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00:27 12.04.2018
Historie trifft Improtheater: Armin Zarbock (l.), August Geyler (2. v. l.) und Claudius Bruns (r.) befassen sich mit dem 17. Juni 1953. Quelle: Montage. Armin Zarbock
Leipzig

Für eine Überraschung sind sie immer gut. Klar, das macht schließlich die Daseinsberechtigung der Kunstform Improtheater aus. Im Fall von Adolf Südknecht trifft das allerdings nicht nur auf die Spielmomente zu. Für die gleichnamige Seifenoper-Improshow, die das erfundene Leben einer Kneipiersfamilie mit Leipzigs Zeitgeschichte so erfolgreich verknüpft, bleibt die Gruppe auch im siebten Jahr erfinderisch – und hat einen neuen Kniff gefunden.

Ab Dienstagabend überraschen Armin Zarbock und Team mit einer Umkehrung im Umgang mit Historie. Komprimierten die Südknechts im Horns Erben sonst weitgehend ein Annum in einer Episode, machen sie in „Der Aufstand!“ das Gegenteil: Den berühmten 17. Juni 1953, jenen Tag des Arbeiteraufstands, arbeiten sie in insgesamt acht Folgen auf – in der Vorgeschichte, dem Ereignis selbst und dem Nachbeben, stets eingebettet in die Familiensoap. Am Montag stellten die Akteure im Museum „Runde Ecke“ das gemeinsame Projekt vor.

Informationen zum Aufstand bekamen die Südknecht-Macher in der App des Museums, „Leipzig 1953“. „Sie brachte uns auf die Idee einer Kooperation mit der Einrichtung“, erzählt Zarbock. Gedenkstätten-Leiter Tobias Hollitzer gab sein Okay, morgen feiert „Der Aufstand!“ im Horns Premiere; geplant sind aber auch Auftritte an historischen Stellen, beispielsweise auf dem Hof der Feinkost nahe des Volkshauses, um das herum es vor 65 Jahren rumorte. Besonders aufgeladen ist natürlich der besagte Juni-Tag – mit Bedeutung und Spannung in der künstlerischen Umsetzung, die direkt in der „Straße des 17. Juni“ stattfinden wird. „Der Grat zwischen Dramatik, Tragik und dem Anspruch, zu unterhalten, ist ein schmaler“, so Zarbock, „eine große Herausforderung, da gilt es sensibel zu sein.“ Immerhin starben bei der Revolte in Leipzig neun Menschen, mehrere Hundert wurden verletzt.

August Geyler, in der Südknecht-Gruppe der Sohn des Gastwirts, erinnert an eine Episode, in der es um den Nazi-Terror ging und ein Zeitzeuge im Publikum saß. „Mit seinen Mahnungen vor dem Vergessen wurde er zu einem Teil der Aufführung, das hat mich lange beschäftigt.“ Ähnliche Interaktionen könnten am 17. Juni 2018 passieren.

Die Gedenkstätte „Runde Ecke“ unterstützt das Vorhaben in der historisch-politischen Vermittlung und berät die Schauspieler inhaltlich zur historischen Entwicklung des Jahres 1953. „Für uns ist die Kooperation eine schöne Möglichkeit, Menschen für unsere Einrichtung zu interessieren, die sich zuvor nicht mit ihr befasst haben“, sagt Mitarbeiterin Franziska Böhl. Das Jahr ’53 gehört seit langem zur historisch-politischen Bildungsarbeit des Leipziger Museums mit Sitz in den original erhaltenen Räumen der ehemaligen Bezirksverwaltung für Staatssicherheit; der Aufstand gilt als erste antidiktatorischer gegen die kommunistische Diktatur in der DDR – mit Forderungen der Bevölkerung nach freien Wahlen, Freiheit und Einheit, die 36 Jahre später erneut laut wurden und zum Mauerfall führten.

Geyler und Zarbock, begleitet von den Musikern Claudius Bruns und Frank Berger, laden Schauspieler als Gäste ein. Zur Auftakt-Folge „Funkenflug“ kommt Alexander Terhorst aus Halle, mit ihm wird der Zeitgeist eingekreist – in Ruhe. „Uns geht es um Entschleunigung“, so Geyler. „Der Zuschauer soll ein Gefühl für die Zeit und die Umstände damals bekommen.“

„Der Aufstand!“ erstmals Dienstag im Horns Erben, 20 Uhr, Karten über www.horns-erben.de

Von Mark Daniel

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