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Satirische Argumente zum Thema AfD

Lachmesse Satirische Argumente zum Thema AfD

Das Thema Rechtsruck und AfD taucht bei der Lachmesse in Leipzig immer wieder auf. Sich dagegen auszusprechen, ist leicht. Sich damit intensiv zu befassen und auf satirische Art zu entlarven, ist eine Kunst. Am Wochenende haben das mehrere Kabarettisten erfolgreich praktiziert.

Liefert seine Erkenntnisse gern per Powerpoint-Präsentation: Nico Semsrott am Freitag im ausverkauften Haus Leipzig,
 

Quelle: Kempner

Leipzig.  Man könnte meinen, sie hätten sich abgesprochen. Zum Finale der Lachmesse demonstrierten mindestens drei Kabarettisten auf kluge Weise, wie man Umgang mit dem Wachstum von Rassismus, Fanatismus und AfD-Stimmen satirisch-argumentativ umgehen kann – Anschauungs-Unterricht für alle Kollegen, die über plattes Lästern und die allzu simple Die-sind-alle-doof-Attitüde nicht hinauskommen.

Im rappelvollen Haus Leipzig präsentiert am Freitag Nico Semsrott auf die typisch phlegmatische Art seiner depressiven Kunstfigur eine simple Rechnung anhand von Pavianhügeln: Auf dem deutschen Hügel leben 82 Exemplare, bis im Jahr 2015 furchterregende 0,89 fremde Paviane dazukommen und Panik ausbricht. „Das ist natürlich bedrohlich“, kommentiert der Mann mit den Hängeschultern unterm schwarzem Kapuzenpulli und fügt der Powerpoint-Präsentation den Pavianhügel vom Libanon hinzu: Auf vier dort lebende kommen zwei geflüchtete – ohne enormes Aufsehen. Auch wie man Aufklärer von Fanatikern unterscheidet, veranschaulicht Semsrott, der bei der Bundestagswahl für Die Partei kandidiert hat. Die ersten schauen auf die Fakten und erzählen die Geschichte dazu, Fanatiker denken sich eine aus und passen die Fakten an.

Am selben Abend meldet ein weiterer Künstler Ad-absurdum-Führungs-Anspruch an: Deutsch-Türke Aydin Isik zerpflückt im Central-Kabarett sowohl Bestandteile des Christentums als auch des Islam zwischen Nächstenliebe und Kriegsführung. Beim Thema AfD wagt der Kölner die direkte Ansprache: „Rein statistisch sitzen hier auch einige AfD-Wähler“, konstatiert er, beschreibt sein Unwohlsein angesichts rechtsradikaler Äußerungen und Verharmlosung der NS-Zeit von Gauland und Höcke. Dann er setzt zum Vergleich an: Erdogan hat auch viel Gutes getan – die Inflation gesenkt, die Türkei modernisiert –, sperrt aber Andersdenkende ein und baut eine Diktatur auf. „Stellt euch vor, ich würde den trotzdem wählen: Das, was ihr über mich denken würdet, das denke ich über euch.“ Das sitzt, kurz ist es still im Saal.

An selber Stelle legt am Samstag HG Butzko nach. Hasskommentatoren auf seiner Website bekommen verbal eins auf die Zwölf („Herr, lass Hirn vom Himmel regnen!“), bei die Relativierung verbreiteter (Vor-)Urteile und Szenarien wird er süffisant: Mangelnder Respekt von Muslimen gegenüber Frauen – „wie der deutsche Mann sich hier benimmt, können die lernen, wenn sie zu Rosenmontagszügen mitgenommen werden“. Schwulenfeindlichkeit von Muslimen – stellt er genüsslich die hinterwäldlerische CSU an die Seite. Verschleierung – „schauen Sie sich mal die Maskierung unserer Frauen nach Schönheits-OPs an, die erkennt man auch nicht mehr.“ Ironisches Fazit des Gelsenkircheners: „Integration kann gelingen.“ Und der Koran? Die im Anschluss verlesenen Fundamentalisten-Aufrufe zu Mord, Vernichtung und Zerstörung stammen aus der Bibel...

 Kurzum: Setzen sich Kabarettisten inhaltlich unterhalb gängigen Wortgeklingels mit diesem schwierigen Stoff auseinander, kann das ziemlich überzeugend klingen – und allerbeste Satire sein.

Ein ausführliches Fazit zur Lachmesse lesen Sie in der Dienstag-Ausgabe.

Von Mark Daniel

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