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Starke Konzerte und illustre Diskussionsrunden bei der Pop Up X

Starke Konzerte und illustre Diskussionsrunden bei der Pop Up X

Ausgerechnet zum zehnten Geburtstag präsentierte sich die Pop Up am Wochenende mit einem weinenden und einem lachenden Auge. So sehr man dem Festival, das abseits vom gewohnten Mainstream aufstrebende Künstler, Independent-Labels und junge Popkultur-Experten nach Leipzig bringt, den Erfolg wünscht - es fehlte etwas.

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Quelle: Lydia Rech

Denn von dem Dreiklang-Konzept Messe / Forum / Musik brach in diesem Jahr die Messe weg.

Es hatte sich angebahnt. Zu schlecht war die Resonanz auf die Messestände-Angebote der Aussteller in den letzten Jahren gewesen, zu wenig Musik-Labels reagierten auf den Ruf der Veranstalter - am Ende war es eine rein ökonomische Entscheidung.

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Leipzig. Neun Jahre lang war die Leipziger Musikmesse (Pop Up eine der wichtigsten Leistungsschauen der Branche. Auch zur zehnten Ausgabe am kommenden Wochenende steht die Musik weiterhin im Mittelpunkt, werden aufregende Künstlerinnen und Künstler aus dem In- und Ausland auf Leipziger Bühnen zu sehen sein. Pop Up X, so der diesjährige Titel, steht aber auch für eine Zäsur im Jubiläumsjahr.

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So verwöhnten zwar tolle Indie-Bands die Ohren und wurde in Gesprächsrunden heftig über die Entwicklungen der Musik-Industrie diskutiert. Doch der gewohnte Festival-Charakter mit Bratwurst-Ständen, Musik-Fetzen und allgemein wohligem Brabbeln der interessierten Gäste blieb dieses Jahr aus. Zwischen den Veranstaltungsorten Werk 2, Ilses Erika und UT Connewitz schien sich die Pop Up zu verlaufen. Gelegenheiten, miteinander ins Gespräch zu kommen, ergaben sich eher auf halbem Wege als bei einem Bier in der Sonne.

Inhaltlich aber sind die 15 ehrenamtlichen Mitarbeiter bei ihren Pop-Up-Wurzeln geblieben, setzen auf Qualität und Charme. Am Freitag läuten A Forest aus Leipzig die Konzertreihe mit relativ leisen, melancholischen Elektropop-Tönen ein - leider aber auch mit einer gänzlich fehlenden Chemie zwischen den Musikern und ihrem Publikum. Die Verbindung der rauen, warmen Stimme des Sängers und den fast zerbrechlichen Vocals der überaus charmanten Sängerin ergibt einen ungewöhnlichen Sound. Durch schräge Tonreihen ergänzt, droht dieser teilweise ins Experimentelle abzudriften, wird aber immer wieder durch leise, gehauchte Passagen in die schöne Welt des Elektro-Pop zurückgeholt. Würden die beiden Sänger neben dem Spiel mit Tönen auch das Spiel mit Atmosphäre und Publikum wagen und ihre Musik mehr leben als nur vortragen - es täte allen gut.

Anders ihr Nachfolger "Touchy Mob". Musikalisch irgendwo zwischen Folk und Techno verwurzelt, kommt er mit seinem Vollbart und der Gitarre so ungemein charmant daher, dass sich die Skepsis der sich füllenden Halle D im Werk 2 nach nur einem Ton des Berliner Künstlers in Wohlgefallen auflöst. Eine dankbare Grundlage für die gespannt erwarteten "Retro Stefson" aus Island, die die Stimmung im Publikum anschließend mit ihrer Weltmusik in den verschiedensten Sprachen und Ausführungen in ungeahnte Höhen schießt.

Neben den musikalischen Auftritten bietet die Pop Up natürlich wieder diverse Diskussionsrunden. Das Panel am Samstagabend befasst sich mit dem Erwachsenwerden in und mit Popkultur. Die unterschiedlichen Hintergründe der Redner sorgen für eine illustre Runde, die sich gegenseitig mit sehr unterschiedlichen Gedanken und Aspekten unterstützen. Kulturwissenschaftler, Jung-Musiker, Jugendforscher und Journalisten - aus verschiedenen Blickwinkeln betrachten die Forums-Teilnehmer mit reger Unterstützung des Publikums die Rolle von Jugendkulturen und Identitätsbildung, Wertevermittlung und Provokationsmüdigkeit der heutigen Jugend. Während sich die Redner auf ihrem Podest relativ einig sind und wenig kontrovers diskutieren, kommen aus den Zuschauerreihen immerhin ab und an einige spitze Nachfragen und kritische Anmerkungen.

Zum Geburtstagsjahr der Pop Up wird erstmalig ein neuer Programmpunkt eingeführt. Im Prager Frühling laufen an beiden Festival-Tagen Dokumentationsfilme über Popkultur. Den Auftakt gibt "Taqwacore: The Birth of Punk Islam", eine kanadische Produktion von Regisseur Omar Majeed, die eine islamische Punk-Band auf ihrer Tour begleitete. Gebetsteppich und Pogo - wie soll das passen?

Im Zentrum des Films steht der Erfinder der Taqwacores, der islamischen Punk-Gemeinschaft in den USA, Michael Mohammed Knight, der selbst mit 16 zum Islam konvertierte. In nachdenklichen und auch witzigen Aufnahmen zeigt der Film eine ganz normale Band, mit einem außergewöhnlichen Hintergrund, die gegen Vorurteile und Anfeindungen kämpfen müssen. Der Streifen gibt auf behutsame Art und Weise interessante Einblicke in die Welt gläubiger Moslems, ihre Liebe zur Musik und deren Versuche, gegen Unterdrückung und Zensur im Islam zu kämpfen.

Die Veranstalter der zehnten Pop Up haben insbesondere durch das attraktive Line-up und die gelungene Auswahl an Inhalten und Experten ein hochwertiges Programm angeboten. Die Atmosphäre hingegen schien unter dem veränderten Konzept ohne Messe-Anteil zu leiden, so dass es teilweise in eine simple Aneinanderreihung von Veranstaltungen zu gleiten und den Festival-Charakter zu verlieren droht.

Ob dieser Umstand für das Konzept der Pop Up langfristig schwerwiegende Folgen haben könnte, wagt eine der Presse-Verantwortlichen, Jennifer Beck, nicht zu spekulieren: "Wir sind erstmal zufrieden, wie es dieses Jahr gelaufen ist. Darüber, wie die Pop Up zukünftig aussehen wird, machen wir uns noch keine Gedanken."

Internet: www.leipzig-popup.de

Theresa Rentsch

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