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Trophäenfund im wilden Garten: Wie die Reste einer Potsdamer Kirche nach Leipzig kamen

Trophäenfund im wilden Garten: Wie die Reste einer Potsdamer Kirche nach Leipzig kamen

Zeitgeschichtliches Forum in der Grimmaischen Straße, zweite Etage, Dauerausstellung: Direktor Professor Rainer Eckert und der Sprecher des Verbundes "Zerstörte Kirchen", Rainer Manertz, tauchen in die Geschichte ein.

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Direktor Rainer Eckert mit den Trümmerstücken der 1968 gesprengten Potsdamer Garnisonkirche. Scannen Sie dieses Foto und sehen Sie ein Video zum Schicksal des Gotteshauses.

Quelle: André Kempner

Leipzig. Es geht um die Garnisonkirche in Potsdam, die - stark von Kriegsschäden gezeichnet - 1968 gesprengt wurde und damit das gleiche Schicksal erlitt wie die hiesige Paulinerkirche und zahlreiche andere Gotteshäuser zu DDR-Zeiten. Seit Jahren engagieren sich in der brandenburgischen Landeshauptstadt eine Stiftung und eine Fördergesellschaft für den Wiederaufbau Kirche. "Ziel ist es, bis 2017 zunächst den Turm auferstehen zu lassen", erklärt der Leipziger Manertz, der 2012 den Verbund ins Leben rief. Das Netzwerk vereint Initiativen aus Leipzig, Magdeburg, Dresden sowie Potsdam, der Geburtsstadt des Historikers Eckert.

Manertz hat gehört, dass im Zeitgeschichtlichen Forum Objekte der Garnisonkirche lagern und sich damit eine spannende Story verbindet, die Eckert zu erzählen weiß. Der lässt sich nicht lange bitten, lotst den Gast durch die Dauerschau hin zu jener Nische, wo per Monitor Filmsequenzen von der Zerstörung mehrerer Gotteshäuser eingespielt werden, auch der Fall der Garnisonkirche ist dokumentiert. "Und hier haben wir zwei Stücke, die von ihr übrig blieben." Der 65-Jährige deutet auf ein gewichtiges Giebelrelief mit den Initialen des Preußenkönigs Friedrich Wilhelm und auf ein deformiertes Geländerstück, das einst auf dem Turm der Kirche angebracht war.

Die Trümmerteile stammen aus den Beständen des Potsdam Museums, hatten dort in einem Depot ihr Dasein gefristet, bevor sie als Leihgaben nach Leipzig kamen. "Dafür haben wir eine Trophäe zurückgeben, die ich gerne hier behalten hätte", erklärt Eckert und schlägt den Bogen in die Vergangenheit. Als er sich mit einer Handvoll Kollegen 1997 an die Konzeption für das zwei Jahre später eröffnete Zeitgeschichtliche Forum machte, war für ihn klar, dass das Jahr 1968 mit dem Prager Frühling und dessen Niederschlagung sowie den Kirchenvernichtungen in der DDR nachhaltig in der Ausstellung verankert werden muss.

"Ich war in Prag, als die sowjetischen Panzer einrollten, habe als Abiturient und Mitglied der Jungen Gemeinde gegen die Auslöschung der Garnisonskirche protestiert." Eckert musste mit ansehen, wie die Kirche, die sich wehrhaft zeigte, mit mehreren Sprengungen aus dem Stadtbild getilgt wurde - als unerwünschtes Relikt des Preußentums und der Hohenzollerntradition. Mit seiner Pouva Start lichtete er ihr Ende ab, wurde dafür ins Polizeipräsidium abgeführt. "Nach der Vernehmung haben sie mich wieder laufen lassen, die Kamera wurde - warum auch immer - nicht einbehalten und so gibt es die Fotos noch heute."

Als es an die Bestückung der Ausstellung in Leipzig ging, machte er sich in Potsdam auf die Suche nach Überresten des Kirchenbaus, der anno 1735 geweiht worden war. Kommissar Zufall spielte Eckert in die Hände, im verwilderten Garten einer Villa stieß er auf zwei Trophäen. Sie gehörten zum Skulpturenensemble auf der Kirche, eine davon konnte er für das Zeitgeschichtliche Forum als Leihgabe ordern. Lange war sie hier zu sehen, bis sie wieder nach Potsdam und im Gegenzug das Turmgeländer-Teil und das Giebelrelief nach Leipzig transportiert und hier in der Schau platziert wurden. Wie lange sie noch zum Fundus gehören werden, vermag Eckert nicht zu sagen.

"Da wohnen zwei Seelen ach in meiner Brust. Einerseits wünsche ich mir, dass in Potsdam das Kirchenaufbauwerk gelingt und die zwei Objekte darin integriert werden. Andererseits sind sie hier sehr gut aufgehoben, bezeugen sie doch die Kirchenbarberei zu DDR-Zeiten, mit der auch die Christen eingeschüchtert werden sollten."

Aus der Leipziger Volkszeitung vom 03.03.2015

Mario Beck

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