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Twin Peaks wird 25 Jahre alt - Neue Serien-Folgen ohne Regisseur David Lynch

Twin Peaks wird 25 Jahre alt - Neue Serien-Folgen ohne Regisseur David Lynch

Ein Kleinwüchsiger, ein Riese, ein Einarmiger, der Telepathie fähige Holzscheite, unschuldige Teenager, mordende Bestien und mittendrin ein schräger FBI-Agent: Als die Serie „Twin Peaks“ Anfang April 1990 erstmals im US-Sender ABC lief, mussten Zuschauer viele Sehgewohnheiten über Bord werfen.

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David Lynch überrascht die «Twin Peaks»-Fans. Foto: Kiko Huesca

Quelle: dpa

Leipzig. Darsteller sprachen zuweilen rückwärts. Irgendwann wurde sogar eine arme Frau in einen Möbelknauf verwandelt. In dieser Serie war vieles unwirklich und alles möglich. Dennoch war das Projekt von David Lynch („Mulholland Drive“) und Mark Frost („Fantastic Four“) so famos inszeniert, dass es TV und Mode der frühen Neunziger prägte – bis hin zum allgegenwärtigen Holzfällerhemd. Manche Serien wie „Akte X“ wären ohne „Twin Peaks“ kaum denkbar.

Das Changieren zwischen Horrorfilm und Soap deutet sich schon im Vorspann an, das Magazin „Rolling Stone“ bezeichnete die Musik von Angelo Badalamenti später als den „einflussreichsten Soundtrack der TV-Geschichte“. Während eine E-Gitarre sanft den Takt vorgibt, hebt ein kleiner Buschzaunkönig den Kopf. Die Kamera zeigt Rauch, der aus altertümlichen Schloten in den Winterhimmel aufsteigt. Lange Momente sind dann nur noch funken sprühende Kreissägen zu sehen. Flöten und Klarinetten ergießen eine Flutwelle von Pathos über die eigenartig bedrohliche Sägenszene. Dann endlich der Schriftzug „Twin Peaks“ und das Ortsschild mit der Einwohnerzahl 51 201. Dahinter ist die namengebende doppelte Bergspitze am trüben Horizont zu sehen.

Die Handlung von „Twin Peaks“ kann man ausgesprochen kurz oder ausgesprochen lang erzählen. Die kurze Version: Im Holzfäller-Kaff Twin Peaks im US-Staat Washington wird die Schülerin Laura Palmer ermordet, nach einigen Umwegen kommt heraus, dass der Vater es war. Die lange Version ist verwinkelt, düster, schräg und widersprüchlich. Kyle MacLachlan (er hatte ebenso wie der Komponist schon bei „Blue Velvet“ mit Lynch gearbeitet) spielt FBI-Special-Agent Dale Cooper. Immer freundlich, immer aufgeräumt, immer wie aus dem Ei gepellt. Seine Kollegin heißt Diane und ist ein schwarzes Diktiergerät, von dem man nie erfährt, ob es je abgehört werden wird. „Diane, 11 Uhr und 30 Minuten. 24. Februar. Ankunft in der Kleinstadt Twin Peaks. Sieben Kilometer südlich von Kanada, 15 Kilometer westlich von der Staatsgrenze. Ich hab noch nie so viele Bäume auf einmal gesehen.“

Cooper kann sich immer kindlich über guten Kirschkuchen und heißen Kaffee freuen. Seine erste Frage in der Mordsache Laura Palmer: „Sheriff, was sind das für fantastische Bäume, die hier überall in der Gegend wachsen?“ Der FBI-Mann ist unorthodox und entscheidet seine Ermittlungstaktik zuweilen mit einer Art Dosenwerfen. Schnell stellt er fest: Irgendwie hängen fast alle in Twin Peaks irgendwo mit drin. Nachts sagen Menschen in Coopers Träumen Sätze wie „Feuer zieht mit mir“. Tagsüber empfiehlt eine Oma ihren Holzscheit als Zeugen für die Ermittlung.

Wäre es nach Lynch und Frost gegangen, wäre der Mörder der hübschen Laura (Sheryl Lee) nie verraten worden. Doch sie mussten dem Druck der Geldgeber nachgeben, in den Folgen danach war viel Luft raus, auch wenn die Serie dank prominenter Gastregisseure stark blieb. In Deutschland gab es übrigens ganz anderen Ärger um die Identität des Täters. Der größte TV-Konkurrent des ausstrahlenden Senders RTL plus, nämlich SAT.1, verriet 1991 den Zuschauern,

dass Lauras Vater Leland (Ray Wise) der Täter war. Die Sender trafen sich später vor Gericht. Viele waren so empört wie einst beim ARD-Knüller „Das Halstuch“, von dem Kabarettist Wolfgang Neuss frech das Ende verraten hatte.

Für „Twin Peaks“ geht es weiter: Produzent Frost will neue Folgen drehen, die 2016 – 25 Jahre nach dem Ende der Originalserie – ausgestrahlt werden könnten. Mit Lynch kann er allerdings nicht rechnen. Der verkündete via Twitter: „Nach einem Jahr und´vier Monaten bin ich aus den Verhandlungen ausgestiegen, weil für die Bücher nicht genug Geld zur Verfügung steht, damit ich sie so umsetze, wie ich es tun möchte.“ „Ich bin sehr aufgeregt, in die eigenartige und wundervolle Welt von Twin Peaks zurückzukehren“, sagte MacLachlan kürzlich in Erwartung der Neuauflage. Dazu trank er wie sein Serien-Alter-Ego begeistert eine Tasse Kaffee. Der heute 56-Jährige hatte wie so viele Darsteller aus dieser Kultserie danach nie wieder einen vergleichbaren Erfolg. Einer der vielen rätselhaften Sätze, die in dieser Serie gefallen sind, hat damit nach 25 Jahren auch endlich eine reale Bedeutung erhalten. Denn 1990 wurde dem FBI-Ermittler Folgendes im Traum prophezeit: „Deine Lieblingsserie kommt bald wieder in Mode."

Christof Bock

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