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"Union fürs Leben" - Filmer erzählen von den Fans des Berliner Kultvereins

"Union fürs Leben" - Filmer erzählen von den Fans des Berliner Kultvereins

Wenn die Fans eine eiserne Macht sind: In ihrem Film erzählen Rouven Rech und Frank Marten Pfeiffer soziale Geschichten vom Leben mit dem Berliner Kultverein 1. FC Union.

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Kamen beide zur Film-Premiere nach Leipzig: Chris Lopatta mit seiner Mutter.

Quelle: Weltkino

Dies ist kein Sportfilm, sondern eine gelungene Milieustudie.

Chris Lopatta lacht sein verschmitztes Lachen: "Mann, habe ich Glück gehabt, wenn ich mir das mit Lok und Chemie so ansehe. Uns Unionern geht es doch richtig gut. Das sollten wir mit Demut hinnehmen." Der Berliner Schauspieler, von 1995 bis 2012 am Theater der Jungen Welt in Leipzig, ist seit Jahrzehnten Fan vom 1. FC Union, kaufte über Aktien das neue Stadion mit, besitzt die Eiserne Karte und hat mit der Band "In Extremo" einen selbst geschriebenen Eisern-Union-Song aufgenommen. Am Mittwochabend war er mit seiner Mutter in den Passage-Kinos. Premiere von "Union fürs Leben", produziert von Filmaufbau Leipzig, verliehen von Weltkino Leipzig. Zwei Firmen von Ex-Kinowelt-Chef Michael Kölmel.

Allerdings ist "Union fürs Leben" keine Geschichte des Fußball-Clubs von der Alten Försterei, der zu DDR-Zeiten als so eine Art Widerstandsverein galt. Vielmehr erzählen Rouven Rech und Frank Marten Pfeiffer, die schon die Hoffenheim-Doku "Das Leben ist kein Heimspiel" (2009) drehten, soziale Geschichten vom Leben mit dem Kultverein. Von Chris Lopatta, der seit den End-70ern Union-verrückt ist, Mario Czaja, dem Senator für Gesundheit und Soziales, der zur VIP-Tribüne gehört, von Stefan Schützler, der Grenzoffizier studierte bis die Wende kam und heute als Streetworker arbeitet, und von Alexander Grambow, der keinen Ausbildungsjob findet und keine eigene Wohnung bekommt, dessen Vater trinkt und während des Drehs stirbt. Mit dem großen, hilflosen, tapsigen Jungen des Union-Dokfilms hatte jener Alexander Gramkow, der sich in Leipzig vorstellte, aber wenig zu tun. Er ist jetzt in einer Sicherheitsfirma, arbeitet ehrenamtlich bei Union - und hat Kilos abgespeckt.

Gleich nach ihrem Hoffenheim-Film hatten Rouven Rech und Frank Marten Pfeiffer, nachdem sie von den Fans gelesen hatten, die den Stadion-Umbau in Berlin finanzierten, die Idee zu "Union fürs Leben". Michael Kölmel, der Ende der 90er auch den 1. FC Union rettete, stieg als Produzent ein. "Wir wollten den Geist und die Stimmung um den 1. FC Union abbilden", sagt Regisseur Rouven Rech. Es sollte kein Sportfilm werden, sondern eine Milieustudie. So fragten sie sich, was an diesem Verein so anders, so besonders ist. Antwort: die Fans. Die lieben den Verein, die leben für den Verein, die nehmen ihn als Heimat, Wurzel, Schicksal und Teil des Kiezes.

Genau das zeigt "Union fürs Leben", der mit Bildern von DDR-Polizeieinsätzen, Stasi-Einschätzungen und aggressiven Vorwende-Fans beginnt. Der mit genauem, wachen Blick für Situationen, einfühlsam und nie aufdringlich dem Alltag einer kleinen Anhänger-Gruppe aus sehr verschiedenen gesellschaftlichen Schichten folgt. Das macht "Union fürs Leben" zum Dokument einer so einzigartigen wie eigenartigen kollektiven Atmosphäre, in der nicht allein der Ball rund ist.

Passage Kinos, Sonntag (6. April), 12.35 Uhr; Mittwoch (9. April), 21.45 Uhr

Aus der Leipziger Volkszeitung vom 04.04.2014

Norbert Wehrstedt

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