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Slayer reisen in Leipzig durch 35 Jahre Bandgeschichte

Thrash-Metal-Konzert am Auensee Slayer reisen in Leipzig durch 35 Jahre Bandgeschichte

Die alten Helden haben es noch drauf: Slayer haben am Sonntagabend die Statik im Leipziger Haus Auensee geprüft. Vor 3300 Fans gab es Thrash-Metal aus 34 Jahren Karriere aufs Trommelfell. Bevor aber die Männer um Tom Araya das Publikum mitrissen, hatte ein Debakel gedroht. Und das lag nicht an Slayer.

Zwischendurch hat er auch mal gelacht: Slayer-Frontmann Tom Araya.

Quelle: André Kempner

Leipzig. Tom Araya lacht. Tom Araya lacht? Tom Araya lacht! Der Slayer-Graubart tritt einen Schritt vom Mikro zurück, bleckt die Zähne, die Mundwinkel küssen die Ohren. Tom Araya nimmt die tausendfachen „Sleeeeer!“-Rufe auf Lunge. Er genießt sichtlich. Eigentlich will er gerade „Die By The Sword“ ankündigen, einen Brecher vom 1983er Klassiker-Album „Show No Mercy“. Doch nun kann der ansonsten als reserviert geltende Slayer-Frontmann nicht anders, als eine geschlagene Minute lang die Weihen der Lieben entgegenzunehmen.

So sieht es aus und hört es sich an, wenn die (Mit)Begründer des Thrash-Metal über das ausverkaufte Haus Auensee herfallen – 3300 Jünger sind am Sonntag gekommen, um den Göttern des Gemetzels zu huldigen. Wo die einstigen Weggefährten Metallica sich längst in Konformität gefallen, hacken Slayer ihren stupide rollenden Thrash wie einst auf die Köpfe – und sind dennoch regelmäßig in den Charts präsent. Nach dem Tod von Riffmeister Jeff Hannemann, der wesentlich für den Slayer-Sound stand, waberten Fragezeichen durch den Orbit. Mit der jüngsten Platte „Repentless“, auf die sechs Jahre gewartet werden musste, haben Slayer sämtliche Bedenkenträger eines Besseren belehrt. In Leipzig eröffnen die Herren Araya, Kerry King, Gary Holt – der Jeff Hannemann nicht nur in der Spielfreude ersetzt – und Paul Bostaph nun ihre Deutschland-Tour. Zur Ouvertüre prangen vier weiße Kreuze auf dem blutroten Untergrund einer Leinwand, die das Maß aller Thrash-Dinge zunächst vom harrenden Fußvolk separiert. Die Kreuze drehen sich um 180 Grad, so wie es sich für Slayer gehört, Pentagramme fließen übers Tuch. Ein Knall, ein Riff, der Vorhang fällt. „Repentless“ taucht das Auensee in ein Meer aus wehenden Haaren, geballten Händen, gereckten Pommesgabeln, das luzifergetreue Metaler-Zeichen.

Doch bis es soweit sein darf, ist es ein langer Weg. Wie immer haben Slayer reichlich Qualitätsware im Gepäck. Kvelertak, die den denkwürdigen Abend eröffnen, müssen allerdings vor halb leerem Haus beginnen. Vor den Toren am Auensee wird noch ungeduldig dem schleichenden Einlass entgegengeharrt. Später wird auf den Gängen zu hören sein, dass sich viele der Außenstehenden gerade auf die momentan ziemlich angesagten Norweger, die ihre Gegenüber gleich mit drei Gitarren in den Würgegriff nehmen, gefreut haben – vergebens. Und auch bei Anthrax, die sich mit der Rückhol-Aktion ihres ehemaligen Sängers Joey Belladonna hörbar keinen Gefallen getan haben, wird die Lage kaum übersichtlicher. Der gemeine Metaler mag einiges gewohnt sein – an diesem Abend können aber nur noch bestens aufgelegte Slayer das Debakel verhindern.

Und, tatsächlich, Araya gibt nahezu sensationell die Plaudertasche. Hinzu kommt ein Set, das für die mitgegreisten Fans einen Ausflug in die verflogene Jugend offeriert. 34 Jahre Thrash-Metal im Schnelldurchlauf, sozusagen. Wie sehr diese Art von Musik schlaucht, ist nicht nur vor, sondern auch auf der Bühne sichtbar. Araya muss sich seit Jahren wegen einer verlustig gegangenen Bandscheibe im Halswirbelbereich zurückhalten. Was der Frontmann nicht mehr leisten darf, wetzen Holt und King als Flügelzange aus. Nach einer Stunde ist die Genussgrenze erreicht, scheint den Kaliforniern die Puste auszugehen, mutiert das Spektakel zur professionell vorgetragenen Arbeit. Kein Wunder bei dem Tempo. Es ist ein Altern in Würde. Noch eine halbe Stunde gibt’s als Draufaufgabe, die etatmäßigen Rausschmeißer „Reign In Blood“ und „Angel Of Death“ werden ins laufende Programm eingebunden. Keine Zugabe, keine Extras. TAraya lacht, als er sich von der Bühne winkt. Ein Lachen, das tausendfach beseelt zurückgegeben wird. Sleeeeer waren in der Stadt. Mehr Worte braucht es nicht.

Von Andreas Debski

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