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Theater der Jungen Welt kümmert sich ums "Suchen" - acht Neuinszenierungen

Theater der Jungen Welt kümmert sich ums "Suchen" - acht Neuinszenierungen

Ein Wort, das "ureigen mit dem Theater und dem Leben verbunden" sei. Meint Intendant Jürgen Zielinski, der gestern mit Team im Theater der Jungen Welt die Pläne für die Spielzeit 2013/2014 vorstellte.

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Jürgen Zielinski geht mit seinem Team auf "Suche".

Quelle: Wolfgang Zeyen

Leipzig. Eine Spielzeit, die mit einem kurzen und pragmatischen "Suchen" überschrieben ist.

"Alles wächst?!" heißt die aktuelle Saison - und in der wuchs im TdjW tatsächlich einiges. Von der Zahl der Inszenierungen bis zu der der Zuschauer. Und zwar derartig, dass die Mannschaft um Zielinski sich durchaus mal auf die Schulter klopfen darf. Umso angenehmer, dass das zur Pressekonferenz in aller Eile geschieht. Keine Zahlen-Mantras, die Selbstbeweihräucherung in Statistikform verbreiten. Sehr schnell geht der Blick in die anstehende Saison. Und vielleicht formuliert deren Motto sogar auch ein Ziehen an der Reißleine aus dem Wissen heraus, dass mit der Quantität nicht zwangsläufig auch die Qualität wächst.

Was die angeht, ist dem Theater der Jungen Welt kaum etwas vorzuwerfen - aber vielleicht ist es das Gefühl, dass es an der Zeit ist, mal etwas vom Gas zu gehen. Wachstum alleine jedenfalls, bedeutet schließlich noch gar nichts. Oder wie es Zielinski formuliert: "Allein sportiv lässt sich nicht wirklich was bewegen."

Also gibt es im Namen der künstlerischen Substanz und wohl auch im Namen eines Ensembles, dessen Kräftehaushalt an seine Grenzen zu kommen droht, in der kommenden Spielzeit nur acht Premieren (im Gegensatz zu den zwölf der laufenden Saison). Ein Programm, das erneut jener Richtlinie folgt, die Theater nicht nur vom künstlerisch-ästhetischen, sondern auch sozialem Anspruch her denkt. Als "Schule des Sehens und Ort der Diskussion", wie Zielinski das formuliert.

Was geplant ist, scheint geeignet, beides zu bedienen. Neugierig macht es in jedem Fall. Etwa auf "Stürmt das Schloss!", ein Projekt, das sich mit Amateuren und Profischauspielern an Kleists "Kohlhaas" wagt. Unter welchen Umständen sich Gewalt legitimiert (oder eben nicht), dürfte dabei eine Frage sein, die gerade mit der Annäherung über die Kohlhaas-Figur den künstlerischen mit dem sozialen Aspekt verschmelzen lassen könnte. Man darf gespannt sein.

Auch darauf, was aus der Kooperation des TdJW mit dem Ariowitsch-Haus herauskommen wird. Nicht zuletzt, weil dem Küf Kaufmann vorsteht, der nicht nur Vorsitzender der israelitischen Glaubensgemeinschaft in Leipzig ist, sondern als Autor und Kabarettist Künstler genug, um bei aller Ernsthaftigkeit den Unterhaltungswert nicht aus den Augen zu verlieren. Neben historischen Reflektionen zur deutsch-jüdischen Vergangenheit ist da auch eine theatrale Aufbereitung jener Ressentiments geplant, mit der Teile aus der Nachbarschaft des Ariowitsch-Hauses auf dessen Eröffnung als jüdisches Kulturzentrum 2009 reagierten. Ja, auch darauf darf man gespannt sein.

Und auf Heike Hennigs "Crystal - Variationen über den Rausch". Eine Koproduktion mit Bayer-Kultur (was mit Blick aufs Sujet nicht ohne Witz ist), die eine Tanz-Inszenierung erhoffen lässt, die sich schon thematisch von den gutbürgerlichen Gediegenheiten, die die Choreographin sonst gern bedient, emanzipieren sollte: "Schweres Thema, exzessiv ausgetanzt" verspricht Zielinski. Schauen wir mal.

Reizvoll klingt auch eine deutsche Erstaufführung, die sich eines heiklen Sujets annimmt: "2 Uhr 14" ist ein Text des Kanadiers David Paquet, der darin die Opfer eines Amoklaufs zu Wort kommen lässt. Womit diese "Suchen"-Spielzeit schön pendelt: zwischen Rauscherkundung und emotionaler Gratwanderung fürs etwas ältere Publikum. Zwischen den freundlichen "Zwei Monstern" und Stevensons "Schatzinsel" für die Kleineren. Zwischen Traditionellem von Puppenspiel bis Weihnachtsstück (Charles Ways "In einer Winternacht") und Experiment wie der Collage "ILD - Liebeserklärungen von Keilschrift bis Twitter". Wer hier nur ein klein wenig sucht, wird in jedem Fall was finden.

Aus der Leipziger Volkszeitung vom 28.05.2013

Steffen Georgi

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