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Verehrt und verhasst: Vor 200 Jahren wurde Richard Wagner geboren

Verehrt und verhasst: Vor 200 Jahren wurde Richard Wagner geboren

Er mutet seinem Publikum viel zu. Er mutet den Sängern und Musikern viel zu. Er erntet dafür: tiefe Zuneigung oder strikte Ablehnung. Richard Wagner polarisiert.

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Richard Wagner ist auch heute noch eine polarisierende Figur. 

Quelle: dpa

Bayreuth. Das zeigte sich schon zu Lebzeiten - Revolutionär und Königsfreund, Innovativer Musikdramatiker und wüster Antisemit, Perfektionist und Egoist. Entweder, man ist fasziniert und liebt sein Werk - oder man verabscheut es.

Ganz oder gar nicht, dazwischen gibt es nichts. Adolf Hitler gehörte zu jenen, die Wagners Musik und seine Musikdramen liebten. Diese Tatsache und Wagners deutlich zum Ausdruck gebrachte Judenfeindlichkeit machen ihn zu einer der umstrittensten Figuren der deutschen Kulturgeschichte. Am 22. Mai vor 200 Jahren wurde er in Leipzig geboren.

Wagner ist kein Junggenie im Stile eines Mozart. Er betreibt zunächst Eigenstudium und hat Privatunterricht. Erst der Leipziger Thomaskantor Theodor Weinlig habe die Beschäftigung mit der Musik in professionelle Bahnen gelenkt, schreibt der Wagner-Kenner Dieter Borchmeyer.

Wagner müht sich im Klassikbetrieb: 1833 wird er Chordirektor in Würzburg, es geht weiter nach Magdeburg, Königsberg und Riga. Er ist inzwischen verheiratet mit der Schauspielerin Minna Planer. Die Ehe ist eine Abfolge von Hochs und Tiefs. Sie werden sich später trennen. Aus Riga flieht das Paar bei Nacht und Nebel. Wagner hat eine Sehnsucht. Sie heißt: Paris. Dort will er Karriere machen. Doch es klappt nicht recht, die Wagners leben in bitterer Armut.

In den 1840er Jahren bessert sich die Lage zunächst, Wagner wird Kapellmeister in Dresden. Das Jahrzehnt scheint entscheidend gewesen zu sein. In dieser Zeit hätten sich alle späteren Werke schon herausgebildet, Wagners Werk habe deshalb keine Chronologie, notiert der Schriftsteller Thomas Mann, der Wagner unter anderem auch als „Pumpgenie“ betitelte.

Überhaupt - die Werke: Wer Wagner liebt, braucht gutes Sitzfleisch. Allein die Tetralogie „Ring des Nibelungen“ erstreckt sich über rund 15 Stunden. Sein Einfluss auf spätere Komponisten ist enorm - selbst die Filmmusik made in Hollywood wäre ohne Wagner kaum denkbar.

Die Dresdner Zeit für Wagner endet jäh - er beteiligt sich 1849 am Maiaufstand und muss fliehen. Obdach findet er in der Schweiz, wo ihn der Kaufmann Otto Wesendonck unterstützt. Das Problem: Wagner und Wesendoncks Frau Mathilde verlieben sich ineinander. 1858 kommt es zum Eklat, weil Minna Briefe abfängt. Wagner verlässt die Schweiz. Er gibt Konzerte in vielen Städten, doch die finanziellen Probleme verschärfen sich.

Der Retter in der Not kommt aus Bayern. König Ludwig II. ist ein glühender Anhänger Wagners. Er bleibt Zeit seines Lebens sein größter Mäzen. Wagner seinerseits wird Berater des Monarchen und umschmeichelt ihn: „Und dieses Leben, sein letztes Dichten und Tönen, gehört nun Ihnen, mein gnadenreicher junger König: verfügen Sie darüber als über Ihr Eigenthum!“

Auch privat gibt es große Veränderungen: Wagner beginnt eine Beziehung mit Cosima von Bülow (1837-1930). Es stört nicht, dass die Tochter von Franz Liszt mit dem Dirigenten Hans von Bülow verheiratet ist. Nach Wagners Tod ist sie es, die die Selbstinszenierung Wagners zum Kult steigert, wie Sven Friedrich, der Chef des Bayreuther Wagner-Museums, einmal notiert hat.

1865 wird „Tristan und Isolde“ in München uraufgeführt - pikanterweise unter der Leitung des gehörnten Ehemannes Bülow. Die Oper gilt eigentlich als unaufführbar, die Probenarbeiten sind aufwendig und teuer. Als Wagner zudem in die Tagespolitik des Königreiches eingreifen will, ist es Volk und Politikern zuviel. Wagner müsse gehen, fordern die Minister. Der König beugt sich, der Künstler zieht in die Schweiz. Cosima folgt ihm.

Die finale Station für Wagner wird Bayreuth. Das fränkische Provinzstädtchen hat im 18. Jahrhundert unter Markgräfin Wilhelmine eine Blüte erlebt. Wagner trägt sich mit dem Gedanken, im barocken Opernhaus seinen „Ring“ aufführen zu lassen. Doch die Bühne ist ungeeignet. Trotzdem hält Wagner am Standort fest. Hier, weitab von den großen Zentren, will er seine Festspielidee verwirklichen. Dafür lässt er ein eigenes Opernhaus bauen, für die Familie plant er das Haus Wahnfried. Beides lässt sich nur finanzieren, weil einmal mehr Ludwig II. einspringt. 1876, bei den ersten Festspielen, kann der „Ring des Nibelungen“ erstmals komplett aufgeführt werden. Erst 1882 gibt es wieder Festspiele - Wagners letzte Oper „Parsifal“ wird uraufgeführt. Richard Wagner stirbt 1883 in Venedig.

Jahrzehnte später wird das Festival zur großen Bühne für Adolf Hitler, einem engen Freund des Wagner-Clans. Der Diktator verehrt Wagner und benutzt ihn für seine Ideologie. Dass der Komponist ein Antisemit war und in dem Aufsatz „Das Judenthum in der Musik“ den Juden jede Befähigung zur Kunst absprach, passt perfekt ins Bild.

Zum 200. Geburtstag gibt es unter anderem auch in Leipzig, Wagners Heimatstadt, ein umfangreiches Festporgramm. Zudem werden die Festspiele in Bayreth dieses Jahr ein besonderes Großereignis mit Kanzlerin, weiterer Politprominenz und jeder Menge Showstars werden. Wagners Judenfeindlichkeit, der nationalistische Geist, den Cosima in Bayreuth förderte, die Verstrickungen der Familie mit den Nazis - all das, so scheint es, bleibt den Wissenschaftlern als Diskussionsfeld überlassen. Sobald aus dem Bayreuther Orchestergraben die ersten Töne emporsteigen, gilt es nur noch der Kunst.

Kathrin Zeilmann, dpa

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