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Schüler des Robert-Schumann-Gymnasiums bringen Musical auf die MuKo-Bühne

Schüler des Robert-Schumann-Gymnasiums bringen Musical auf die MuKo-Bühne

Wann wird die Mauer endlich ganz aus den Köpfen verschwunden sein? Die Antwort auf diese Frage weiß niemand, auch nicht im Jahr 25 nach Friedlicher Revolution und Mauerfall.

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"Saitenverkehrt": Schüler des Leipziger Robert-Schumann-Gymnasiums beschäftigen sich mit der Vergangenheit ihrer Eltern.

Quelle: André Kempner

Leipzig. Das beste Mittel gegen Ignoranz ist Wissen - und das vermittelt auf unterhaltsame Weise "Saitenverkehrt - ein Musical auf die Freiheit". Der Autor Hendrik Seibt zeigt hier in knapp zwei Stunden das Leben und die gesellschaftlichen Gegebenheiten in der DDR der 80er Jahre. Ja, so liefen die Schulstunden ab. Ja, solche Phrasen wurden gedroschen, und ja, solchen Repressalien waren die Menschen damals ausgesetzt. Deshalb gingen sie auf die Straße.

Verpackt ist diese Geschichtsstunde in acht eingängige Songs aus Seibts Feder wie "Fremde Länder" oder "Grenzenlos" und tönende Zeitdokumente sowie in die Liebesgeschichte von Katrin und René, die in der DDR aufwachsen, durch die politischen Verhältnisse getrennt werden und sich erst an der Berliner Mauer wiedertreffen - als diese fällt.

Im Jahr 2010 im Eduard-von-Winterstein-Theater in Annaberg-Buchholz von Kindern und Jugendlichen der Freien Schule Erzgebirgsblick Gelenau und ihrem Lehrer Seibt uraufgeführt, stand das Musical "Saitenverkehrt" nun in der Inszenierung von Anna Evans nach Seibts Vorlage am vergangenen Wochenende drei Mal auf dem Spielplan der Musikalischen Komödie.

Die Akteure sind Schüler des Leipziger Robert-Schumann-Gymnasiums, sie alle gehören also der Nachwende-Generation an, ihre Eltern stammen aus den alten wie neuen Bundesländern.

Das Kooperationsprojekt zwischen der Musikalischen Komödie und dem musisch ausgerichteten Lindenauer Gymnasium lässt schon beim Lesen des Programmzettels staunen: Die Hauptpartien wurden doppelt besetzt - was für ein künstlerisches Potenzial! Und schon nach wenigen Minuten wird klar: Hier ist viel Herzblut, Zeit und Arbeit hineingeflossen. Nach der Samstagvorstellung vor vollem Haus erzählt Lea Hertel, die bezaubernde Katrin der zweiten Besetzung und Schülerin der neunten Klasse, dass die Vorbereitungen für das Musical gleichzeitig mit dem Schuljahr begannen. Ab Oktober wurde wöchentlich in der Schule geprobt, bevor die letzten Tage vor der Premiere in der MuKo genutzt wurden. Auch Autor Seibt schaute bei den letzten Proben im Haus Dreilinden vorbei und gab den Schülern Tipps.

Dabei hat diese Zusammenarbeit noch zwei weitere Profis mit den jugendlichen Laiendarstellern zusammengebracht: Regie führt Anna Evans, die in der vergangenen Spielzeit schon "Das Tagebuch der Anne Frank" als mobile Produktion der Oper Leipzig für Schulen inszeniert hat. Die Choreographien stammen von Mirko Mahr, dem Leiter des MuKo-Balletts.

Großartig ist das Musical mit seinen peppigen Songs, der fabelhaften Bigband des Robert-Schumann-Gymnasiums und deren Vokalsolisten Melissa Friedemann, Frejdis Jurkat, Marcus Herrmann sowie dem Schulchor. Frisch und überzeugend spielen die Protagonisten Chantal Ackermann (Paulina), Line Middelberg (Julia), Lea Hertel (Katrin), Tim Faßbender (René) und Laura Dorenburg (Major Pawlow) sowie die vielen anderen Mitwirkenden vorrangig aus den neunten und zehnten Klassen. Hinreißend sind die Tanzszenen, die mit gar nicht so simplen Schrittfolgen Schwung auf die Bühne bringen.

Bühnenbild und Kostüme überzeugen mit Detailtreue, Videoprojektionen zeigen zeitgeschichtliche Aufnahmen. Auch die zwischenmenschlichen Momente gehen zu Herzen, etwa die Szene mit Katrin und ihrem Großvater. Und immer wieder rührt eine kleine Geste an: Nicht nur die Liebenden Katrin und René reichen einander die Hände, auch Paulina und Julia tun dies, und zum Schluss treten zwei Mädchen aus dem wiedervereinten Deutschland hinter der eingerissenen Mauer Hand in Hand nach vorn an den Bühnenrand, bevor sie andächtig die letzten Worte sprechen.

So bleibt nach den stehenden Ovationen und dem endlosen Jubel für die Leistungen des Ensembles und für ein rundum gelungenes Kooperationsprojekt schließlich noch der Wunsch, dieses Musical zu den im Herbst anstehenden Feiern zum 25. Jahrestag der Friedlichen Revolution noch einmal auf der Bühne zu erleben. Für alle, die sich erinnern wollen oder sich erst informieren müssen. Als Pflichtstunde gegen die Mauer in den Köpfen.

Aus der Leipziger Volkszeitung vom 19.05.2014

Birgit Hendrich

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