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Supertalent-Gewinner Michael Hirte transportiert Emotionen im Leipziger Gewandhaus

Supertalent-Gewinner Michael Hirte transportiert Emotionen im Leipziger Gewandhaus

Michael Hirte - ein ehemaliger Lkw-Fahrer aus der Lausitz, der nach einem schweren Unfall 1991 auf dem rechten Auge erblindete und ein steifes Bein bekam, arbeitslos wurde, auf der Straße Mundharmonika spielte.

Leipzig. Dann der Wettbewerb "Das Supertalent" im Jahr 2008. Er gewinnt, seine erste Platte schafft es sofort auf Platz 1 der Album-Charts. Seither tritt er in diversen Fernsehshows auf oder tourt durch deutsche Städte. Am Montagabend machte er im proppenvollen Leipziger Gewandhaus Station.

Schnell stellt sich heraus, dass er im engeren Sinne nicht wirklich ein Virtuose ist auf seinem Instrument, von technischer Perfektion kann keine Rede sein. Trotzdem ist es ein musikalischer, ein unterhaltsamer Abend. Denn irgendwie hat es Michael Hirte geschafft, auch mit dem ganzen Rummel authentisch zu bleiben. Da steht er vor dem Mikro, mit ausgebeulter Jeans, einem legeren Hemd mit hochgekrempelten Ärmeln, eine Mütze auf dem Kopf, ein Kettchen mit Kreuz um den Hals, ein Goldkettchen am rechten Handgelenk, eine silbern schimmernde Armbanduhr am linken. Das Gesicht ist hinter der stets Vibrato produzierenden Zitterhand meist nicht zu sehen, das rechte Knie wippt mit im Takt. Zwischendurch plaudert er im Lausitzer Dialekt vor sich hin, so als säße man bei ihm zu Hause auf dem Sofa. Zwischendurch bedankt er sich immer und immer wieder bei seinen Fans: "Ohne euch wäre ich jetzt nicht hier".

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Michael Hirte - ein ehemaliger Lkw-Fahrer aus der Lausitz, der nach einem schweren Unfall 1991 arbeitslos wurde und auf der Straße Mundharmonika spielte. Dann der Wettbewerb "Das Supertalent" im Jahr 2008. Er gewinnt, seine erste Platte schafft es sofort auf Platz 1 der Album-Charts. Am Montagabend machte er im Leipziger Gewandhaus Station.

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Und das Publikum liebt ihn, er ist eben einer, der es geschafft hat, von ganz unten nach ganz oben zu kommen. Obwohl das Programm "Weihnachten mit Michael Hirte" heißt, machen die meist englischstämmigen Weihnachtslieder von "Jingle Bells" "When a Child Was Born" oder "Winter Wonderland" höchstens ein Drittel des Programms aus. Ansonsten gibt's ein buntes Gemisch aus Rock und Pop vom DSDS-Hit "I Have a Dream", "Über sieben Brücken musst du gehen" bis zu "Moon River". Aber einen ganzen Abend trägt so ein kleines Instrument eben doch nicht, weswegen sich Hirte einige Gäste dazugeladen hat. Der Tenor Silvio d'Anza wirkt bei seinen Moderationen ziemlich geleckt und schnöselig, singt dann aber "White Christmas" oder "Time to Say Goodbye" immerhin so überzeugend, dass man ihm durchaus mehr Erfolg wünschen würde. Dieter "Quaster" Hertrampf von den Puhdys ist ein Profi und hat den Saal in Nullkommanix zum Toben gebracht. Genau wie das Orchester Otti Bauer mit seinem fetzigen Swing-Medley. Die bezaubernde Geigerin der Band Kim Heilmann zeigt bei schmachtenden Soli und einem hochvirtuosen Csárdás, dass sie längst eine eigene Show verdient hätte. Ganz im Gegensatz zu Jane aus Rostock, über deren unfassbar peinlichen Auftritt man lieber das Mäntelchen des Schweigens hüllen möchte. Und Ronny Weiland, auch "der singende Steinmetz aus Apolda" genannt, klingt bei "Heidschi bumbeidschi" oder einer dürftig vertexteten Version von Smetanas "Moldau" ebenfalls eher zum Steinerweichen.

Zum Schluss sitzt der sympathische, schüchterne Hirte wieder ganz allein auf der Bühne, überwindet abermals seine Nervosität und spielt das Lied, mit dem alles anfing, das "Ave Maria" von Franz Schubert. Auch hier ist nicht alles blitzsauber. Aber Musik lebt eben nicht nur von richtigen Noten, sondern vor allem von Emotionen. Und die transportiert Michael Hirte an diesem Abend. Tumultuöser Applaus.

Tobias Wolff

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