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Kultur Six Feet Under gratuliert der Bandcommunity
Nachrichten Kultur Six Feet Under gratuliert der Bandcommunity
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01:31 02.06.2018
Böse, böse, böse: Six Feert Under gratulieren. Quelle: promo
Leipzig

„Wenn wir immer nach Plan A gearbeitet hätten, dann wären wir wahrscheinlich längst von der Bildfläche verschwunden!“ Da ist sich Katja Engemann von der Bandcommunity Leipzig sicher. Gemeinsam mit Andreas Sinschek und Stefan Schliewe macht sie sich seit 15 Jahren für den musikalischen Nachwuchs stark, besorgt Proberäume und Auftrittsmöglichkeiten. Genau daran mangelt es bereits zur inoffiziellen Vereinsgründung im März 2003.

Der Eintrag ins Vereinsregister erfolgt im Januar des folgenden Jahres. Vielen jungen Bands fehlt die Bühne, um ihre unter teilweise desolaten Bedingungen einstudierten Stücke einem breiten Publikum zu präsentieren. Kompetente Ansprechpartner sind ebenfalls Mangelware. Und so entsteht zunächst ein Internetforum zur Vernetzung von Musikern, Bands und Veranstaltern.

Im Jahr 2005 gelingt der Bandcommunity mit dem „Bessere Zeiten Festival“ der große Wurf. Das Gros der jungen Leipziger Musikszene zeigt ihr Können auf der Festwiese vor 3 500 Besuchern, die das kostenlose Open Air im ersten Jahr besuchen. Fortan ist die Bandcommunity in aller Munde.

Bis zu diesem Zeitpunkt leiten Schliewe und Engemann die Geschicke des Vereins vom heimischen Wohnzimmer aus. Mit dem Bandhaus 1 an der Saarländer Straße 17 erhält die Bandcommunity dann 2010 ein festes Domizil. Mit dem Umzug in den Leipziger Westen ändern sich die Arbeitsbedingungen von Grund auf. Fortan erhält der Verein institutionelle Förderung – derzeit 125 000 Euro pro Jahr – und bietet eigene Proberäume. Binnen kürzester Zeit nehmen die ersten 30 Bands jeden freien Fleck in dem ehemaligen Schulungszentrum unter Beschlag. Ein Kiosk versorgt sie mit dem Nötigsten, und im Keller entsteht ein kleiner Veranstaltungsraum für 150 Besucher mit angeschlossener Bar.

Allerdings besiegelt die neue Wirkungsstätte auch das Aus für das „Bessere Zeiten Festival“. Abhilfe schafft das „Hippie Yeah“-Sommerfest – mit durchschnittlich 500 Besuchern pro Jahr kleiner ausfällt, aber auch deutlich familienfreundlicher und „lebensbejahend“, wie Engemann immer gerne betont. Bei freiem Eintritt können sich die Kleinen in einer Hüpfburg austoben und sich an anderer Stelle schminken lassen. Ihre Eltern lauschen derweil bei Bratwurst und Bier den Klängen von Ska-, Blues- und Folkbands. Eine Tombola wartet mit Preisen auf.

Dem gegenüber steht das eher düster angehauchte alljährliche „WinterfestEvil“, das an zwei Tagen im Februar Freunde der härteren Gangart begeistert. Inzwischen schießen junge Bands in Leipzig wie Pilze aus dem Boden – und die Arbeit im Bandhaus 1 wird nicht weniger. Deshalb leistet sich die Bandcommunity ab Februar 2013 mit Florian Friedrich erstmalig einen festangestellten Projektkoordinator, der den bis dato komplett ehrenamtlich arbeitenden Verein deutlich entlastet.

Der Bedarf an geeigneten Proberäumen ebbt indessen keineswegs ab. Vier Jahre liebäugeln Sinschek, Schliewe und Engemann schon mit einem leer stehenden, nur einen Steinwurf vom alten Bandhaus entfernten Objekt. Dann endlich kommt der Deal mit der Stadt zustande: 2016 eröffnet das Bandhaus 2.0 in der Saarländer Straße 7. Vieles im oberen Geschoss der einstigen Förderschule erinnert noch an Büffeln und Pauken, aber in den Kellerräumen und im ersten Stock wird schon geprobt.

Mit viel Fleiß, Engagement und Tatendrang hat sich die Bandcommunity Leipzig zu einem wichtigen und angesehenen Motor der Leipziger Musikszene hoch gearbeitet. Und immer noch sorgen Engemann und ihre Mitstreiter für Überraschungen. So ist es ihnen gelungen, die Deathmetal-Legende Six Feet Under aus den USA für eine Station ihrer Deutschlandshow zu verpflichten. Pünktlich zum 15. Geburtstag der Bandcommunity am Freitag stehen Chris Barnes & Co. auf der Bühne und weihen die Freifläche hinter dem Bandhaus 2.0 ein.

Während die Jubiläumsvorbereitungen noch im vollen Gange sind, zieht Katja Engemann bereits vorläufig Bilanz: „Man muss halt alles versuchen, keine Angst haben, sich irgendwie durchsetzen, innovativ sein und nicht so festgefahren!“ Oder mit anderen Worten: Immer einen Plan B in der Tasche haben.

Konzert mit Six Feet Under auf dem Freigelände des Bandhauses 2.0, Saarländer Straße 7, am Freitag ab 18 Uhr; Karten im Vorverkauf für 20 Euro (plus Gebühr) bei Culton oder tixforgiugs.com; Abendkasse 25 Euro. Allgemeine Anfragen von Musikern und Bands können an die Adresse info@bandcommunity-leipzig.org gemailt werden, Probenraum-Anfragen an proberaum@bandcommunity-leipzig.org.

Von Eike Schumann

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