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Schriftsteller Werner Heiduczek verliert mit Erich Loest einen Weggefährten

Schriftsteller Werner Heiduczek verliert mit Erich Loest einen Weggefährten

Die Nachricht vom Tod Erich Loests habe ihn erschreckt. „Im ersten Moment wollte ich das nicht glauben“, sagt Werner Heiduczek, vertrauter Weggefährte Loests, ebenfalls Leipziger Schriftsteller und auch Jahrgang 1926. „Und dann dachte ich: Blöd, jetzt bis du ganz allein.

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Werner Heiduczek

Quelle: André Kempner

Leipzig. “ Die Bitte der Leipziger Volkszeitung, etwas zu

Loests Tod zu schreiben, lehnt er ab. Zu Papier könne er jedenfalls momentan keinen klaren Gedanken bringen. Besonders verstöre ihn, dass sich Loest aus dem Fenster gestürzt haben soll. „Das entspricht nicht seinem Charakter“, sagt Heiduczek. „Wenn, dann war das eine Kurzschlusshandlung. Er war schon sehr krank.“

Zuletzt habe er Loest zum 70. Geburtstag von Schriftstellerin Regine Möbius am 23. Juni in der Moritzbastei getroffen. „Geistig war er völlig klar, allerdings habe ich an seinem Gang gespürt, dass da schon einiges kaputt ist.“ Loest selbst schreibt über den Tag in seinem Tagebuch, das exklusiv in der LVZ veröffentlich wird: „Vor der Moritzbastei muss ich über schreckliche Treppen hinab und wieder hinauf.“ Regelmäßig gesehen habe man sich in jüngster Zeit nicht mehr, so Heiduczek. „Hin und wieder bei Veranstaltungen, Events sagt man heute dazu.“

Mit Loest verbinde ihn einiges. Sein Buch „Tod am Meer“ sowie Loests „Es geht seinen Gang“ sind beide 1977 erschienen und kurz darauf verboten worden. Er erinnere sich noch, wie sie in Rostock auf dem Buchbasar ihre Bücher verkauft haben. „Binnen zehn Minuten waren unsere Stände leer gekauft. Wir sind dann spazieren gegangen.“ Aber es gibt nicht nur Gemeinsamkeiten. Heiduczek: „Er mischte sich ein, musste sich dauernd streiten. Ich brauche das nicht immer.“

Als Loest Anfang der achtziger Jahre auf Druck der Stasi in den Westen geht, bleibt der Kontakt erhalten. „Ich habe ihm alles gesteckt, was so im Schriftstellerverband beredet wurde. Ich war sozusagen sein IM“, lacht der in Schlesien geborene Schriftsteller und Essayist. Nach dem Fall der Mauer kehrte Loest in seine Wahlheimat Leipzig zurück. Die beiden sehen sich wieder häufiger. „Wir haben in der Runden Ecke zusammen unsere Akten eingesehen.“

Ihre Gespräche waren, was nicht verwunderte, abgehört worden. Aus den Akten ginge hervor, dass die Stasi ihn, Loest und Wolfgang Mattheuer (1927–2004), die sich oft trafen und Skat spielten, als „ideologische Plattform“ geführt hatte. „Wir waren Individualisten, jeder ging seinen Interessen nach, von einer ideologischen Plattform zu reden, ist deshalb völliger Quatsch. Wir haben geschimpft und manchmal geflucht, aber im Rahmen, wir wussten ja, dass alles verwanzt war.“

Nicht nur die Gespräche mit Loest werden fehlen. Auch seine Kochkunst, sagt Heiduczek. „Er war ein Gourmet vor dem Herrn und ein Rotwein-Kenner. Oh ja, der Mann hatte wirklich Sinn für edle Tropfen.“

Andreas Dunte

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