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Kultur Udo Lindenberg schwebt gleich zweimal durch die Leipziger Red-Bull-Arena
Nachrichten Kultur Udo Lindenberg schwebt gleich zweimal durch die Leipziger Red-Bull-Arena
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23:03 13.06.2014
Quelle: dpa
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Leipzig

Freitag, 20.30 Uhr: Die über 40000 in der fast ausverkauften Leipziger Red-Bull-Arena warten nach ausführlichem Vorspiel mit Max Buskohl und den Midnight Ramblers mit Andreas Bourani auf den Meister.

Dann, endlich, erscheint er über den jubelnden Massen - aus dem Himmel kommt er her. Während sich unten die LED-Wand öffnet und ein Dampfer durch einen tosenden Ozean auf die Bühne fährt, schwebt der 68-Jährige in einer Stahlgondel über ein Meer aus tausenden Fan-Armen hinweg auf die Bühne. Dröhnt dazu "Odyssee" in das Rund. Schlängelt so ausladend mit den Beinen, wie es die Gondel hergibt. "Der Kompass klemmt, die Navigatoren/ Haben schon längst die Richtung verloren/ Die Nacht ist Schwarz, der Nebel so dicht/ Und schon seit Jahren kein Land in Sicht." Udos Kommentar zur Weltpolitik vom gleichnamigen 83er Album klingt heute so frisch - und leider auch so aktuell wie damals.

Fotos vom Konzert

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Udo Lindenberg in der Red-Bull-Arena Leipzig: Am Freitag (13.06.2014) gab der Panik-Rocker das erste von zwei Konzerten.

Und los geht die Riesenparty mit Panikorchester und beeindruckender Crew aus Tänzern und Musikern. Dagegen wirkt die Fußball-WM wie ein Kindergeburtstag. Der Trend ist im Pop-Zirkus nicht mehr aufzuhalten, alles muss größer, bunter und schriller werden. Bei Udo ist das anders. Er hat die große Show schon immer zelebriert, Rock, Varieté und Manege zusammengebracht - hier im Stadion setzt er noch einen drauf, lässt zu "Gerhard Gösebrecht" ein Ufo mit Aliens von der Stadiondecke auf die Bühne herunterschweben, zur "Klavierlehrerin" einen Matrosen an einem aufblasbaren Riesenklavier spielen. Und und und. Dass die Gondel gegen Ende mal klemmt, macht dann wirklich nichts.

Das sagen die Fans

Es ist die sympathisch-lässige, im nasalen Lindiom vorgetragene Selbstironie, die diese Udo-Konzerte zu einem Ereignis macht, das weit über HaHa-Effekte hinausgeht. Klar inszeniert der Mann sich seit Jahren als seine eigene Karikatur, zu sagen hatte er aber immer etwas, nervte etablierte Politiker in Ost wie West. Hier unter dem kühlen Abendhimmel hat er einen ganzen Koffer mit Erinnerungen mit - zum Beispiel an das "erste Konzert in Leipzig, als endlich die Scheißmauer weg war, in der Messehalle. Das war so ein Hammer. Ich habe geheult. Ich konnte gar nicht weitersingen."

Und dann war da ja noch die Zeit, "als ich euer VEB-Sänger war, der staatlich anerkannte Staatsfeind".

Philipp Yorck Herzberg, heute Professor für Psychologie in Hamburg, weiß, was der Sänger meint. Er gehörte damals zu den Fans, die bei Lindenbergs legendären Auftritt 1983 im Palast der Republik draußen auf ihr Idol warteten, während drinnen nur handverlesenes Publikum zugelassen war. "Er kam hinterher raus, sollte ins Auto gedrückt werden. Die Fans warfen sich davor. Udo winkte ihnen zu." Als in seiner Schule bekannt wurde, dass er draußen auf Udo gewartet hatte, wäre Herzberg fast aus der Abi-Klasse geflogen. "Ich hatte Glück." Lindenberg jetzt hier auf der Bühne zu sehen, das sei schon etwas ganz Besonderes.

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Auch für den Sänger, "in dieser ganz geilen Stadt", in der ja auch Kollege Bach "an diesem Wochenende ne geile Party" feiere. Die halbe Stadt beschallt an diesem Abend aber er, der Panik-Präsident. Durch 60 Jahre deutschen Rock spaziert er da, hochkarätigen Gäste stehen ihm zur Seite. Das wehmütige "Cello" singt er mit Clueso. Mit Peter Maffay rockt er "Sie brauchen keinen Führer". Mit Max Herre zelebriert er die "Bunte Republik Deutschland", nuschelt im Duell mit Jan Delay. Beim gefeierten und leider nur angespielten "Rock'n'Roll Arena in Jena" sitzt Sebastian Krumbiegel am Klavier. Josephin Busch, die im Musical "Hinterm Horizont" das "Mädchen aus Ostberlin spielt, darf auch mitsingen.

Und Udo? Er kann es noch, er federt, lächelt, tanzt und rennt mit schwarzer Sonnenbrille und braunem Hut über die Bühne. Seniorensport auf höchstem Niveau. Zwischendurch - so viel Zeit muss sein - spendiert er einen Eierlikör oder holt sich von seinen Tänzerinnen Küsse.

Zusammen einer Truppe Senioren lässt er sich im Rollstuhl über die Bühne schieben. "Betreutes Rocken" nennt Lindenberg sein Konzert. Zu "Wozu sind Kriege da" holt er Kinder auf die Bühne, die später nochmal im Lindi-Look wiederkommen. Udo in Leipzig, ein Mehrgenerationenprojekt mit einem pompös und druckvoll aufspielenden Panikorchester. Nach zwei Zugabenblöcken mit dem unvermeidlichen "Sonderzug nach Pankow" und einem Zwischenstopp auf der "Reeperbahn" legt er zu seiner Absturz-Hymne "Woddy Woddy Wodka" einen Raketenstart hin. In einem Käfig schwebt ein Astronaut nach oben. Nach fast drei Stunden ist das Feuerwerk aus Nostalgie und Power vorbei. Am Samstag war er ja nochmal da.

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Jürgen Kleindienst

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