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Schrilles Marx-Musical wird in Plauen gefeiert

Schrilles Marx-Musical wird in Plauen gefeiert

Lachen über den Bankencrash in Zeiten der Finanzkrise - das geht: Auf der Bühne des Vogtland-Theaters war das ein großer Spaß. Das schrille Pop-Musical, das immer mal wieder klingt wie der weich gespülte Sound der Prinzen, verströmte bei der Premiere am Samstag eine wilde Lust am kruden Witz und an sentimentalen Heile-die-Welt-Fantasien, dass es nur so knallte und kalauerte.

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Action vorm "Nischel": Michael Schramm (r.) und Daniel Tille in "Comeback".

Quelle: dpa

Leipzig. Langweilig wurde das in der Regie von Volker Metzler nicht. Er hatte für Plauen-Zwickau bereits die "Rocky Horror Show" mit Erfolg inszeniert. Dass sich das jetzt auch hören lassen konnte, dafür hatte Ludger Nowak als musikalischer Leiter gesorgt. Schwungvoll und sensibel dirigierte er Solisten, Chöre und das kleine Orchester. Dazu rockten die Gitarren, röhrte der Bass. Manche Passagen erinnerten in naiver Schlagerseligkeit an Fernseh-Revuen der 70er-, anderes an berühmtere Vorläufer im Musical-Genre. Den Zuschauern gefiel das, die meisten standen auf für den Applaus nach dem Finale.

Prinzen-Frontmann Künzel hat für die Gruppe etwa 60 Prozent des Materials komponiert. Schöne, schlichte Melodien, träumerische Lieder, rührende Duette und volltönende Chöre schrieb er auch in das neue Musical hinein, das er zusammen mit Maximilian Reeg und Steffen Lukas entwickelte. Vor "Comeback!" hatte Künzel mit "Elixier" Ende der 90er in Leipzig über 40 ausverkaufte Vorstellungen erlebt. Der Start mit dem neuen Stück erschien nun ebenfalls hoffnungsvoll. Mehr als 3000 Tickets gingen bereits raus. Für mindestens jeweils 15 Vorstellungen in Plauen und Zwickau soll der Vorhang aufgehen.

Das mit dem Comeback des Philosophen blieb im Stück nur ein Irrtum: Der Mann mit dem wilden Schopf und dem zerzausten Bart da oben auf der Bühne war nicht der auferstandene Karl Marx, auch kein Gespenst, das umherging. Daniel Tille zeigte auf sympathische Weise ein Opfer heutiger Krisen, einen arbeitslosen Musiker in prekärer Lage, der hinterm Grabstein des Philosophen Obdach fand. Unter gewaltigem Brimborium zog ihn die außer Rand und Band geratene Darsteller- und Statistenschar hervor, in Bewegung gesetzt von der Dresdener Choreografin Katja Erfurth. Die Augen des Marx-Monuments glühten dazu im bunten Scheinwerferlicht.

Ausstatterin Claudia Charlotte Burchard ließ einen Kopf anfertigen, der an das Monument in Chemnitz erinnerte und das kleinere Denkmal in London meinte. Mit Effekten sparte sie auch nicht bei den Kostümen. Jenny, die weibliche Hauptrolle, verpackte sie in ein Outfit, das in japanische Comics gepasst hätte. Henriette Fee Grützner machte darin eine gute Figur, glänzte stimmlich und spielerisch. Ebenso Daniel Koch als fieser Bankberater Mammonson. Dessen Opfer, den bankrotten Bankier Acreman, führte Michael Schramm als grandioses Ekel vor, zwischen Größenwahn und Weinerlichkeit.

Ein Panoptikum schräger Figuren tollte in den Nebenrollen herum. Ute Menzel als Mrs. Abroomowitch, monströs aufgepolstert, mit Peitsche und in Uniform, ließ an Rosa Klebb aus dem Bond-Film "Liebesgrüße aus Moskau" denken. Background-Sängerinnen erinnerten an die drei Knaben aus Mozarts "Zauberflöte". Fröhliche Unterhaltung hatten die Autoren zuvor versprochen, und das konnten sie einlösen, nicht mehr - aber auch nicht weniger. Lutz Kirchner (fp)

iVogtland-Theater in Plauen: 10.11., 18 Uhr; 16.11., 19.30 Uhr; 1.12,. 18 Uhr; 7.12., 19.30 Uhr; 8.12., 18 Uhr; 20.12., 19.30 Uhr. Kartentelefon: 03741 28134848, 0375 274114648; www.theater-plauen-zwickau.de

Aus der Leipziger Volkszeitung vom 04.11.2013

Lutz Kirchner

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