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Kultur Überlebenslieder mit Georgette Dee und Terry Truck im Leipziger Schauspielhaus
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20:01 14.12.2014
Inzwischen ohne Zigarette, aber mit Glas und Traum-Stola: Georgette Dee am Freitagabend im Schauspiel Leipzig. Quelle: Wolfgang Zeyen
Leipzig

"Kann man ja eigentlich nur noch ein Liebeslied dranhängen", sagt Georgette Dee. "So ein kleines." Natürlich. "Es muss was Wunderbares sein ums Lieben zweier Seelen ..." - damit setzen Dee und ihr Pianist Terry Truck einen zärtlichen Schlusspunkt hinter ihren neuen Abend "Der Seemann und der Prinz".

Georgette Dee gibt es gar nicht. Es gibt die Sängerin, die Schauspielerin, die Kunstfigur im bodenlangen Kleid. Sie ist die Diseuse, die über ihre Stola stürzt, ist die Melancholikerin, die Frivole, die Philosophin, die aus der Rolle fällt. Sie trinkt Sekt oder Wodka. Schweift ab bis kurz vor Mitternacht. Oder nicht. Wie Flügel breitet sie die Arme aus. Oder wird vom Mikrofon gehalten. Nie ist Georgette Dee all das zugleich. Und immer anders.

Diesmal, am Freitagabend im Leipziger Schauspielhaus, wirkte die Künstlerin nahezu diszipliniert. Nach nur zweieinhalb Stunden war alles vorbei, vielleicht auch alles gesagt. Am Jubel ändert's nichts. Mit Jubel wird sie empfangen, Jubel brandet auf, sobald die Fanfamilie im voll besetzten Haus die Klassiker erkennt: von "An Land" über "Die großen weißen Vögel" und "Alles von mir" bis "Ich bin von Kopf bis Fuß auf Liebe eingestellt" ... Am Ende Jubel bis zum letzten Schluck.

"Bonbonnierefarben" ist die Stola. Eine "Traum-Stola", denn um Träume geht es, die süßen, um die Suche, auf der jeder ist, nach irgendetwas oder irgendwem. Sie führt durch die Welt und über die Meere. Und sie entwickelt sich hier aus Trucks Vertonung von Friedrich Nietzsches "Der geheimnisvolle Nachen" zu einem Ausflug in Gründe und an Abgründe. Gut möglich, dass das Leben ein Traum ist und das Sterben das Erwachen daraus. "I'll Always Love You" singt Georgette Dee in einer hinreißenden Version. Terry Truck macht Fremdes wie Eigenes zum Ereignis und legt unter die Conférencen einen Teppich aus Brokat.

Der rote Faden dieses Abends gleicht einem Tau, an dem alles mit allem zusammenhängt: Rausch und Liebe und Abschied und Sterne und ein leckgeschlagener Morgen. Auf offener See kann's schon mal schaukeln. Besser, man hält sich irgendwo fest: an Musik.

"Die Liebe hat mich zur Bettlerin gemacht", sagt Georgette Dee und geht mit "Durchhaltesongs" und "Überlebensliedern" durch ihren Traum, in dem sie hinaustreibt aufs Meer, zu zwei Männern; die Rettung vielleicht. Es sind Seemann und Prinz. Der eine, ein Typ von "neptunaler Bedrohlichkeit", schneidet sich eine Rose aus der Brust, der andere nennt ihn Aufschneider. Gehen sie aufeinander los, riecht es "nach Schweiß und Pferd und Honig". Eine Handtasche reißt das Maul auf - und da klingen sie an, die Assoziationen, mit denen sie weit vom Kurs abkommen kann auf dem Weg zu Erkenntnissen wie "Es gibt immer Ärger, wenn man sich differenziert benimmt." Oder: "Im Alter werden die Abstände zwischen den Belohnungen kürzer." Dies passiert diesmal kaum. Die Worte wehen eben mehr übers Meer als aus der Hafenbar herüber. Matrosen aber gibt es überall.

"Als kindliche Kaiserin der proletarischen Herzen darf ich das", sagt sie, sich mit nachgefüllten Glas in der Stola verheddernd. Alles, Frau Dee. Alles.

Aus der Leipziger Volkszeitung vom 15.12.2014

Janina Fleischer

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