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Stechvogelschießen - einst ein beliebtes Spiel im alten Leipzig

Stechvogelschießen - einst ein beliebtes Spiel im alten Leipzig

Stechvogel, um 1820: In einem rasanten, bodennahen Flug erjagt der Habicht seine Beute, weshalb er früher auch Pfeilfalk, Stößer oder Stechvogel genannt wurde.

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Der Stechvogel um 1820. Er entwickelt eine zerstörerische Wucht

Quelle: Bertram Kober

Ob er Namensgeber für das Stechvogelschießen war? Man kann sich vorstellen, wie unser gusseiserner Vogel mit den ausgebreiteten Schwingen ebenfalls pfeilschnell auf sein Ziel zustößt. Mit seinem Gewicht von 1,6 Kilogramm und dem spitzen Schnabel entwickelt er dabei eine zerstörerische Wucht. Gotthold August Weber nennt ihn 1820 in seinem Buch "Sechzig Kinderspiele für alle vier Jahreszeiten" den "Zertrümmerungsvogel". Ein Kinderspiel?

Das Stechvogelschießen kam vermutlich Ende des 18. Jahrhunderts aus Frankreich nach Deutschland. Es wurde zu einem beliebten Programmpunkt vieler Volksfeste. So war es auch beim Schillerfest 1847 in Leipzig. Das Journal "Die Mode. Zeitung für die elegante Welt" berichtete 1847 in ihrer Nummer 29, dass Robert Blum "von der Bühne aus die Kinder nach den verschiedenen Spielplätzen (wies), die sie sich nach eignem Gefallen wählen konnten. - Hier lockten zwei große Schießvögel, ein Stern, eine Scheibe und ein Stechvogel -".

Der Schnabel des Stechvogels wurde auf einen hölzernen Vogel gerichtet, der auf einer größeren Scheibe befestigt war. Es galt, den Vogel abzuschießen. Der Stechvogel ersetzte aber nicht nur den Bolzen einer Armbrust oder die Gewehrkugeln, er war Spielgerät für ein neues, weniger gefährliches Vergnügen, bei dem auch Mädchen mitspielen konnten. Vielleicht ist unser Stechvogel deshalb so schön bemalt. Durch die Öse auf dem Rücken wurde eine Schnur gezogen und an einem Gestell über dem Ziel befestigt.

Die Fadenlänge richtete sich nach dem anvisierten Punkt auf dem Körper des hölzernen Vogels, auf dem Stern oder der Zielscheibe. Mit einem Faden an der Öse am Schwanzende steuerte der Spieler die Flugbahn des Stechvogels. Es erforderte Übung und Geschick, das Ziel genau mit dem Schnabel zu treffen. Bei Schützenfesten lebt das Spiel in Deutschland wieder auf. Und das Sportmuseum im belgischen Hofstade lädt seine Gäste ein, sich im Stechvogelschießen zu probieren.

Der gekürzte Text entstammt der Publikation "100 X Leipzig. Tausend Jahre Geschichte" des Stadtgeschichtlichen Museums, die zur Leipziger Buchmesse 2015 erscheint.

Aus der Leipziger Volkszeitung vom ..

Gerlinde Rohr

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