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Kultur „Spur der Steine“-Autor Erik Neutsch ist tot – umstrittener Künstler und ewiger Idealist
Nachrichten Kultur „Spur der Steine“-Autor Erik Neutsch ist tot – umstrittener Künstler und ewiger Idealist
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16:54 21.08.2013
Erik Neutsch ist im Alter von 82 Jahren gestorben. Quelle: Volkmar Heinz
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Halle

An seinem Werk „Der Friede im Osten“ (ab 1974) arbeitete Neutsch eigentlich sein ganzes Leben lang. Dieser ursprünglich auf sechs Bände ausgelegte Romazyklus und das Buch „Auf der Suche nach Gatt“ (1973) galten als Standardwerke des sozialistischen Realismus. Neutsch starb am Dienstag im Alter von 82 Jahren.

In den letzten Jahren war es ruhig um ihn geworden. Er hatte sich in ein Haus am Waldrand in Halle an der Saale zurückgezogen. Große öffentliche Auftritte ließ seine schwer angeschlagene Gesundheit wohl auch nicht mehr zu. Mit der Wende war für Neutsch beruflich eine Welt zusammengebrochen. Von 1974 bis 1990 war er Mitglied der Akademie der Künste der DDR. „Autoren meines Geistes sind auch nicht willkommen in diesem Land“, sagte Neutsch einmal bei einer Lesung in der Willi-Sitte-Galerie in Merseburg bei Halle aus seinem 2003 erschienenen Buch „Nach dem großen Aufstand“.

Sitte galt als einer der großen Gegenwartskünstler der DDR - und zugleich als einer der umstrittensten aufgrund seiner Vergangenheit als DDR-Kulturfunktionär. „Ich will weiterschreiben“, bekannte Neutsch vor Publikum im Jahr 2006. Und fügte sogleich hinzu: „Ich weiß aber nicht, ob jemand das verlegen wird.“ Seine Ideale einer Gesellschaft benannte er mit Freiheit, Gleichheit, Brüderlichkeit. Seinen Platz in der Gesellschaft nach 1990 fand er wohl nur sehr schwerlich oder gar nicht. Die Arbeit an einem sozialkritischen Werk unmittelbar nach 1990 hatte er beiseite gelegt. „Die Wirklichkeit sieht viel schlimmer aus, als ich mir das ausdenken kann“, bekannte der 1931 als Arbeiterkind in Schönebeck bei Magdeburg geborene Schriftsteller.

Zu DDR-Zeiten schilderte er in seinem großen Werk „Spur der Steine“ die gesellschaftspolitische Entwicklung des Zimmermannbrigadiers Balla. Das Buch wurde mit Manfred Krug in der Hauptrolle verfilmt. Nach der Premiere wurde der Defa-Film wegen seiner kritischen Sichtweise auf die DDR abgesetzt und erst 1990 wieder gezeigt. Nach dem Fall der Mauer erschien von Neutsch als erstes Werk der Wenderoman „Totschlag“ (1994). Darin geht es um ungelöste Eigentumsprobleme und deren Folgen für die Wiedervereinigung.

In dem Erzählband „Verdämmerung“ (2003) schrieb er sich nach dem Tod seiner Ehefrau, mit der er über 50 Jahre verheiratet war, den Schmerz von der Seele. Der Leser konnte nur erahnen, wie tief die Wunde des Verlustes war. Über die späteren Familienverhältnisse wurde kaum etwas bekannt. Die Nachricht von seinem Tod verbreitete eine nach ihm benannte Stiftung, Neutsch hatte zu seinem 80. Geburtstag einen Wettbewerb für junge Erzähler ausgeschrieben. Der studierte Journalist äußerte sich zuletzt in einem Interviewbuch „Spur des Lebens“ (2010).

dpa

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