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Spenden durch "Crowdfunding": Leipziger Club Horns Erben finanziert neue Fassade online

Spenden durch "Crowdfunding": Leipziger Club Horns Erben finanziert neue Fassade online

„Euphorie!“, beschreibt Claudius Bruns vom Leipziger Club Horns Erben das Gefühl, in einem Monat über 4500 Euro für die bevorstehenden Fassadenarbeiten zusammenbekommen zu haben.

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Mit "Crowdfunding" zum alten Glanz: So wie in den 20ern soll die Horns Erben-Fassade bald wieder aussehen.

Quelle: Horns Erben

Leipzig. Das Geld hat sich dabei nicht per Klingelbeutel summiert, sondern über das so genannte „Crowdfunding": Kreative Menschen stellen ein Vorhaben ins Internet, das von jedem per Mausklick mitfinanziert werden kann. Lokaler Vorreiter dieses Systems ist die Firma VisionBakery.

4476 Euro. In 55 Tagen. Das ist das Ziel, das die Betreiber des Horns Erben sich und ihren potenziellen Unterstützern Mitte Juni setzen. Die Fassade der einstigen Spirituosenfirma in der Arndtstraße soll originalgetreu rekonstruiert werden. So wie sie 1931 aussah, mit dem acht Meter langen Werbe-Leuchtkasten im Art-decó-Stil. Nun ist der Jubel groß: Schon vor Ablauf der Frist, gut einen Monat später, ist die erhoffte Summe zusammengetragen – durch zahlreiche Unterstützer, die auf der Website visionbakery.de per Mausklick finanziell ausgeholfen haben.

Eine Idee sucht Unterstützer – im Internet

Das Prinzip der Seite, das sich „Crowdfunding“ nennt, ist simpel: Es gibt einen Menschen, der hat eine Idee, aber kein oder wenig Geld. Bei VisionBakery präsentiert er sein Vorhaben im Internet und gibt einen Geldbetrag an, den er dafür benötigt. Ein solches Projekt kann die CD-Produktion einer aufstrebenden Band, ein Straßenfest oder eine soziale Aktion sein. Einmal ins Netz gestellt ist das Vorhaben für alle einsehbar und kann per Knopfdruck unterstützt, also online bezahlt werden. Der Clou: Es geht nicht um eine samariterhafte Spende – jeder Geldgeber erhält einen ganz besonderen Gegenwert. Eine handsignierte CD der Band zum Beispiel, einen Logenplatz beim Straßenfest oder Ähnliches.

„Wir sind total froh, dass wir so viel Unterstützung haben und es so eine Anteilnahme gibt. Als Kulturstreiter erlebt man ja sonst einige Durststrecken“, freut sich Bruns. Zwei Wochen vor Ablauf der 55-Tage-Frist ist das finanzielle Ziel erreicht, der Grundstock der Gesamtkosten von 10.000 Euro ist damit gesichert. „Wir hatten von einer befreundeten Band mal gehört, dass sie Crowdfunding genutzt haben, um eine CD zu machen. Da waren wir der Hoffnung, dass das auch bei uns klappt. Und das Ergebnis ist für uns total geil.“

Wer Geld gibt, erhält kreative Gegenleistung

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Mit "Crowdfunding" zur neuen Fassade: Die Horns Erben-Betreiber Robert Herrmann, Christoph Peters, Patrick Becker und Claudius Bruns (v. l.) vor dem Eingang.

Quelle: Jörg Singer

Trotzdem müsse man viel investieren. Zum Beispiel in die Idee für einen Gegenwert. Bis 1000 Euro sind die Unterstützungsbeiträge für das Horns Erben gestaffelt, wer 25 Euro gibt, erhält eine originale Weinflasche aus den 1920ern, die mit vielen anderen seit Jahrzehnten im Keller lagert. Wer 100 Euro gibt, erhält ein Jahr lang freien Eintritt zu allen Veranstaltungen und wird persönlich vom Team begrüßt. Wer 1000 Euro gibt, wird auf der Fassade als Spender erwähnt und darf fünf Jahre kostenlos in den Club. „Einer hat uns diese 1000 Euro gegeben, den kennen wir nichtmal persönlich. Wir haben uns wahnsinnig gefreut.“

Den blauen „Unterstützen“-Button geklickt hat auch Kristin Hansen, die selbst in der Arndtstraße wohnt. „Am Anfang war ich skeptisch, ob dieses System funktionieren kann. Aber ich fand die Idee cool und dachte mir: So eine alte Weinflasche hättest du gern. Außerdem habe ich bald noch mehr davon, wenn ich aus meinem Fenster auf die neue Fassade schaue.“ Dass das Projekt so gut anlief, schreibt sie der intensiven Werbung der Betreiber zu.

„Man muss Zeit investieren“

Auch Stephan Popp, Gründer der VisionBakery, ist sich sicher: „Damit man das finanzielle Ziel erreicht, muss man Zeit investieren und Öffentlichkeit verursachen. Man muss darüber reden, schreiben, seine eigenen Netzwerke einbringen. 80 Prozent aller Unterstützer kommen über Facebook auf unsere Seite.“ 32 Ideen sind seit dem Start der Seite im Januar online gegangen, 14 davon hatten bisher Erfolg. „Wenn ein Projekt innerhalb der Frist nicht auf die gewählte Summe kommt, erhalten alle Spender ihr Geld komplett zurück und auch dem Ideengeber entstehen keine Kosten.“ Bei einem Erfolg erhält die VisionBakery zehn Prozent des eingespielten Geldes. „Wir haben ein Jahr lang einen Entwickler für die technische Umsetzung bezahlt, haben die Server- und die Betreuungskosten. Da sind zehn Prozent bisher nicht viel“, sagt Popp.

Davon leben möchten er und seine sechs Mitstreiter in Zukunft aber schon. „Crowdfunding hat in Deutschland noch extremes Wachstumspotenzial, es ist eine ergänzende Finanzierungsform, die langfristig Sinn ergeben wird.“

Von Sozial-Projekt bis CD-Produktion

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Mit "Crowdfunding" zur Finanzierung der eigenen Idee: Stephan Popp hat dafür in Leipzig die Spenden-Plattform VisionBakery gegründet.

Quelle: Simeon Conzendorf

Die VisionBakery ist 2010 entstanden, als das junge Team für ein anderes Vorhaben selber in Geldnot war. Aus dem Tool für die eigenen Projekte ist dann eine Website für Ideengeber und Anpacker geworden – mit regem Zuspruch. Für die Leipziger Straßentheatertage kamen über 500 Euro zusammen, der Verein Mirador hat 750 Euro für den Bau einer Notfallambulanz in Guatemala erhalten, die Leipziger Band A Forest konnte mit 1000 Euro die Produktion ihrer CD „A square“ finanzieren.

„Die Plattform hat eine gute Struktur. Wir wussten, wenn wir uns bemühen, wenn wir allen Bescheid sagen und gut Werbung machen, wird das funktionieren", sagt deren Sänger Fabian Schuetze. "Es geht bei den Projekten ja nicht darum, für jemanden die Miete zu bezahlen, sonder darum, dass kreative Arbeit das Licht der Welt erblickt und umgesetzt werden kann.“

Und Andreas Bischof vom Leipziger Label Analogsoul fügt hinzu: „Für kleinere bis mittlere Bandprojekte ist Crowdfunding ein ideales Tool und eine kosteneutrale Möglichkeit, auf sich aufmerksam zu machen. Man kommt mit den Fans ganz nah in Kontakt. Und selbst wenn man das Geld nicht zusammenbekommt, ist das eben ein Feedback, das etwas am Konzept verändert werden muss.“

Diese Nähe suchen die VisionBakery-Macher auch mit ihren kreativen Schützlingen, auf der Terrasse des kleinen Büros in der Karl-Heine-Straße entstehen die Strategien für die nächsten Projekt-Präsentationen: „Bei jedem Leipziger Projekt setzen wir uns mit den Menschen dahinter zusammen, trinken einen Kaffee und besprechen die Idee. Leipzig ist ein schönes Pflaster, hier gibt es Netzwerke und Strukturen, deswegen sind viele Projekte erfolgreich“, sagt Stephan Popp.

Spenden als Event

Und wenn die Präsentation gut durchdacht ist, „wird der Spendenvorgang selbst zu einem Event“, sagt Claudius Bruns vom Horns Erben. „Da gibt es einen News-Bereich, eine Kommentarfunktion, man kann Fotos und Videos einbinden, alle auf dem Laufenden halten. Das angestaubte Spenden wird dadurch zu einem Web-2.0-Thema.“ Steuerlich absetzbar ist die Unterstützung aber nicht, es werden keine Spendenquittungen ausgestellt.

Mitte August startet die Rekonstruktion der Fassade in der Arndtstraße, am ersten Oktober soll sie dann feierlich eingeweiht werden. Und obwohl der Förderbetrag schon erreicht wurde, läuft die Spenden-Aktion online noch bis Ende der 55-Tage-Frist weiter. Zu den 86 bisherigen Unterstützern könnten sich also noch einige weitere gesellen.

Tobias Ossyra

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