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Theaterbundt Leipzig lädt zur Premiere

Sommertheater im Wagners Theaterbundt Leipzig lädt zur Premiere

Sie gehörten zum Ensemble, bis das Theater Fact Ende Dezember schloss. Doch der Zusammenhalt und die Lust auf die Bühne sind geblieben: Unter dem Namen Theaterbundt macht die Truppe weiter und lädt am Samstag zur Sommertheater-Premiere im Wagners am Leipziger Ring – mit einem Stück, das Zündstoff für hitzige Diskussionen birgt.

Bereit fürs Sommertheater: Falk Mittenentzwei, Uwe Kraus, Simeon Wutte, Rebecca Lara Müller und Mona Schubert (v. l.).

Quelle: Kempner

Leipzig. Es ist ein Ort voller Superlative, so scheint es. Als „Leipzigs schmalstes Restaurant“ wirbt das Wagners am Eingang für sich. Zudem beheimatete der Hof ab 1727 die erste Leipziger Theaterspielstätte „Neuberin“. Und jener Hof unter einem Dach aus Wein wird in diesen Tagen zur Spielfläche für eine Handvoll höchst motivierte Schauspieler. Das Theater Bundt besteht komplett aus Mitgliedern des Theater Fact, das im Dezember den Betrieb eingestellt hat. Die Erben Ev Schreibers, die an die Ostsee zog und im Herbst dort eine Pension eröffnet, wollten sich als Gruppe nicht auflösen. Am Samstag präsentieren sie die Sommertheater-Premiere von „Benefiz – Jeder rettet einen Afrikaner“.

Im Mai lief die Inszenierung bereits dreimal im Haus Steinstraße. „Das Dachtheater war voll und die Resonanz positiv“, berichtet Simeon Wutte, der es mit Ingrid Lausunds Stück während seines Schauspielstudiums in Bonn zu tun bekam und es der Truppe empfahl. Nach dem ersten erfolgreichen Schritt wuchs der Mut, weiterzumachen. Das Quintett plante die verfeinerte Wiederaufführung in aufwendigerem Rahmen und mit mehr Werbung. Den Namen Ensemble Fact legte es ab. „In Gesprächen haben wir beschlossen: Das Fact gibt es nun mal nicht mehr, wir ziehen einen Schlussstrich und taufen uns um“, berichtet Uwe Kraus, der zehn Jahre lang zu Ev Schreibers Ensemble gehörte, bis zum Schluss. „Eine sehr bewegte Zeit“, resümiert der Schauspieler.

Das Buchstabenspiel „Bundt“ verweist sowohl auf den inneren Zusammenhalt als auch auf die Zielsetzung eines abwechslungsreichen Profils. „Benefiz“ jedenfalls hat einen stark satirischen Einschlag: Fünf Schauspieler proben eine Wohltätigkeitsver­anstaltung für ein afrikanisches Schulprojekt, um Spendenbereitschaft zu wecken – und beraten unter anderem darüber, ob man Not und Elend in Afrika unterhaltsam verpacken soll. Sie verheddern sich in „political correctness“ und Überzeugungsdebatten, verhandeln vermeintlich rassistische Vorurteile und Schubladen-Zuweisungen – bis der Kragen platzt.

Ein Vorgang, der sich real schon in der Werbung zum Stück abgespielt hat: Auf der Zeichnung für Plakate und Flyer vom Theaterbundt sitzt ein ausgehungerter Klischee-Schwarzer, eine Hand nach einem Cocktail ausstreckend. Das Motiv führte zu schäumenden Kommentaren via Facebook, auf den Plakaten und per Mail. Die Truppe weist den Vorwurf der Despektierlichkeit von sich und stellte eine klare Position ins Netz: „Als Künstler nehmen wir uns das Recht heraus, das Stilmittel der direkten Provokation sowie das der schonungslosen Konfrontation zu wählen.“

Das Stück thematisiert den makabren Kontrast von massenhafter Unterernährung und oberflächlichem Protz der wohl Situierten, greift persönliche Ängste und Grundsatzfragen nach Gerechtigkeit auf.

Mona Schubert, Rebecca-Lara Müller, Uwe Kraus, Falk Mittenentzwei und Simeon Wutte stecken alle Kraft, Lust und Zeit in ihren Theaterbundt. Der soll auch nach der Sommertheater-Staffel in der Wahrnehmung bleiben, an mehreren Spielorten und in verschiedenen Farben. „Möglich wäre beispielsweise auch ein Liederabend“, wirft Wutte ein.

Das aber ist Musik von morgen; momentan hat das Team neben den Arbeiten an der Inszenierung von Anna-Karoline Schiela viel mit theaterbetrieblichen Dingen zu tun, die zu Fact-Zeiten Schreiber erledigt hat. Da kann es schon mal passieren, dass bei der früheren Leiterin das Telefon klingelt und Rat gesucht wird. Mona Schubert befindet lächelnd: „Sie ist halt immer noch die Mutti.“ Und wenn ihr Laden an der Ostsee läuft, dürfte sie irgendwann auch mal zu den Zuschauern gehören.

„Benefiz – Jeder rettet einen Afrikaner“ vonm 29. Juli bis 27. August immer donnerstags bis samstags im Wagners Restaurant- und Weinwirtschaft am Goerdelerring. Karten für 15/ermäßigt 10 Euro gibt’s unter 0176 276 192 44 oder per Mail info@theaterbundt.de.

Von Mark Daniel

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