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Kultur Singender Märchenerzähler aus Florida: Radical Face auf der Geyserhaus-Parkbühne
Nachrichten Kultur Singender Märchenerzähler aus Florida: Radical Face auf der Geyserhaus-Parkbühne
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18:13 16.08.2017
Geschichtenerzähler in Leipzig: Ben Cooper. Quelle: André Kempner
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Leipzig

Ein Märchenerzähler. Bei dem Stichwort erscheint assoziativ ein im Schaukelstuhl platzierter alter weißbärtiger Mann, umringt von Kindern mit einer geheimnisvollen Aura. Spätestens ab der Pubertät als uncool etikettiert, kommt ein jeder erst dann wieder mit den Märchen in Berührung, wenn er abends selbst in die Rolle des Vorlesers schlüpft, um seine Sprösslinge in den Schlaf zu lesen.

Doch der aus Florida kommende Radical Face alias Ben Cooper behält die Tradition bei und schrieb sein eigenes musikalisches dreiteiliges Fairytale. Mit seinen vier Musikern nahm er am Dienstagabend auf der Parkbühne des Geyserhauses seine vielen Zuhörer mit auf eine märchenhaft musikalische Reise.

Coopers weiches Stimmorgan bietet kontrastreiche Songs, die alle eine eigene magische Story erzählen und aus seiner Feder, der Album-Trilogie „The Family Tree“ stammen. Zwar hat Cooper kein dickes Märchenbuch im Gepäck, dafür aber ein zauberhaftes Programm aus einem Mix von Indie-Rock-Folk-Musik. E-Bass und E-Piano fungieren als Fundament, auf dem das prägnante E-Schlagzeug und das gefühlvoll, klar gespielte Cello brillieren. Über allem singt, melancholisch auf seiner Akustikgitarre spielend und meist tief in sich gekehrt, Songwriter Cooper.

Nerdige Instrumente, crazy Musiker

Essentiell ist für ihn, eine Bindung mit seinen Gästen aufzunehmen, was ihm dank seiner charmanten Art auch sofort gelingt. Die Sympathie seines begeisterten Publikums hat er schnell gewonnen. Neben der detaillierten Erklärung zu seinen Songs fallen ständig amüsante Bemerkungen wie „instruments are nerds“, bezogen auf das häufige Stimmen der Klangkörper.

Doch eigentlich sind es nicht die Instrumente, die ein wenig crazy rüberkommen, sondern vielmehr die Musiker selbst. Besonders der euphorische Schlagzeuger scheint in seiner Spielkunst eine reinste Inszenierung seiner Selbst zu sehen. Dass die fünf amerikanischen Jungs mehr als nur die Musik verbindet, nimmt man deutlich wahr. Der Song „Sisters“ liefert den Beweis dafür, dass Cooper locker eine klare Kopfstimme aus der Kehle ziehen kann, mit der er gerne auch in anderen Stücken experimentierfreudig überzeugt. Wer weiß, vielleicht singen bald einige Leipziger ihren Kleinen als Gute-Nacht-Geschichten-Ersatz die fantasievollen Songs vom modernen amerikanischen Märchen-Liedermacher Ben Cooper vor. Once upon a time there was a storyteller who sang songs of fairytales in Leipzig ...

Von Hanna Frömberg

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