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Schauspiel Leipzig feiert gelungenen Saisonstart mit Roman-Inszenierung „89/90“

Theater-Premiere Schauspiel Leipzig feiert gelungenen Saisonstart mit Roman-Inszenierung „89/90“

Mit viel Beifall wurde Claudia Bauers Premiere „89/90“ vom Publikum am Freitagabend im Leipziger Schauspiel aufgenommen. Der Stoff von Peter Richter beschreibt eine Jugend in Dresden während der Wendezeit. Die Inszenierung lässt ihre Protagonisten auf die Tage der Anarchie zurückschauen.

Das Stück „89/90“ hat am Freitagabend im Schauspiel Leipzig Premiere gefeiert.

Quelle: Rolf Arnold

Leipzig. Hätte man damals schon sagen können, wer wem einen Baseballschläger über den Kopf haut? Und wer einmal viel Geld mit Immobilien verdienen würde? Diese Frage stellt Schauspieler Wenzel Banneyer in der Rolle des Ich-Erzählers schon während das Publikum den Saal betritt. Ja, es geht um die Wendezeit. Gleichzeitig aber immer um die Frage, was damals, in den Wirren des Umbruchs, bereits angelegt war. Und was äußere Umstände generell aus Menschen machen.

Regisseurin Claudia Bauer greift auf ihre bewährten ästhetischen Mittel des Maskentheaters und Videoeinsatzes zurück. Das wird gleich zu Beginn deutlich. Während Banneyer und sein Freund S. (Roman Kanonik) aus heutiger Sicht über ihre Jugend sprechen und mit den nächtlichen Freibadbesuchen beginnen, illustrieren bizarre Maskenwesen das Treiben im Becken mit tänzerischen Bewegungen im Theaternebel.

Immer wieder verzahnen sich die Ebenen aus Erzählung und Bebilderung geschickt. Ein Chor spiegelt die Masse und das Stimmengewirr des Buches. Bewusst nur wenige Protagonisten erhalten im Laufe des Abends Kontur. An ihrer Geschichte lassen sich die Momentaufnahmen des Abends von der Konfrontation mit den Neo-Nazis auf der Straße bis zum Besuch Helmut Kohls (Andreas Dyszewski im Aufblasanzug) in Dresden geschickt aufhängen. Dadurch behält das Publikum jederzeit den Überblick.

Der Abend verliert sich nicht im Gewimmel der von Richter aufgeführten Personen. Und dennoch werden Entwicklungen deutlich, individuelle Schicksale, alle ausgelöst vom Zusammenbruch des gesellschaftlichen Koordinatensystems. Betroffen sind in eigenartiger Ironie alle – Gegner und Befürworter. Und die Inszenierung nimmt das Ringen um Halt und Orientierung bei aller Komik sehr ernst.

Eine ausführliche Besprechung lesen Sie in der Montagsausgabe der LVZ.

Von Dimo Rieß

Die nächste Aufführung des Stückes ist am Sonntag um 16 Uhr.

Bosestraße 1, 04109 Leipzig 51.34076 12.369693
Bosestraße 1, 04109 Leipzig
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