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Tübke bleibt durch sie lebendig: Leipziger Maler-Witwe wird 80

Tübke bleibt durch sie lebendig: Leipziger Maler-Witwe wird 80

Sie redet gerne, aber nur wenig über sich selbst. „Ich bin doch nur eine Nebenperson“, meint Brigitte Tübke-Schellenberger, während sie durch das Atelier ihres Mannes führt.

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Die Witwe Brigitte Tübke-Schellenberger mit dem „Selbstbildnis mit Palette“ (1971) ihres Mannes, dem Maler Werner Tübke.

Quelle: dpa

Leipzig. Der Maler Werner Tübke (1929-2004) lebt nicht mehr, aber lebendig ist er immer noch - auch durch seine Witwe. Die frühere Scheidungsanwältin pflegt das Erbe von einem der bekanntesten Künstler der DDR. Vor fünf Jahren wurde auf ihre Anregung eine Stiftung mit den Arbeiten ihres Mannes gegründet, die sich im ehemaligen Atelier des Malers befindet. Es ist das Lebenswerk der Tübke-Witwe. Am 17. August wird die umtriebige Leipzigerin 80 Jahre alt.

Selbst ihren Geburtstag nutzt sie im Sinne ihres Mannes. „Weil ich am Tag danach mit meiner gesamten Familie und einigen Freunden in den Spreewald fahre, habe ich die Gratulanten gebeten, statt Blumen oder Geschenken etwas für die Stiftung zu spenden“, erzählt die resolute Frau; und: „Viel lieber wäre mir, ich würde 81. Da müsste ich nicht so groß feiern.“

Vor 35 Jahren hatte für die Anwältin mit zwei Söhnen aus erster Ehe eine neue private Ära begonnen. In Bad Frankenhausen, wo Tübkes riesiges Gemälde zum deutschen Bauernkrieg hängt, heiratete sie den ebenfalls geschiedenen Maler. „Damals fand ich das blanke Chaos vor“, berichtet sie. Organisieren sei nicht des Künstlers Fall gewesen. Daher übernahm sie diese Aufgabe. „Er sagte immer „Ich bin die Produktion, meine Frau die Verwaltung““. Bis 1982 arbeitete sie noch als Anwältin, danach widmete sie sich voll ihrem Mann. Aber:

„Ich war nie im Atelier, wenn er gearbeitet hat.“

Gemalt und gezeichnet hat Tübke viel. Selbst an Feiertagen und im Urlaub teilte sich die Maler-Gattin ihren Mann mit dessen Leidenschaft. „Er hat von früh bis spät gearbeitet, auch zu Weihnachten und im Urlaub. Auf Reisen etwa sind dutzende Aquarelle und Zeichnungen entstanden.“ Andere Sparten der Kunst - etwa Theater oder Konzerte - hätten ihn nicht interessiert. „Mein Mann war sehr introvertiert. Er war am liebsten alleine oder im kleinen Freundeskreis“, berichtet die kontakt- und gesprächsfreudige Witwe, die manche ihrer Freunde seit 65 Jahren hat.

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Werner Tübke auf einem Bild aus dem Jahr 2001.

Quelle: Wolfgang Zeyen

„Das bin ich, im Alter von 18 Jahren!“, sagt sie stolz und zeigt auf ein riesiges Gemälde ihres Mannes. Oft habe er sie aber nicht als Motiv gewählt. „Er sagte immer, es falle ihm schwer, jemanden zu malen, der ihm nahe stand.“ Mit roten Lippen, knallrotem Nagellack und weißem Jackett samt Zigarettenschachtel in der Tasche führt sie die Besucher durch ihr einstiges gemeinsames Wohnhaus, in dem sie fast 30 Jahre gelebt hat.

In der Villa ist nun die Galerie Schwind untergebracht, die auch Arbeiten aus dem Tübke-Nachlass verkauft. Zudem hat dort eine Kunst-Sammlung mit Werken aus Leipzig ihr Domizil. Und unter dem Dachgeschoss kann immer samstags das ehemalige Tübke-Atelier besichtigt werden.

Die Witwe pflegt auch das Werksverzeichnis - und stößt dabei ab und an auf bislang noch unbekannte Werke. „Er hat als junger Mann viele Nachbarskinder gemalt. Als er noch lebte, hat sich keiner getraut, sich zu melden. Aber jetzt ruft immer mal jemand an.“ Auch gefälschte Arbeiten seien schon aufgetaucht; von Privatleuten oder auf Kunst-Auktionen. „Ich bin keine Kunsthistorikerin, erkenne aber sofort, was von ihm ist!“, sagt Brigitte Tübke-Schellenberger.

Nach dem Tod des Malers zog sie aus der Villa aus, in eine Wohnung an der Thomaskirche. Die Wände zieren natürlich Arbeiten ihres Mannes; mit einer Ausnahme: Der Maler Michael Triegel (42), der jüngst den Papst porträtiert hat und den Stil von Tübke fortsetzt, hat der Witwe zu ihrem Einzug eine Arbeit geschenkt.

Sophia-Caroline Kosel, dpa

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