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Tierschützer contra Centraltheater: Aktionskünstler Nitsch sorgt für Proteste

Tierschützer contra Centraltheater: Aktionskünstler Nitsch sorgt für Proteste

Im Centraltheater, das bald wieder Schauspiel heißen wird, soll es zum Abschluss der Leipziger Festspiele noch einmal richtig krachen. Vom 21. bis 23. Juni lädt Hermann Nitsch, der große alte Mann des Bühnen-Blutbads zum "3-Tage-Spiel".

Angekündigt ist sein Orgien-Mysterien-Theater, bei dem vermutlich auch Tierkadaver zum Einsatz kommen. Auf seiner Homepage spricht das Centraltheater von einem"Blutspektakel als Gesamtkunstwerk aus Musik, Theater und Malerei".

Der Österreicher, der in diesem Jahr 75 wird, provoziert, wohin er kommt. Protest ist gewissermaßen Teil seines Programms - auch in Leipzig: Wut und Ekel organisiert sich derzeit vor allem über Facebook. Schauspiel und städtisches Kulturamt erhielten zahlreiche Protestmails. "Es werden ein Rind sowie 3 Schweine geschlachtet, die Akteure suhlen sich im Blut und in den Eingeweiden, lecken an den Hoden des Rindes. .. Das ganze soll ein orgastisches Freudenfest darstellen und bezieht sich irgendwie auf Richard Wagner", heißt es unter anderem in einem via Facebook verbreiteten "Hilferuf", in dem eine Protestkundgebung oder Mahnwache vor dem Theater angeregt wird.

Dazu stellte gestern das Schauspiel klar: "Auf der Bühne des Centraltheaters wird kein Tier gefoltert oder getötet." Mit Nitsch werde in Leipzig erstmals einer der prägenden Künstler des Wiener Aktionismus arbeiten. Seine Aktionen seien "mittlerweile in mehr als 50 Jahren vieldiskutierter Gegenstand und Teil der internationalen bildenden und dramatischen Kunst des 20. und 21. Jahrhunderts", hieß es in einer Erklärung. Innerhalb des "3-Tage-Spiels" werde die eigentliche, etwa sechs Stunden dauernde Kunstaktion am zweiten Tag stattfinden. Am ersten Tag (21.6.) findet ein Konzert statt, am dritten ein Fest.

In den vergangenen Jahren war es mit der zunehmenden Anerkennung durch den Kunstbetrieb etwas ruhiger um den bärtigen Provokateur geworden, auch die Proteste von Tierschützern hatten nachgelassen. 2007 wurde Nitsch im österreichischen Mistelbach ein Museum gewidmet, ein Jahr später eins in Italien.

Aus der Leipziger Volkszeitung vom 24.05.2013

Jürgen Kleindienst

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