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Sorry, es ist ein Liebeslied: Zweites Seeklang-Festival am Ulrichsteich

Sorry, es ist ein Liebeslied: Zweites Seeklang-Festival am Ulrichsteich

Singer-Songwriter, zu deutsch Liedermacher, sind auch nicht mehr das, was sie einmal waren. Üblicherweise sezieren sie mit Lust private Seelenzustände, reflektieren ohne Scham missglückte Liebesbeziehungen oder verpasste Chancen.

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Romantisch, selbst wenn es die Musiker gar nicht wollen: Élza Duo am Ulrichsteich.

Quelle: Wolfgang Zeyen

Leipzig. Dafür lieben wir dieses Genre: dass es den Mut zum Anti-Posing aufbringt. Warum sich also beim Publikum entschuldigen, wie es am Freitag und Samstag beim zweiten Seeklang-Festival fast zum guten Ton gehört?

Warnungen wie "Es ist ziemlich kitschig" (Élza Duo über ihren Song "Leipzig, mein Leipzig") fruchten an diesem Ort sowieso nicht. Vor der Seebühne am Ulrichsteich, einem idyllisch gelegenen Gewässer am Rande einer Alt-Lindenauer Kleingartensiedlung, lässt es sich kaum anders als mit einem Gefühl der Verzauberung sitzen. Besonders ab dem Zeitpunkt, als abgesehen von den Bühnenscheinwerfern nur der Mond und die Fackeln rund um den See leuchten.

"Ich versuche mir bei der Bandsuche vorzustellen, wie die Musik über den See klingt", sagt Maria Schüritz, die das Festival zum zweiten Mal organisiert hat. Vor 2012 spielten ihre Künstler nicht gebündelt an einem Wochenende während der Kaos-Kultursommer-Saison, sondern in Zweierteams an mehreren Abenden. Auch diesmal sollten alle sechs Interpreten aus Leipzig kommen und möglichst keine Coversongs spielen, also dem Label "Songwriter" genügen. Dass Neo Kaliske und Salon de Bastards ihre Auftritte beim Seeklang-Festival 2013 kurz vorher absagten, war kein Beinbruch. Denn die Singer-Songwriter-Szene in Leipzig ist mittlerweile groß genug, um schnell Ersatz finden zu können.

Von Two Wooden Stones schwärmen sogar schon Tip Berlin und Motor.de. Am Freitagabend leitet deren Frontmann Shélhôm auf der Kaos-Seebühne den Folk-Teil ein, bevor ihn Nicolas Huart Samstagnacht zum Abschluss bringt. Das Publikum feiert die beiden erst verhalten, dann frenetisch. Den Franco-Kanadier Huart will es fast überhaupt nicht mehr ziehen lassen. Titel wie "Metaphysique" und "Ghost Town" sind einfach wie geschaffen für die magische Atmosphäre dieser Fast-Vollmond-Nacht, die für das Team des Seeklang-Festivals mit einer erfolgreichen Bilanz endet. 300 Gäste am ersten und 200 am zweiten Abend: Das sind mehr Besucher als im vergangenen Jahr.

Dolus Mutombo macht beim Start des Singer-Songwriter-Schaulaufens anders als Huart lieber einen Bogen um die Melancholie. Sein Eröffnungssong lautet zwar "Makambo" ("Probleme") und klingt nach Blues. Doch der wahlweise auf Englisch, Französisch und Lingala singende Künstler schafft es, dabei trotzdem noch Feel-Good-Vibes zu erzeugen. Das gilt auch für seine beiden Liebeslieder "J'taime" und "I Won't Let You Go".

Wieder einmal (oder ist das nur ein Klischee?) sind es die Frauen, die sich auf der Bühne ihres Herzschmerzes nicht schämen. "Ich hab meine Sanduhr umgedreht, nur um dich noch mal wiederzusehen", heißt es Freitagnacht in einem Song von Wencke Wollny, Alice Wohlust und Katharina Helmke alias Pigeon Toed. Und das ohne vorherige Entschuldigung dafür, dass dies ein Liebeslied sei. Die Jungs kriegen das nächstes Jahr hoffentlich auch wieder hin.

Am Wochenende geht der Kaos-Kultursommer mit dem LoopArt-Festival weiter. Freitag mit Hudson Arc, Inklang, My Organ Principle, Ningura, Samstag mit Anstatt Blumen, Phia, Jarése und Radiolux - jeweils ab 19.30 Uhr, Kaos-Kulturwerkstatt (Wasserstraße 18), Eintritt 5 Euro; tagsüber Workshops in Loop-Music und Hula Hoop (Anmeldung 0341 4803841); kaos-kultursommer.blogspot.de

Aus der Leipziger Volkszeitung vom 22.07.2013

Verena Lutter

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