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Kultur Singender Lebenskünstler: Frank Metz feiert 20 Jahre Livemusik-Kneipe „Tonelli’s“
Nachrichten Kultur Singender Lebenskünstler: Frank Metz feiert 20 Jahre Livemusik-Kneipe „Tonelli’s“
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06:00 05.07.2017
Frank Metz am Eingang des „Tonelli’s“. Quelle: André Kempner
Leipzig

Es gibt wieder was zu feiern in Leipzigs führender Livemusik-Kneipe mit dem nach Zirkus klingenden Namen: Frank Metz hat ihn von seinem Vater geerbt, der Artist und Stuntman war. Mit seinem Bruder Andi stieg er Anfang der 80er Jahr als Jongleur und Clown in das Geschäft ein. Dank Engagements beim Staatszirkus waren sie auch im Westen gut gebucht. Den bewegten Herbst ’89 verbrachte Frank „Tonelli“ Metz , der zu dieser Zeit seinen bürgerlichen Namen zu vergessen begann, auf einer Tour durch die Bundesrepublik, unterbrochen von einem Auftritt beim „Kessel Buntes“.

Das folgende Jahr, in dem hierzulande für die meisten die Welt aus den Fugen geriet, arbeitete er im Mutterland der unerschütterlichen Beständigkeit: Er genoss ein ordentlich dotiertes Gastspiel in der Schweiz. Doch irgendwann wurde der gebürtige Leipziger von den gesellschaftlichen Umbrüchen eingeholt: Auf Besuch zu Hause traf er den alten Kumpel Peter „Lenin“ Tittel. Gemeinsam öffneten sie den „Chopper“ in der Weißenfelser Straße. Damals war Plagwitz alles andere als ein In-Viertel, im Chopper ging es hemdsärmelig zu, zuweilen auch handgreiflich.

Tonelli fand schnell Spaß an der Gastronomie und der Tatsache, dass er nicht mehr vier Stunden täglich üben musste. Nach dem „Pinball“ kam er in das heute legendäre „Tuvalu“, dem allnächtlich geöffnetem Kleinkunst-Tempel unter dem „Haus Leipzig“. Er schmiss den Laden mit dem bekannten Saxophonisten Massa Großwig und war schon ziemlich nah am Ziel seiner inhaltlichen Wünsche.

Echt was für die Seele

Vor genau 20 Jahren eröffnete er dann im Keller des heutigen Telegraph „Tonelli’s Blues Bar“. Bald zog er damit in die Elsterstraße um, hier wurde das Baby groß. Nach Verkauf und Komplettsanierung der Immobilie ging der Blues-Dampfer kurzfristig in der Riemannstraße vor Anker. Dort allerdings in einem Wohnhaus, dessen Bewohner sich nicht wirklich am Schlagzeugklang nach Mitternacht erfreuen mochten. Gerade noch rechtzeitig fand der umtriebige Gastronom, der inzwischen als Frontmann der Bands „Feelmen“ (die besten Blues Brothers seit den „Blues Brothers“) und P70 (Ost-Rock-Revival mit viel mehr Schmackes, als es der pappige Bandname befürchten lässt) längst selber Highlight des handverlesenen Programm seiner Kneipe geworden war, eine neue Bleibe im Städtischen Kaufhaus.

In bester Lage formte er sein Konzept aus. Von Montag bis Sonntag ist immer etwas zu erleben auf seiner kleinen Bühne: Der Montag gehört der Jazz-Session, der Dienstag dem Gitarrenprofessor Chistian Röver für dessen „Guitar Night“. Mittwochs ist Rock’n’Roll-Stammtisch, donnerstags Blues Lounge, am Wochenende gibt’s Bands. Jeden letzten Donnerstag im Monat steigt das inzwischen legendäre „Open Mic“: Jede(r), der oder die sich berufen fühlt, kann sich bewerben und Lieblingssongs einreichen. Die Band besorgt sich die Aufnahmen, studiert die Begleitung ein und gibt so jeder und jedem die Chance, eine Nacht lang ein bejubelter Star zu sein. Das ist echt was für die Seele und immer bumsvoll.

Der Laden genießt inzwischen auch außerhalb Leipzigs einen exzellenten Ruf. Blues-Legende Jürgen Kerth tritt zwei Mal im Jahr auf, unvergessen bleibt die spontane Session mit den Söhnen Mannheims, die nach einen Konzert hier bis morgens durchrockten.

Seinen 20. Bar-Geburtstag wird Tonelli inmitten musikalischer Begleiter der ersten Nächte feiern: Peter „Kautzer“ Kautzleben wird „Peter’s Deal“ aufleben lassen, „Codse“ Malditz und Massa Großwig werden die Bühne zur Session entern, und Tonelli, der singende Artist und Lebenskünstler, wird sicher ein Fässchen Bier spendieren: Mit 20 hat man noch Träume!

20 Jahre Tonelli’s, Freitag, 20 Uhr, Tonelli’s (Neumartkt 9)

Von Lars Schmidt

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