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Sonderausstellung „Leipziger Judentümer“ in der Albertina eröffnet

Sonderausstellung „Leipziger Judentümer“ in der Albertina eröffnet

Internationales Flair herrschte am Dienstagabend in der Leipziger Universitätsbibliothek anlässlich der Eröffnung der neuen Sonderausstellung "Leipziger Judentümer in Stadt und Universität".

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Den Einfluss der jüdischen Kultur in früheren Jahrhunderten hat die neue Ausstellung „Leipziger Judentümer in Stadt und Universität“ zum Thema.

Quelle: Andreas Döring

Leipzig. Den einleitenden Fachvortrag hielt Stephan Wendehorst (Universitäten Giessen/Wien) zur Frage "Was sind Leipziger Judentümer?". Wendehorst, ehemals der stellvertretende Direktor des hiesigen Simon-Dubnow-Institutes, ist mitverantwortlich für das Konzept der Ausstellung. Beteiligt an ihr ist ebenso Abraham David (Israelische Nationalbibliothek, Jerusalem), der als ausgesprochener Spezialist für die Hebraica-Bestände der Universitätsbibliothek Leipzig gilt. Grußworte sprachen neben dem Rektor von Leipzigs Alma mater, Franz Häuser, die Leiter des Leo Baeck Institutes New York, Carol Kahn Strauss und Franck Mecklenburg. Diese Gäste waren auch nicht zufällig gekommen. Es ist schließlich geplant, die Ausstellung später in New York zu zeigen.

Die Schau in der Albertina zeigt anhand Leipziger Handschriften und früher Drucke die intensive, aber meist sehr widersprüchliche Beschäftigung mit der jüdischen Kultur, die vom 16. bis zum 18. Jahrhundert in Europa stattgefunden hat. Die Extreme dieser Beschäftigung dokumentieren so gleich zwei Bilder auf der Eingangstür zur Ausstellung: Ein Stich zu einem Leipziger Druck von 1685 zeigt einen Juden, der die Fackel des Wissens hochhält. Das andere Bild von 1687 verheißt, wie drohend das Schwert des christlichen Glaubens über dem Kopf eines Juden schwebt.

Für Ulrich Johannes Schneider, Direktor der Universitätsbibliothek Leipzig, findet die Ausstellung genau zum richtigen Zeitpunkt statt: "Wir sind ja gerade dabei, NS-Raubgut im Magazin unserer Bibliothek zu identifizieren, um unrechtmäßig erworbene Bücher aus jüdischem Besitz zu dokumentieren. Da ist es nur gut, sich der komplexen Geschichte von Faszination und Verachtung zu stellen, die über Jahrhunderte hin in Leipzig die Einstellung gegenüber der jüdischen Kultur bestimmt hat."

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Der imposante Treppenaufgang in der Bibliotheca Albertina.

Quelle: Wolfgang Zeyen

Kurator Wendehorst merkt an, dass die kleine, feine Schau ein weiterer Beweis für die Weltoffenheit Leipzigs in auch schon lang vergangenen Zeiten sei. Obwohl in der Stadt erst 1832 eine jüdische Gemeinde gegründet wurde, studierten schon lange vorher Juden an der Alma mater und promovierte 1784 mit Salomon Hirsch Burgheim der erste Jude an Leipzigs Universität. Sein damaliger Medizin-Bestseller steht übrigens in der Albertina auch hinter Glas: eine kurze, theoretisch-praktische Anleitung, was gegen Geschlechtskrankheiten zu tun sei. Den Beisatz "Nebst einer dazu erforderlichen Diät" nimmt Wendehorst mit Heiterkeit zur Kenntnis.

Der Historiker sagt zum grundlegenden Anliegen der Ausstellung: "Unsere Vorstellung vom Wissen über Juden und Judentum in der Frühen Neuzeit ist ganz wesentlich durch die christliche Hebraistik und durch theologische Vorgaben geprägt. Nun haben wir mit dieser Ausstellung die Möglichkeit bekommen, auch andere Wissensfelder zu erschließen und die juristischen, ethnografischen, architektonischen und musikwissenschaftlichen Aspekte des Themas u201AJudentümer in der Frühen Neuzeit' deutlich zu machen."

Erarbeiterin der Schau an Leipzigs Universitätsbibliothek ist ebenso Anke Költsch (Historikerin aus dem nachbarlichen Halle). Ein vernachlässigter Aspekt der mitteldeutschen Geschichte sei die jüdische Geschichte. In Kursachsen hätten Juden grundsätzlich nicht siedeln dürfen, zu Messzeiten, und damit mehrmals im Jahr, kamen sie aber nach Leipzig. Költsch: "Mit der Schau kann gezeigt werden, in welchem Ausmaß die christliche Gesellschaft auf die jüdische Kultur bezogen war."

Die Dokumentation über die Judentümer wird im neuen Ausstellungsraum der Albertina gezeigt. Er löst den alten ab, der im Kellergeschoss lag und der für Gehbehinderte nur sehr schwer zugänglich war. Nun finden die Bibliotheksbesucher gleich im Eingangsbereich des ohnehin prachtvollen Gebäudes den direkten Weg zu den gerade präsentierten alten Bücherschätzen. 2010 werden der jetzigen Ausstellung zwei weitere dem Komponisten Robert Schumann und dem Philosophen Gustav Theodor Fechner gewidmet sein.

"Leipziger Judentümer in Stadt und Universität", bis 25. April in der Universitätsbibliothek, täglich von 10 bis 18 Uhr geöffnet.

Zur Ausstellung ist ein Katalog erschienen. www.ub.uni-leipzig.de/judentuemer

Thomas Mayer

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