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Tag des offenen Denkmals in Leipzig: "So schnell ausverkauft waren wir noch nie"

Tag des offenen Denkmals in Leipzig: "So schnell ausverkauft waren wir noch nie"

Wer glaubt, zu Leipzigs alten Bauten könne es nicht viel Neues geben, wird noch zu jedem Tag des offenen Denkmals eines Besseren belehrt. Schon zum 22. Mal erkundeten gestern Tausende Einwohner geheimnisvolle Orte.

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Mehr als 19.000 Besucher kamen zur diesjährigen Museumsnacht.

Quelle: André Kempner

Leipzig. So führte Eva Maria Hoyer die Gäste der Eröffnungsveranstaltung im  Grassi Museum für Angewandte Kunst erstmals zu jener blauen Treppenschnecke, die schon jeder Leipziger auf Plakaten und Büchern, aber noch nie in echt sehen konnte. Der Wendelaufgang, geschaffen wie das ganze Haus 1925/29 unter Leitung von Stadtbaurat Hubert Ritter, dient heute als Fluchtweg. Ursprünglich sollte das Grassi dreimal größer über weite Teile des Johannisfriedhofs gebaut werden, erläuterte die Direktorin, was Oberbürgermeister Burkhard Jung (SPD) zu der ironischen Bemerkung veranlasste: "Wir wollen künftigen Generationen ja auch noch einige Aufgaben lassen."

 Horst Krüger von der Ludes Generalplaner GmbH verblüffte die Besucher im neuen Forschungszentrum der Medizinischen Fakultät mit der Erkenntnis, dass die frühere Uni-Hautklinik eigentlich aus drei Gebäuden besteht. Im ältesten Flügel an der Stephanstraße 11 - geschaffen 1892 als Frauenklinik durch Meisterarchitekt Arwed Roßbach - läuft gerade die denkmalgerechte Sanierung. Hingegen sind die 1931 - wiederum durch Hubert Ritter - projektierte Ergänzung an der Liebigstraße sowie ein moderner Neubau im Hof fertig. Das historische sächsische Grün verbindet alle Teile als Leitfarbe der Innengestaltung.

 In der Arndtstraße riss die Schlange der Leute nicht ab, welche die letzte auf deutschem Boden betriebene Hinrichtungsstätte sehen wollten. "Ich wusste zu DDR-Zeiten nicht, dass noch bis 1968 Todesurteile vollstreckt wurden. Ich hätte mir das auch nie vorstellen können, weil es doch der offiziellen Ideologie des Sozialismus widersprach", sagte Viola Sommer, die extra wegen des seltenen Besichtigungsangebots aus Erfurt angereist war. In vier Stunden führte das Bürgerkomitee Leipzig über 600 Besucher in Gruppen durch den grauenvollen Ort.

 Andrang herrschte ebenso bei den Exkursionen durchs Westwerk oder den 5000 Quadratmeter umfassenden, früheren Brauereikeller des Feinkost-Areals. "So schnell ausverkauft waren wir noch nie", lachte dort Peggy Enders, Chefin der Agentur evendito. Sie wird nun wegen des Riesen-Interesses noch weitere Termine ab dem 4. Oktober anbieten.

 Vorerst einmalig zu sehen war das Heinrich-Heine-Denkmal im Volkshausgarten, das eine unglaubliche Geschichte hat. Im Hungerwinter 1947 wurde die schlichte Granitstele vom bedeutenden Gewerkschafter Erich Schilling aus einem Sockelstück des gewaltigen Germania-Siegesdenkmals auf dem Markt geborgen. Er stellte sie hinter dem zerstörten Volkshaus auf. Später ließen die DDR-Oberen die Stele als angebliches Werk eines amerikanischen Agenten aber wieder verschwinden. 1991 wiederentdeckt, steht sie nun ohne viel Brimborium unter einem Kastanienbaum. Heine, so meinte Kulturwissenschaftlerin Monika Kirst bei ihren faktenreichen Touren durch das Gewerkschaftshaus, hätte diese Vorstellung sicher gefallen.

Aus der Leipziger Volkszeitung vom 15.09.2014

Jens Rometsch

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