Menü
Leipziger Volkszeitung | Ihre Zeitung aus Leipzig
Anmelden
Kultur Udo Lindenberg füllt Arena Leipzig zwei Tage hintereinander mit perfekter Show
Nachrichten Kultur Udo Lindenberg füllt Arena Leipzig zwei Tage hintereinander mit perfekter Show
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
23:25 26.03.2012
Udo Lindenberg am 25.03.2012 in der Arena Leipzig Quelle: André Kempner
Leipzig

Er schwebt ein. Ein  riesiger blauer Zeppelin landet in der Halle. Der Panikator steigt aus dem Metallkorb. Macht gleich mal den Mikro-Schleudertest, lässt die langen Beine schlängeln und die Hände tellern. „Odyssee“ eine uralte Nummer. Ganz sicher war ein Großteil in der Leipzig Arena noch gar nicht geboren, als der Song 1983 erschien. Nun nuschelt der Mann mit Hut, Matte (nicht sehr echt), Glitzergürtel und engen Hosen ein paar Generationen zusammen. Nur wenige können das. Udo Lindenberg ist im Club der Brückenbauer der Präsident.

Leipzig. Panik in der Red-Bull-Arena: Udo Lindenberg macht nächstes Jahr mit seiner neuen Tour in Leipzig Station. Der Rocker kündigt eine gewaltige Bühnenshow für den 14. Juni an, die nur unter freiem Himmel funktioniert. Neben seinen Gassenhauern, die die Fans im Schlaf mitsingen können, will Udo auch einige neue Songs präsentieren. Die LVZ bietet am 17. Oktober einen exklusiven Vorverkauf an.
Ein Panikrocker, in dessen Versen die deutsche Sprache bebt und poetet, verrauscht und verwirbelt – und immer wieder zu Sätzen kommt, die eine ganze Halle mitsingen kann. „Ich lieb dich überhauuuuupt nicht mehr“, „Hinterm Horizont geht’s weiter“, „Was hat die Zeit mit uns gemacht“, das kann, das kennt jeder. Da muss jeder einfach singen. Udo Lindenberg blickt aus Kajalstift-Augen milde aufs Meer der Arme. Ein Steg geht weit in den Saal hinein. Den tänzelt er entlang. Bleibt stehen, das Licht schneidet ihn heraus. Ein Kniefall. Ein Hinfall. Er bleibt einfach liegen und genießt den Jubel. „Mein Ding“, „Boogie Woogie Mädchen“.

Udo Lindenberg, das ewige Stehaufmännchen. Von „Stark wie zwei“ und „MTV unplugged“ hat er jeweils weit über ein halbe Million verkauft. Davon können andere in Download-Zeiten nur träumen. Warum das so ist, zeigt er livehaftig. Er beherrscht die Bühne mit den Bildern auf der Riesenleinwand in 1a-Auflösungsqualität. Er hat einen glasklaren Sound. Er hat Songs, die unter die Haut gehen. Oder in den Körper. Er hat eine Rock-Rambazamba-Show, die atemlos macht. Wie in lindenblättrigen Rockrevue-Tagen.

Wenn Clueso zum „Cello“-Duett erscheint, schwebt eine Riesen-Plastikkugel herab, eine Artistin steigt ein, verbiegt den Körper, ein Cello senkt sich herab. Sie klemmt die Beine in die Kugelöffnung, nimmt das Instrument und streicht die Saiten. Wenn Udo die „Höllenfahrt“ (Erinnerung an tote Rocklegenden) überlebt hat, geht er geschützt durch den Saal und steigt auf ein Podest. Unplugged-Zeit.  Bei „0 Rhesus Negativ“ klappt ein Sarg auf. Graf Dracula beißt Udo. Der wird mit Sirenen zurück zur Bühne gefahren, während der bleiche Vampir an Seilen turnt.

Zum Unplugged-Teil (beginnt mit „Leider nur ein Vakuum“) gehört dann auch die epische Ballade „Meine erste Liebe“, allerdings in einer stark gekürzten Version, aber mit der fantastischen Nathalie Dorra. Udo ist nach Vampirbiss und Behandlung auferstanden, macht ein paar Stolperschritte und ist im „Straßenfieber“. Die Gitarren riffen Zorn und Rebellion. Udo tanzt den langen Steg entlang.

Zwischendurch immer mal wieder schnoddrige Kommentare zur politischen Lage. „Nazis verpisst euch, keiner vermisst euch“ (Sie brauchen keinen Führer), Oberganove Putin, Schwein Assad und Rummeier-Chinesen treffen sich bei Udos Blick auf Syrien, bevor er „Wozu sind Kriege da?“ fragt. Eine Kindergruppe singt mit. Mit „So’n Schweineding bleibt ja nicht ewig stehen“ kommentiert Udo den Mauerfall (Mädchen aus Ostberlin), verbeugt sich vor Leipzig, wo alles begann, und erinnert an sein  „Live in Leipzig“-Konzert 1990, als möglich wurde, was ewig nicht möglich schien. Josephin Busch hätte unterm Regime der Honeckerretten sicher nicht mit dem Lederhosen-Udo „Gegen die Strömung“ wandern können. Jetzt ist sie der Star des Lindenberg-Musicals in Berlin und mit auf Tour. Nicht die einzige Schönheit, die in engen Hosen neben dem Panikrocker Stimme hören und Körper sehen lässt. „Was hat die Zeit mit uns gemacht“ bringt Vanessa Mason als Bildschöne aus Udos Bunter Republik Deutschland auf die Bühne. Das Licht leuchtet rot und blau, auf der Hallenhinterwand tanzen ein paar grüne Laserlicht-Kreise.

Keine Pause. Kein Tempoverlust. Keine Drosselung. Udo zieht durch. Nichts da mit panischer Mattigkeit. „Der Greis ist heiß“ – und eine Truppe maskierter Alter tanzt wild und ekstatisch. „Honky Tonky Show“ – und die Bühne quillt über. Immer wieder lässt Udo Lindenberg dem Panikorchester Platz. Dann ist er wieder Platzhirsch. „Stark wie zwei“, der Song für den toten Bruder. Einfach ein ganz starkes Lied in einer ganz starken Show.

28 Stücke hat Udo Lindenberg am Ende hingelegt, in knapp drei Stunden. „Johnny Controletti“, „Sonderzug nach Pankow“, „Andrea Doria“ gehen als rockiges Dauer-Feuerwerk ineinander über. „Candy Jane“, eine verdammt knallige „Reeperbahn“. Dann „Goodbye Sailor“. Der Zeppelin schwebt wieder ein. Udo pafft Zigarre, hat ein Köfferchen dabei, steigt ein in den Korb und entschwebt. Der Vorhang schließt sich. Ein Breitwandbild mit Regen und Möwen. Stadtpanorama im blauen Licht. Feuer schießt aus dem Boden. Funken fallen. Der kosmische Udo Lindenberg ist weg. Glückshormone sind geblieben. Diese Show – hallöchen, lass jucken – war megageil und wotanwahnwitzig.

In der aktuellen Ausgabe von Leipzig Exklusiv gibt es ein ausführliches Interview mit dem Panikrocker Udo Lindenberg.

Norbert Wehrstedt

Kommentare
Die Debatte geht am Morgen weiter
Die Kommentarfunktion ist zwischen 23:00 und 06:00 Uhr nicht aktiv – denn wir wollen eine gute Moderation der Beiträge gewährleisten.
Wir freuen uns am Morgen über Ihre konstruktiven Beiträge zum Thema!

[gallery:500-1528274943001-LVZ] Leipzig. Kanonenschüsse, Feuerwerk, brennende Segel und eine Piratenbraut, die über einem imposanten Schiffsbug durch die Lüfte schwingt: Wer sich am Samstagabend in der ausverkauften Arena Leipzig in einem Ausschnitt aus dem Kinohit „Fluch der Karibik“ wähnte, lag falsch.

25.03.2012

Party-Stimmung und volle Lokale in der Leipziger Innenstadt: Beim Kneipenfestival Honky Tonk haben in der Nacht zum Sonntag tausende Besucher bis zum Morgengrauen getanzt und gefeiert.

25.03.2012

Kandidatenrunde im Innenministerium: Zehn sächsische Bewerber für das Unesco-Welterbe werden am Montag und Dienstag in Dresden vorstellig. Vor einer eigens gebildeten Expertenkommission können die Kandidaten ihre Anträge mündlich präsentieren, wie das Innenministerium ankündigte.

24.03.2012