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Thomas Frank wird künstlerischer Leiter der Schauspiel Residenz

Schauspiel Leipzig Thomas Frank wird künstlerischer Leiter der Schauspiel Residenz

Die Performance-Bühne des Schauspiels Leipzig bekommt mit dem Spielzeitwechsel einen neuen künstlerischen Leiter. Thomas Frank hatte zuvor erfolgreich das brut Wien mit aufgebaut und gilt als international gut vernetzter Kenner der freien Szene. Mit dem Gastspiel „I’m not here says the void“ stellt sich Frank in Leipzig vor.

Thomas Frank wechselt von Wien nach Leipzig.

Quelle: Wolfgang Zeyen

Leipzig. Thomas Frank kommt mit dem Rote-Augen-Flieger. Die erste Maschine aus Wien. Er plaudert dann aber, kurz nach der Ankunft und einem Kaffee, überraschend wach und ausgeschlafen über seine Vorstellungen von Performance-Kunst, über das Theater in Estland und seine Leipzig-Gefühle.

Thomas Frank übernimmt ab kommender Spielzeit die künstlerische Leitung der Residenz des Leipziger Schauspiels. Die Sparte des Hauses also, die sich als Koproduktionsort der Performance verschrieben hat und freie Theatermacher zu einer Produktion einlädt. Die Grenzen zwischen Stadttheater und freier Szene mögen generell durchlässiger werden. „Aber es ist etwas Besonderes, dass ein Haus eine Bühne komplett der freien Szene zur Verfügung stellt“, sagt Frank. Weiter verbreitet sei das Modell, freie Theatermacher mit dem eigenen Ensemble arbeiten zu lassen. „Die künstlerische Eigenständigkeit wird hier akzeptiert“, sagt Frank.

Frank kommt selbst aus der freien Szene und kennt deren Bedürfnisse. International ist er gut vernetzt. Und als eine Art Visitenkarte lässt sich das heute beginnende Gastspiel von Julian Hetzel interpretieren. Eine deutsche Erstaufführung, durch Franks Kontakte in die Wege geleitet. „I’m not here says the void“ ist ein düsteres Werk über die Angst, über schwer greifbare Leerstellen. Hetzel verbindet in der Zusammenarbeit mit dem Choreografen Michele Rizzo Theater, Tanz, Bildhauerei und minimalistische elektronische Musik. „Er kann sehr gut Bilder setzen“, lobt Frank den Künstler. Bei aller Abstraktion könne sich das Publikum gut damit in Bezug setzen.

Hetzel produziert gern international von Prag bis Buenos Aires.„I’m not here says the void“ ist als Abschlussarbeit bei DasArts in Amsterdam entstanden, wo Hetzel lebt. Doch es besteht auch ein Bezug zur Region. Hetzel studierte Visuelle Kommunikation in Weimar. Und er ist Mitbegründer der Leipziger Electronica-Band Pentatones.

Mehr noch hat Frank eine Leipzig-Vergangenheit. In den 90er Jahren hat er hier Theater- und Kommunikationswissenschaften studiert. „Nach Leipzig zu kommen, ist wie einen alten Freund zu treffen“, sagt er. „Man kennt sich, weiß aber, dass in der Zwischenzeit viel passiert ist.“ Das gilt für beide. Frank arbeitet nach dem Studium am Künstlerhaus Mousonturm Frankfurt und baute später mit Haiko Pfost das brut Wien auf. Ein internationales Koproduktionshaus für interdisziplinäre darstellende Kunst, mit Preisen ausgezeichnet und rasch über Österreich hinaus auf dem Radar der freien Theaterszene. Derzeit steht Frank noch als freier Kurator im Dienst des Theaters VabaLava in Tallinn.

Internationale Kontakte und den Sinn für interdisziplinäres Arbeiten, wie es Hetzel zeigt, bringt Frank mit. Die Residenz betrachtet er als eine Art Labor für neue Darstellungsformen. Ästhetisch lässt er sich nicht festlegen. Er will „das Spektrum der performativen Möglichkeiten abklopfen“. Dabei freut er sich auf den neuen Arbeitsschwerpunkt. „In Wien war meine Aufgabe eher das Kuratieren, als das Produzieren – hier dreht sich das um.“

Dass die freie Szene die Residenz auch mit einem kritischen Blick begleitet, weiß Frank. In Wien hat er selbst die Erfahrung gemacht, dass er beim Buhlen um Künstler nicht mit den Etats der städtischen Häuser oder der Wiener Festwochen mithalten konnte. In Leipzig will er das Gespräch mit dem Loft suchen. Das Off-Theater wird bald Nachbar der Residenz auf der Spinnerei. „Ich bin überzeugt, dass sich das ergänzt“, sagt Frank. „Im Idealfall entsteht eine interessante Dynamik zwischen den Häusern.“

Franks Handschrift wird erst ab der Spielzeit 2018/19 richtig sichtbar. Den kommenden Spielplan hat die amtierende Leiterin Esther Holland-Merten weitgehend gesetzt. Die Dramaturgin, die auch das erfolgreiche Programm der Gegenwartsdramatik am Schauspiel gestaltet, beendet ihren Zwei-Städte-Spagat und verlässt Leipzig im Sommer – Richtung Wien.

„I’m not here says the void“, 8. bis 10. April, jeweils 20 Uhr, Residenz (Spinnereistr. 7, Halle 18); Kartentel: 0341 1268168

Von Dimo Riess

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