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Schumanns erotische Abenteuer in Leipzig

Schumanns erotische Abenteuer in Leipzig

Robert Schumanns amouröse Abenteuer in Leipzig: Klaus Martin Kopitz, von Hause aus an der sächsischen Akademie der Wissenschaften (SAW) mit der Herausgabe des Briefwechsels von Robert und Clara Schumann mit Freunden und Künstlerkollegen befasst, hat jetzt zum Liebesleben des großen Komponisten recherchiert und Spannendes zu Tage gefördert.

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Der Komponist Robert Schumann (1810-1856) verbrachte 16 Jahre seines Lebens in Leipzig.

Quelle: dpa

Leipzig. Auf rund 30 Seiten hat der Musikwissenschaftler die Ergebnisse seiner Detektivarbeit in der SAW-Publikation "Denkströme" niedergeschrieben, beginnend mit jenem Sommer 1830, als der 20-jährige und aus Zwickau stammende Schumann (1810-1856) sein Jura-Studium in Heidelberg abbrach, um sich in Leipzig ganz der Musik zuzuwenden. Sein Lehrer sollte der namhafte Musikpädagoge Friedrich Wieck sein - und der versprach Schumanns Mutter, ihren Sohn "binnen drei Jahren zu einem der größten jetzt lebenden Klavierspieler zu bilden".

Im Oktober 1830 bezog Schumann bei den Wiecks in der Reichsstraße Quartier, begegnete dort auch Wiecks Tochter Clara, dem Klavier-Wunderkind, das er zehn Jahre später heiratete. Es bedurfte allerdings eines zermürbenden Rechtsstreites, ehe Friedrich Wieck der Eheschließung seinen Segen gab. An Schumann ließ er kein gutes Haar, warf ihm Trunksucht und unmoralischen Lebenswandel vor. Als "verworren" bezeichnet Kopitz in seinem Dossier nun die "erotischen Abenteuer" Schumanns, der sich 1834 mit der aus Böhmen stammenden Wieck-Schülerin Ernestine von Fricken ver- und schon im Jahr darauf wieder entlobte. Überliefert sind auch andere Beziehungen, wie die zu einer sogenannten Heuarbeiterin. Doch die am nachhaltigsten wirkende Liaison pflegte er in jenen Jahren mit einer gewissen Christel, die er Charitas nannte. In seinen Tagebüchern berichtet Schumann von heimlichen Treffen der intimen Art "voller Feuer und Flamme".

Bisher lag von diesem Kapitel seines Liebeslebens, das von 1830/31 bis 1837 dauerte, vieles im Dunkeln. Aufwändig betrieb Kopitz deshalb Spurensuche, um herausfinden, was es mit Charitas auf sich hatte. Eine Indizienkette trug er zusammen, "keinen Beweis im engeren Sinne, aber die These scheint mir in sich stimmig", schreibt Kopitz. Seine Version: Christel alias Charitas war nicht, wie bisher vermutet, eine Kellnerin, die ihren Körper verkaufte, sondern ein Dienstmädchen der Wiecks. Gehandelt habe es sich um Johanne Christiane Apitzsch, die aus Wehlitz - einem heutigen Schkeuditzer Ortsteil - stammte und in der dortigen Albanuskirche am 24. Juni 1806 getauft wurde.

Wann genau die Affäre in Leipzig begann, lässt sich nicht datieren, da Schumanns Tagebücher für die Zeit vom Oktober 1830 bis zum 10. Mai 1831 abhanden gekommen oder vernichtet worden sind. Aber dann sprechen seine Notizen Bände, sind delikater Natur. 13. Mai 1831: "Um 4 Glock in der Kammer mit der Chr. - Entdeckungen -". 13. Juli 1831: "Abends kam Charitas vollends -" Im Juni 1832 brechen die Aufzeichnungen über die Geliebte ab, erst für 1836 gibt es wieder Hinweise auf Treffen des Paares, in denen auch eine Schwangerschaft Christels angedeutet wird. Schumanns vom Januar 1837 stammende Notiz "Ein Mägdlein. (a. 5ten, glaub' ich)", diente Kopitz als Anhaltspunkt, um Details zu offenbaren. Er nahm Taufbücher von Leipziger Kirchen unter die Lupe. Verzeichnet sind vom 4. bis 18. Januar 1837 die Geburten von sieben unehelichen Mädchen. Für ihn steht fest, dass die am 6. Januar in der Thomaskirche getaufte Louise Ernestine Apitzsch Schumanns Tochter war, die vier Tage vorher im Jacobshospital zur Welt kam. Als Vater gab Christiane Apitzsch zwar einen gewissen David Veit an, aber Kopitz geht davon aus, dass dieser eine Fantasiegestalt war. Schumann jedenfalls ließ seiner Charitas 1837 mehrfach Geld zukommen. Christiane Apitzsch starb am 11. Februar 1838 dort, wo sie ihre Tochter geboren hatte - im Jacobshospital. Über das spätere Leben von Schumanns mutmaßlicher Tochter habe er nichts in Erfahrung bringen können, so Kopitz.

Aus der Leipziger Volkszeitung vom 13.01.2015

Mario Beck

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