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Vibrationen im Museum: Podiumsdiskussion zu Sexismus-Vorwürfen ging am Thema vorbei

Vibrationen im Museum: Podiumsdiskussion zu Sexismus-Vorwürfen ging am Thema vorbei

Sexismus in der Ausstellung "Die Schöne und das Biest": Schön, mal drüber geredet zu haben? Eher nicht. Die öffentliche Sitzung des Beirats für Gleichstellung im Leipziger Bildermuseum geriet am späten Mittwochnachmittag vor rund 80 Gästen zur Farce.

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Podium mit Klinger-Skulptur: Hans-Werner Schmidt, Michael Faber, Genka Lapön, Franciska Zólyom und Volker Rodekamp.

Quelle: Andreas Döring

Da halfen auch die treffsicheren Bemerkungen der moderierenden Gleichstellungsbeauftragten Genka Lapön nichts.

"Fünf, setzen! Aber Sie sitzen ja schon", sagte sie heiter zu Leipzigs souverän unvorbereitetem Kulturbürgermeister Michael Faber, nachdem dieser mal wieder von einem Thema abgeschweift war, das schon mit dem eigentlichen nichts zu tun hatte.

Wie aber hieß es eigentlich genau, dieses Thema, über das sich außerdem Museumsdirektor Hans-Werner Schmidt, GfZK-Direktorin Franciska Zólyom sowie Volker Rodekamp, Präsident des Deutschen Museumsbundes und Direktor des stadtgeschichtlichen Museums auslassen sollten? "Der Leipziger Kulturentwicklungsplan und die gendersensible Sicht auf Kunst." Ein weites Feld, über das das Gespräch dann entsprechend waberte.

Konkret ist es immerhin am Anfang: Sie habe sich vom Mel-Ramos-Plakat am Museum, der Nackten auf dem Schoß eines Pandas, belästigt gefühlt, zunächst nur privat, dann sei sie von vielen angesprochen worden, sagte Katharina Krefft (Bündnis 90/Grüne), Mitglied des Beirats für Gleichstellung. Hier werde "eine Frau in ihrer Verfügbarkeit im öffentlichen Raum" ausgestellt. Eine Einschätzung, die das Museum im Kern zu teilen scheint. Ramos, so hieß es in der eigenen Pressemitteilung in gelehrtem Vibrato, zeige seine Nackten "stets in offensichtlichen erotischen Gestimmtheiten".

Nach längerer Diskussion im Beirat kam es zu einer kritischen Stellungnahme - und nun, zwei Monate nach dem Ende der Schau, zur Debatte im Saal, den Max Klingers "Christus im Olymp" dominiert. Was Schmidt natürlich für eine Pointe nutzt: "Während dort Jesus gekreuzigt werden solle, macht Klinger Werbung für Homosexualität. Sollen wir das Bild jetzt abhängen?" Ramos mache keine sexistische Werbung, sondern thematisiere das Feld "Sex sells". Er habe "gute Vibrationen in der Ausstellung gespürt", zudem 19 Führungen veranstaltet, die zumeist mit "frenetischem Beifall" geendet hätten - "für die Freiheit der Kunst". Und: "Wir haben keine sexistische Werbung gemacht." Die Frau auf dem Panda sei ein Kunstwerk. Allerdings in x-facher Vergrößerung wiederum ein Plakat, mit dem Besucher in die Schau gelockt werden sollen. Oder nicht? Egal.

"Sie schaffen es, mich gleichstellungspolitisch vibrieren zu lassen", kontert Lapön trocken. Den lautesten Applaus bekommt aber Franciska Zólyom. Ramos, meint sie, würde das Thema "Sex sells" nur wiederholen. Die Gegenüberstellung mit Richard Müller sei nicht sinnstiftend. Museen müssten sich weg von einer autoritären Ansprache entwickeln, "von Macht zu Ermächtigung".

Deutlicher ist das Publikum. Es gehe niemandem darum, die Ausstellung zu verbieten, man solle sich nicht hinter der Freiheit der Kunst verstecken, um ein offenbar vermaledeites Konzept zu rechtfertigen. Man könne nicht selbst festlegen, ob jemand diskriminiert würde, sondern müsse schon die Betroffenen ernst nehmen. "Ich fand die Werbung furchtbar", sagt Georg Teichert, Gleichstellungsbeauftragter der Uni Leipzig. Seine Frage an Schmidt bleibt wie so viele unbeantwortet: "Was ist für Sie Sexismus?"

So beweist das Scheitern dieser Debatte, wie dringend sie geführt werden sollte. Nachsitzen!

Aus der Leipziger Volkszeitung vom 28.03.2014

Jürgen Kleindienst

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