadt, die sich mit Gewandhaus, Thomanerchor und der Notenspur vermarktet, wohl nicht weiter verwunderlich. Es gibt aber auch reichlich neue Facetten, darunter zahlreiche bisher unveröffentlichte Abbildungen. Wer weiß schon, dass Orchestervereinigungen wie Euterpe (1814 gegründet) sogar in ihren besten Zeiten zur Gefahr fürs Gewandhaus werden konnten. In sechs Kapiteln will der 260-seitige Text-/Bildband aus dem Leipziger Passage-Verlag vor allem einen profunden Überblick bieten. Angereichert ist er mit vielen Fotos und Abbildungen der "Säulenheiligen" der Musik aus dem Fundus des Stadtgeschichtlichen Museums, wie dessen Direktor Volker Rodekamp bekannte Komponisten im Vorwort bezeichnet.

Es macht schon Spaß, in dem Band zu blättern und auf Deutsch und Englisch etwas übers studentische Musizieren, die Tafelmusik in der Renaissance bei illustren Gesellschaften, die Geschichte des ältesten deutschen Konservatoriums, Orchesterpensionsfonds, die Klangkörper des Rundfunks, die Musikverlage und vieles mehr zu erfahren. Wer danach nicht an die Musik-Weltstadt Leipzig glaubt, braucht bloß im Personenregister zu blättern.

Der Festeinband ist im Passage-Verlag erschienen und kostet 29,50 Euro. ISBN 978-3-95415-021-2.

Aus der Leipziger Volkszeitung vom 06.01.2015

Mathias Orbeck

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