Menü
Leipziger Volkszeitung | Ihre Zeitung aus Leipzig
Anmelden
Kultur Stefan Diederich dirigiert Bruckner und Mahler
Nachrichten Kultur Stefan Diederich dirigiert Bruckner und Mahler
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
18:36 18.04.2014
Quelle: André Kempner
Leipzig

13 Musiker nur sind es, die im zweiten "Klangfarben"-Konzert am Karfreitag in der mau besuchten MuKo auf diese poetische Expedition gehen. Denn auf dem Pult von Musikdirektor Stefan Diederich liegt nicht Mahlers monumentale Original-Partitur, sondern Schönbergs Ensemble-Bearbeitung, die die sinfonische Lyrik zur kammermusikalischen destilliert.

Diese Version steigert die Eigenverantwortung der Musiker ins Unermessliche - und wie die Mitglieder des Orchesters der Musikalischen Komödie damit umgehen, lässt keine Wünsche offen. Subtil, sinnlich, jeden Ton aufgeladen mit Emotion und Bedeutung, dabei indes immer fein reagierend auf die Kollegen und den transparenten Fluss auf den Diederich aus ist - farbiger, dichter, intensiver kann Musik nicht klingen.

Als Solisten verpflichtete die MuKo Anke Berndt, deren Sopran bei aller kundigen Ausgestaltung etwas monochrom bleibt, und den Tenor Michael Baba, der unten und in der Mitte warm und weich tönt, in der Höhe aber unkammermusikalisch forciert.

Die erste Konzert-Halbzeit gehört Bruckners Zweiter. Und auch hier lassen Diederich und sein Orchester vom erstenTon an aufhorchen: Hell, drahtig ist der Klang. Was sonst oft diffuse Streicherfläche leibt, hier brodelt es vor Details. Die Logik, mit der Diederich im Kopfsatz Bruckners komplexe Polyphonie ausbreitet, wie er bei den Steigerungen den langen Atem hat, seine Musiker gemeinsam zum Höhepunkt zu führen, den er ans Ende es Satzes setzt, beeindruckt uneingeschränkt.

Um so mehr enttäuschen die anderen drei Sätze. Im Gebläse mangelt es an Intonationshygiene, die Geigen-Figurationen, in die Bruckner seine harmonischen Entwicklungen aufbricht, zerfasern, obwohl Konzertmeisterin Agnes Farkas alles gibt, um die Kollegen beieinander zu halten. Und Diederich gelingt ausgerechnet das nicht mehr, was den ersten Satz so bemerkenswert machte: jenseits des Episodischen eine Gesamtarchitektur hörbar zu machen. Was insgesamt nichts am Befund ändert, dass in Lindenau auch in diesem Repertoire bemerkenswerte Qualitäten sich verbergen.kfm

Aus der Leipziger Volkszeitung vom 19.04.2014

Korfmacher, Peter

Kommentare
Die Debatte geht am Morgen weiter
Die Kommentarfunktion ist zwischen 23:00 und 06:00 Uhr nicht aktiv – denn wir wollen eine gute Moderation der Beiträge gewährleisten.
Wir freuen uns am Morgen über Ihre konstruktiven Beiträge zum Thema!

Mit geschlossenen Augen und tief versunken lauschen viele der Zuhörer Bachs Matthäus-Passion. Die traditionsreiche Konstellation aus Thomanerchor und Gewandhausorchester hat am Gründonnerstag und Karfreitag wieder das Werk in die Thomaskirche gebracht, das Bach dort 1727 erstmals aufführte.

18.04.2014

Er habe es schon, sagt er gleich zu Beginn, hinter der Bühne gespürt. Dieses ganz bestimmte Knistern im Saal, das einem alten Hasen wie ihm verrät: heute Abend wird es ein gutes Konzert.

18.04.2014

Der goldene Käfig Heddas besteht aus einer halbkreisförmig angelegten Sitzgruppe in Blau. Ins Licht gesetzt von einer ebenso gebogenen Leuchtröhre, wie sie über Konferenztischen hängen könnte.

18.04.2014