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Techno-Illusionist: Fritz Kalkbrenner legt im ausverkauften Werk 2 auf

Techno-Illusionist: Fritz Kalkbrenner legt im ausverkauften Werk 2 auf

Fritz Kalkbrenner hat es geschafft: Mit seinem zweiten Album "Sick Travellin'", das nach dem Erscheinen 2012 sofort in die Top 10 der deutschen Charts einstieg, konnte er endlich dem Schatten seines Bruders Paul entfliehen und sich neben ihm als anerkannter, gleichrangiger Musiker etablieren.

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Fritz Kalkbrenner im Werk 2.

Quelle: André Kempner

Leipzig. Doch nicht nur das. Als neue Stimme Berlins wird der jüngere Kalkbrenner mitsamt seiner Musik gehandelt, um den sich eine mittlerweile stetig wachsende Schar von begeisterten Fans aus aller Welt sammelt.

Mindestens 90 Prozent davon scheinen in Leipzig und Umgebung zu wohnen; nicht anders ist der Andrang zu seinem Auftritt im Werk 2 am Ostersonntag zu erklären. Vor einer ausverkauften Halle spielt Kalkbrenner, der davon sichtlich begeistert ist, einen stampfenden Mix von Liedern seiner beiden Alben und feiert damit einen weitaus zugänglicheren Techno, der weit von den heutigen Musikleichen einstiger Künstler der 90er Jahre entfernt ist und sich durch ausgefeilte Elektro-Frickeleien auszeichnet.

Kalkbrenners Markenzeichen sind dabei vor allem die zarten Melodien, die die gängigen 120 Beats per Minute geschickt untermalen. Diese machen die Songs des Berliners merklich weicher und sorgen für ungewohnt intim-fragile Momente in der Klangodyssee herber elektronischer Musik. Zudem schaffen sie Raum für die markante Stimme des bärtigen Barden, der mittels seiner Texte immer wieder gern Schnipsel der Weisheit auf Tonspuren verbreitet. Das funktioniert auf Platte sowie live gleichermaßen gut, weil der Gesang Fritz Kalkbrenners ohne Frage zu faszinieren weiß. Tief ist der Klang seiner Einsätze; warm die Gefühle, die sie hervorrufen.

An diesem Abend aber reichen selbst diese nicht aus, um aus einer guten Nacht eine perfekte zu machen. Obwohl Kalkbrenner über lange Zeit hinweg auf der Bühne gekonnt auf die richtigen Tasten seiner Ausstattung drückt, um die danach nur so lechzende Menge zum Beben zu bringen, merkt man schnell, dass hier lediglich eine Phantasie an die Massen verkauft wird, die weitaus verruchter und cooler wirkt als sie in diesem Moment tatsächlich ist: das Tanzen im dunklen Club zu den lässigen Klängen eines versierten DJs. Ein Könner ist er, dieser Fritz Kalkbrenner, das beweisen seine Produktionen. Ein Entertainer vor dem Herrn, wie einige namhafte Kollegen, hingegen keinesfalls, wenn er einzig munter vor seinem Laptop umherspringt. Alles, was er macht, kitzelt lediglich irgendwie die Sinne, reißt jedoch nicht durchgehend mit und wirkt daher auf Dauer recht langweilig. Da hilft nicht einmal die eigens für die Tour kreierte Licht-Show.

Das ist allerdings auch der Location geschuldet. Bei der ständigen Reise vieler Anwesenden in die ersten Reihen, um ihrem Helden einmal in die Augen schauen zu können, und der Größe der Halle A kommt keinerlei heimelige Stimmung auf, die dem "Stimme Berlins"-Gedanken auch nur annähernd gerecht werden und den Zauber der dortigen Clubszene authentisch einfangen könnte. Viel zu oft müssen die eigenen Füße beispielsweise anderen Gästen auf der Suche nach der Bar Platz machen, als dass sie jemals den dargebotenen Beats folgen dürfen.

Dennoch schwebt die Begeisterung über all das Schaffen Fritz Kalkbrenners in dieser Nacht greifbar über dem dicht gedrängten Menschenpulk, der sich ihm zu Ehren zusammengefunden hat. Denn selbst die größte Illusion, so scheint es, kann dem ein oder anderen ziemlich viel Spaß bereiten ...

Aus der Leipziger Volkszeitung vom 02.04.2013

Anne-Sophie Kretschmer

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