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Überraschung: Mit "Mal hier, mal dort" erscheinen verstreute Arbeiten der Dichterin Lene Voigt

Überraschung: Mit "Mal hier, mal dort" erscheinen verstreute Arbeiten der Dichterin Lene Voigt

Frau Liselotte wohnt im Hochparterre. Sie ist neu in der Großstadt, sie ist allein in dieser mondbleichen Nacht, und sie fürchtet sich sehr. "Geister" ist der Text überschrieben, die vermutliche erste Veröffentlichung Lene Voigts, geborene Wagner.

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Die Leipziger Autorin Lene Voigt.

Quelle: LeneVoigtGesellschaft e.V.

Leipzig. Fundstücke wie dieses, zusammengetragen aus Archiven, bilden nun den fünften und vorletzten Band der Lene-Voigt-Werkausgabe. Die verstreuten Arbeiten sind Anthologien entnommen, Zeitungen und Zeitschriften wie der Neuen Leipziger Zeitung, Roten Fahne oder Der Drache. Sie stammen aus den Jahren 1906 bis 1940 und runden das Bild, das sich heute Leser machen können von jener Frau, die vor allem als sächsische Mundartdichterin verehrt wird. Ihre populärsten Gedichte, Prosatexte, Balladen und Märchenparodien füllen die ersten vier Bände. Nun ist es Zeit für Entdeckungen.

Eine davon ist das "Briefkasten-Idyll" aus dem Jahr 1921. Da kommen die Zeitungen Vorwärts und Freiheit nebeneinander zu liegen, Zentralorgane von SPD und USPD. Sie nähern sich verschämt und fassen Vertrauen, wenden sich doch beider Leitartikel gegen den Kommunismus. Die Freiheit "errötete bis ins Lokale, schmiegte sich aber gleichzeitig mit dem Inseratenteil an die Familienrubrik des ,Vorwärts'", da flattert das  KPD-Blatt Rote Fahne in den Kasten und die kleine Parabel auf Gesinnungsfeigheit erreicht ihren Höhepunkt. Hier lässt sich die Entwicklung der Voigt zur politisch wachen Satirikerin verfolgen. In ihrer ersten Buchveröffentlichung, sie war vertreten in "Dichtung und Prosa von Leipziger Frauen", wird die Autorin 1914 noch so vorgestellt: "Helene Wagner wurde am 2. Mai 1891 zu Leipzig geboren. Sie ist eine von jenen glücklichen Naturen, die das Leben von der heiteren Seite belauschen und kleine Studien in reizend humorvoller Weise wiederzugeben vermögen."

Die Voigt schreibt über Theater-Freunde, Glühwürmchen, die großen Ferien - über Alltag, dessen Tücken, über Durchschnittsmenschen, deren Macken sie aufs Korn nimmt.  Die Gedichte, Prosa-Miniaturen, Dialoge oder Glossen konstatieren hochdeutsch, glossieren sächsisch. Im "Audomahden-Resdaurang" karikiert sie die Gäste,  in "Trotz alledem" beschreibt sie die letzte Nacht eines politischen Gefangenen, in einem Pamphlet geißelt sie die Doppelzüngigkeit der "Kompromiss-Atheisten". So entstehen in dieser Zusammenstellung Zeitenbilder der 20er, 30er Jahre, gemalt aus der Perspektive des so genannten kleines Mannes. Mit dem Augenzwinkern der Menschenkennerin lenkt Voigt den Blick hinter das Offensichtliche. Nicht immer ist das literarisch unangreifbar, oft sind die Texte für den Tag geschrieben. Hier kalauert sie ausgelassen über die "Offerte eines zerstreuten Buchhändlers", da urteilt sie in Roman-Rezensionen klug und zupackend. Und immer wieder kann sie überraschen, die Voigt, die eben nicht nur Mundartdichterin war. Die gelernte Kindergärtnerin arbeitete bei verschiedenen Leipziger Verlagen, veröffentlichte "Säk’sche Balladen", "Säk'sche Glassigger" oder "Vom Pleißestrand nach Helgoland. Ein lustiges Reisebild", bevor sie unter den Nazis nicht mehr veröffentlichten durfte,  wegen einer Psychose in die Psychiatrie eingewiesen und nach dem Krieg vorübergehend vergessen wurde. Sie starb am 16. Juli 1962 in Leipzig-Dösen, wo sie zuletzt als Buchhalterin und Botin gearbeitet hat. Für das kommenden Jahr ist Band sechs, "Fernes Erinnern", in Vorbereitung, ein Zusatzband soll sich dann der Biographie widmen.

Lene Voigt: Mal hier, mal dort. Verstreute Arbeiten. Band 5 der Werkausgabe. Herausgegeben von Monica Schütte, Wolfgang U. Schütte, Gabriele Trillhaase im Auftrag der Lene-Voigt-Gesellschaft.e.V. Connewitzer Verlagsbuchhandlung; 420 Seiten, mit Abbildungen, 22,95 Euro

Janina Fleischer

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