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Tausende Fans feiern beim Impericon Festival in Leipzig

13 Stunden Musik Tausende Fans feiern beim Impericon Festival in Leipzig

Knallharte Drums, tiefer gestimmte Gitarren und gutturaler Gesang: Einen ganzen Tag lang stand das Leipziger Agra-Gelände am Sonnabend beim Impericon Festival im Zeichen der harten Gitarrenmusik. Rund 5 000 Fans feierten zahlreiche Bands aus dem Hard- und Metalcore-Genre.

Rund 5 000 Fans feierten beim Impericon Festival 2016 in Leipzig knapp 13 Stunden lang Bands aus allen Stilrichtungen des Hard- und Metalcore.

Quelle: Susanne Richter

Leipzig. Bereits zum sechsten Mal lockte das Impericon Festival am Sonnabend musikbegeisterte Massen in den Süden Leipzigs. Knapp 5 000 Fans sorgten auf dem Agra-Gelände nicht nur für „Ausverkauft“-Schilder an den Türen, sondern auch für grandiose Stimmung in der Halle. Das mit 15 Bands randvolle Line-Up garantierte dabei bei dem knapp dreizehnstündigen Konzertmarathon eine große stilistische Vielfalt.

Licht und Schatten

Für das erste Ausrufezeichen des Tages sorgen die US-Amerikaner von Blessthefall. Das Quintett aus Phoenix sorgt mit seinem knackigen Soundmix aus brachialem Riffing und melodisch-verspielten Gitarrenleads für ordentlich Stimmung vor der Bühne, kann einen amtlichen Circle-Pit verzeichnen und hält das Publikum auf konstant hohem Energieniveau. Zwischendrin darf sich Gitarrist Eric Lambert über ein aus tausenden Kehlen geschmettertes „Happy Birthday“ freuen, bevor die Fans zu „Youngbloods“ nochmals mächtig Dampf machen.

Im starken Kontrast dazu stehen im Anschluss Despised Icon, die bei weiten Teilen des Publikums für das größte Stirnrunzeln sorgen. Der Sound des Sextetts aus Montreal ist handwerklich einwandfrei fabriziert, zudem deckt die Truppe mit Anleihen aus Death, Grind, Crust, Core und Doom die stilistisch größte Bandbreite des Tages ab. Allein, die einzelnen Teile wollen nicht richtig ineinander greifen, zahllose Breaks zerstückeln die Songs. Das sieht auch ein Großteil des Publikums so, die Reaktionen fallen – bis auf ein paar unentwegte Violent-Dancer – deutlich verhaltener aus.

Musikalisches Glanzstück und Old-School-Granate

Überzeugte mit Spaß und konsequenten Ansagen

Überzeugte mit Spaß und konsequenten Ansagen: Nasty-Fronter Matthias.

Quelle: Susanne Richter

Die Kehrtwende folgt knapp zwei Stunden später. Northlane setzen der Brutalo-Welle ein musikalisches Zuckerstück entgegen. Die fünf Australier begeistern mit sphärisch-vertracktem Post-Hardcore. Rhythmuswechsel, die bei Despised Icon noch überhastet und vorschnell wirken, geben den Songs der Band aus Sydney erst die richtige Würze. Vor allem Drummer Nic Pettersen läuft zur Höchstform auf und zaubert ein Kabinettstück nach dem anderen aus den Sticks. Dass die Band zudem mit einem wunderbar druckvollen Sound gesegnet ist, setzt dem Gig das Sahnehäubchen auf.

Im Anschluss vollführen die Belgier von Nasty eine stilistische Rolle rückwärts und liefern mit ihrem Beatdown-Sound die Old-School-Granate des frühen Abends. Besonders Sänger Matthias kann seine Freude über die zahlreichen Fans und die durchweg euphorischen Reaktionen kaum verbergen. Zwischen dezidiert politische Ansagen und Aufrufe zu mehr Toleranz – szene-intern und darüber hinaus – schleicht sich immer wieder ein breites Grinsen in sein Gesicht. Das hindert ihn aber keineswegs daran, den Zuschauern im nächsten Moment Hassbatzen wie „Zero Tolerance“ oder „As Blood Runs Cold“ um die Ohren zu brüllen.

Für den größten Überraschungseffekt sorgen im Anschluss Emmure auf ihrer Seite. Denn die US-Band betritt in nahezu komplett neuer Besetzung die Bühnenbretter. Lediglich Sänger Frankie Palmeri ist seit Gründung mit an Bord. Trotzdem kann auch die neue Formation mit brutal-groovendem Riffing, exzessivem Double-Bass-Einsatz und melodischen Einschüben überzeugen. Das Publikum quittiert den Einstand mit frenetischem Applaus.

Party im XXL-Format

Dass das Impericon Festival zunehmend ein jüngeres Publikum anzieht, wird beim nun folgenden Party-Event des Tages deutlich. Unter dem Banner „Callejon versus Eskimo Callboy“ geben sich zwei der derzeit angesagtesten einheimischen Metalcore-Bands die Ehre – und zwar gleichzeitig. Die Bühne ist massiv umgestaltet, neben zwei Schlagzeugen hat auch noch eine komplette Bar Platz bekommen. In den folgenden 90 Minuten feuern die Bands Hit um Hit ins weite Rund. Und ob „Party In The Horror House“ (Eskimo Callboy) oder Callejons Version des Ärzte-Klassikers „Schrei nach Liebe“: Das junge Publikum frisst den Bands aus der Hand, tanzt, springt und mosht, als gäbe es kein Morgen mehr. Aus musikalischer Sicht mag man den beiden Bands durchaus skeptisch gegenüber stehen. Den Party-Faktor halten sie allerdings uneingeschränkt hoch.

Brachiale Songs zum Abschluss

Brachiale Songs zum Abschluss: Hatebreed-Bassist Chris Beattie

Quelle: Susanne Richter

Angesichts dessen ist es schade, dass sich die Reihen beim Headliner-Auftritt der Szene-Institution Hatebreed deutlich gelichtet haben. Die US-Amerikaner um Fronter Jamey Jasta lassen sich davon jedoch nicht beirren, sondern bringen das müde Publikum mit neuen Stücken wie „A.D.“ vom kommenden „The Concrete Confessional“-Album und alten Klassikern der Marke „Live For This“, „As Diehard As They Come“, „Before Dishonor“ oder „This Is Now“ zu später Stunde noch einmal ordentlich in Fahrt. Selbst wenn die Kräfte schwinden und der Moshpit nicht mehr ganz so groß ausfällt liefern Hatebreed einen würdigen Abschluss für ein mehr als gelungenes Festival.

Von Bastian Fischer

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