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Kultur Steffen Klewar inszeniert Jörg Albechts "My Love Was a Ghost" in der Diskothek
Nachrichten Kultur Steffen Klewar inszeniert Jörg Albechts "My Love Was a Ghost" in der Diskothek
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15:45 06.06.2014
Jörg Albechts "My Love Was a Ghost" in der Diskothek am Schauspiel leipzig. Quelle: Animation Hawaii F3
Leipzig

Um dann, ausgehend vom Gefundenen, einen Theatertext zu verfassen, der "komplett neu" sei, mit einer "Bearbeitung im herkömmlichen Sinne nichts zu tun" habe.

Am Donnerstag konnte man auf der Diskothek-Bühne anhand von Fontanes "Effi Briest" erleben, wie so was aussieht. "My Love Was a Ghost" heißt das Stück, das beim Überschreiben heraus kam. Verfasst hat es Jörg Albrecht (Jahrgang 1981), inszeniert Steffen Klewar (Jahrgang 1982).

Was dabei nun die Suche nach "Gültigkeiten und Motiven" angeht, verhält es sich wie bei der Psychoanalyse, die ihre Ostereier auch immer dort findet, wo sie sie vorher selbst versteckt hat: Im Themenkörbchen des Gegenwartstheaters finden sich wieder und wieder die gleichen Eiereien. Es scheint inzwischen keinen Text mehr zu geben, klassisch-kanonisch oder nicht, aus dem nicht irgendwas mit Gentrifizierung, Globalisierung und Kapitalismuskritik rauszuholen ist. Albrecht/Klewar mischen fröhlich mit. Schwimmer im breiten Strom eines intellektuellen Zeitgeistkonsens, den "My Love Was a Ghost" bestens bedient mit jener bewährten Kombination aus einer Schlagwortsuada in rhetorischen Grobverschraubungen und kulturellem (auch popkulturellem) Assoziationsgeplänkel. Das wirkt, als wäre Theater inzwischen endgültig die Probierwiese für künstlerisch ambitionierte Literatur-, Kultur- und Theaterwissenschaftler. Viel soziologischer und kultureller Diskurs also, was man so gelernt hat in diversen Seminaren. Zum Leben, zum Spiel, erwacht da nichts. Angelesenees stapft in jede Szene-, von Erkundung und Erfahrung, von Vitalität keine Spur. Vom persönlichen Ton ganz zu schweigen.

Da können die Schauspieler (Daniela Keckeis, Ulrich Brandhoff, Michael Pempelforth) machen, was sie wollen. Und so ist das Spannendste dieser Inszenierung, jener lange Monolog, den Pempelforth irgendwann gibt. Zeigend, was ein guter Schauspieler aus ederlei noch rausholen kann. Dabei fast wirkend, als würde er, stellvertretend für das Theater, dieses aus einer luftnehmenden Umklammerung befreien wollen. Leider vergebens.

Vorstellungen: 13., 19., 28. Juni, 3., 11. Juli. Karten und Infos unter Tel. 0341 1268168.

Aus der Leipziger Volkszeitung vom 07.06.2014

Georgi, Steffen

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