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Tanz der Tränen: Alan Coen Band in der ausverkauften Halle D

Tanz der Tränen: Alan Coen Band in der ausverkauften Halle D

Die Alin Coen Band zahlt in Leipzig Miete für einen Proberaum. Der Weg war am Mittwoch also kurz für die versierten Musiker. Und lohnend: Mit mehr als 400 Zuschauern war die Halle D des Werk 2 seit Wochen ausverkauft.

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Alin Coen (31) in Halle D.

Quelle: André Kempner

Die Leute tanzen. Wie kann das sein? Das fragt sich Alin Coen irgendwann zwischen zwei Liedern, denn erstens sei die Abfolge doch so strukturiert, dass auf ein trauriges ein mittelfröhliches Stück "und dann ein", lange rhetorische Pause, "trauriges" folge. Zweitens sei sie einmal in der Leipziger Arena auf einem Konzert von Lionel Richie gewesen, und der habe mit den Armen gerudert und seine Fans gefragt: Das nennt ihr tanzen?

Nun ist Coen entweder höflicher als Richie, oder ihre Anhänger können sich besser bewegen. Jedenfalls stellt die 31-Jährige fest: "Aber wie schön, ihr könnt ganz fantastisch tanzen." Am wahrscheinlichsten ist aber, dass Coens Melodien gewissermaßen in der guten alten Ultravox-Tradition stehen: "Dancing with Tears in My Eyes".

Das gilt schon für das zerbrechliche und zugleich treibende "Wer bist du?", mit dem die Alin Coen Band zuvor begonnen hat. Und erst recht für "High Expectations", das bald folgt und den Anlass für Coens Verwunderung gibt. Die Komposition vom aktuellen Album "We're Not The Ones We Thought We Were" entfacht eine tolle Dynamik. Zuerst legt Coen ihren gefühlvollen Gesang auf ein tanzbares Elektro-Blubbern, allmählich knüpft ihre spielstarke Band jedoch einen an Knoten reichen Klangteppich unter die Chefin.

In diesem Moment zeigt sich auch, dass die Kanadierin Miss Emily Brown nicht nur die undankbare Aufgabe hatte, mit ihren sanften Liedern im Vorprogramm gegen das Geschnatter des Publikums anzuflüstern. Sondern, dass sie darüber hinaus im Hauptteil immer wieder Coens Stimme wunderschön ergänzt.

Überhaupt besteht die Gruppe aus hervorragenden Musikern, die sich während des Studiums in Weimar trafen (und von denen momentan drei in Leipzig leben; Coen ist aber nach Berlin weitergezogen). Bassist Philipp Martin - wie Schlagzeuger Fabian Stevens studierter Jazzer - Gitarrist Jan Frisch und Keyboarder Ali Krause konstruieren ihre Arrangements seltener aus Akkord-Flächen als aus Einzeltönen, die sich gegeneinander und miteinander in Wohlklang auflösen.

"Disconnected" beispielsweise entwickelt eine atemraubende psychedelische Verve. Und als Frisch und Martin später in "Hol mich ein" ein synchrones Gitarre-Bass-Solo zupfen, ist das Resultat schlicht spektakulär. Verblüffend auch, wie das zunächst zarte Liedlein "Einer will immer mehr" gegen Ende in versponnenen Prog- und Spacerock ausufert.

Die meisten Liebeskummerlieder zelebriert Coen jedoch, ohne dass die Klänge explodieren. Sie ist eine Meisterin in diesem Fach, und weil sie dann oft deutsch singt, ist es gut, dass sich ihre Bandkollegen zurückhalten. Wenn Coen zu ihrer Wandergitarre so desillusioniert wie bestimmt festsetzt, dass "Kein Weg zurück" führt, oder mit dem Lied einer Mutter zu Tränen rührt, die keinen Ausweg weiß, als ihren Säugling per Babyklappe in "Andere Hände" zu legen, gelingt ihr das bemerkenswert frei von allem Pathos.

Das wahrhaftige Kleinod "Festhalten", das dramaturgisch perfekt nach andertdreiviertel Stunden kurz vor Schluss erklingt, ist sowieso ohne Vergleich. So rhythmisch singt keine andere deutsche Sängerin, wenn sie eigentlich in der Hauptsache schmachtet. Und ja, sogar jetzt erblickt Coen tanzende Menschen.

Zum Proben trifft sich die Band häufig in Leipzig. Schon daher ist ihr Wissen um die tänzerischen Fähigkeiten der Leute hier unbedingt fundierter als Lionel Richies oberflächlicher Eindruck, genau.

Zusatzkonzert der Alin Coen Band am 5. September, 20 Uhr, Clara-Zetkin-Parkbühne, Karten für 19,40 Euro unter 0800 218150

Aus der Leipziger Volkszeitung vom 31.01.2014
Mathias Wöbking

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