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Schmusebär unter Strom: Chris Rea rockte mit Reibeisenstimme die Leipziger Arena

Schmusebär unter Strom: Chris Rea rockte mit Reibeisenstimme die Leipziger Arena

Kennt man Chris Rea nur wegen seiner Hits, mag man ihn durchaus als Prachtexemplar der Spezies "Schmuserocker" einsortieren. Das aber wäre falsch. Zumindest ein wenig.

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Live immer wieder ein Ereignis: Chris Rea in der Arena Leipzig.

Quelle: André Kempner

Leipzig. Was sich immer dann zeigt, wenn man Rea live erlebt. Wie am Wochenende, als der 63-jährige Brite mit der sanftesten aller Reibeisenstimmen, ein Konzert in der gut besuchten Arena gab. 2012 war er hier schon zu Gast. Und was man über den Auftritt damals sagen konnte, gilt auch heute: Immer dann, wenn Rea den Schmusebär mit E-Gitarrensaiten malträtiert, ist er richtig gut.

So gut, dass es einen glatt von der Arena- Bestuhlung reißt. Zum ersten Mal bei "Easy Rider", diesem asphaltheißen Südstaaten- Bluesrock. Nummer Fünf in der Titelabfolge des gut 90 minütigen Konzertes, erklingt es direkt nach Reas größtem Hit "Josephine". Auf Säuseln folgt Krachen. Blues-Man meuchelt Schmusebär.

Vertrackt flirren Gitarrensoli mit flinken Fingern. Wuchtig erdig dampft die vierköpfige Band. Sirenenhaft lockend jauchzen zwei Background-Sängerinnen. Ein Mississippi-Delta-Gewitter. Pure Energie und zum Ruhepunkt findend, wenn Rea im einsamen Spot wenig später ein sphärisches Slight-Guitar- Intro in magischem Moll zu "'til The Morning Sun Shines On My Love And Me" spielt. Womit, geht denn dann der Song richtig los, der Schmusebär freilich seine Revanche bekommt.

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Leipzig. Kennt man Chris Rea nur wegen seiner Hits, mag man ihn durchaus als Prachtexemplar der Spezies "Schmuserocker" einsortieren. Das aber wäre falsch. Zumindest ein wenig. Was sich immer dann zeigt, wenn man Rea live erlebt. Wie am Wochenende, als der 63-jährige Brite mit der sanftesten aller Reibeisenstimmen, ein Konzert in der gut besuchten Arena gab.

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Was okay ist. Zumal Rea seinen Schmalz scharf pfeffert und lässig darbietet. Sympathisch ist der Typ außerdem. Worte sind seine Sache nicht. Was auch fürs Gros seiner Songtexte gilt. Aber was sind schon Worte, wenn man seine Gitarren so beredt und beseelt klingen lassen kann?

Von der Old-School-Stratocaster zur italienischen Maranello in Himmelblau, vom harschen Akkorde-Reißen zur sehnsüchtig vibrierenden Bottleneck-Melodieline: Auf den Instrumenten überzeugt Rea immer. Und selbst eine Nummer im Gefühls-Bumm-Tschak wie "Julia", bekommt live etwas Elektrisierendes. Rea setzt den Schmusebär unter Strom, auf dass dem Kuschelfell die Haare wilder zu Berge stehen, als von der gut gebürsteten Konserve gewöhnt. Mag sein, dass das manche Fans weniger toll finden. Der Stimmung in der Arena tut es keinen Abbruch.

Und wenn dann nach "Looking For The Summer" die Tonart zu "Stony Road" wechselt, ist auch das wieder ein Moment, der von den Plätzen reißt. Wie Gottes Faust wummert die Bass-Drum, während Rhythmus-Gitarre und Keyboards eine heißkalte Wolkenfront bilden, die auf Reas Gitarre trifft. Das ist melodramatisch und cool zugleich, und das Soli, das Rea in diesem Bandsound entfacht, ist ein fauchender Blizzard, ein Mahlstrom in Rock und Blues.

Was den Bandleader nicht abhält, sich auch hier an jenen Tanzschritten zu versuchen, die eher charmant als gut aussehen. Etwas bärig - und genau deshalb ein reizender Kontrast zu gern auch mal co Pathos wallenden Klängen. Das funktioniert hervorragend beim "Road To Hell"-Hit und sowieso zum programmatischen "Let's Dance". Kaum einer im Saal, der da noch sitzt.

Aus der Leipziger Volkszeitung vom 10.11.2014

Georgi, Steffen

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